Ralf Rangnick steht im Stadion von San Francisco auf dem Spielfeld, im Hintergrund volle Zuschauerränge
Bild anzeigen
Wählen Sie profil als bevorzugte Google-Quelle

Ralf Rangnick bei der WM: sein Vertragspoker mit dem ÖFB

Ralf Rangnick hat dem AC Milan kurz vor WM-Beginn abgesagt, um in Österreich zu bleiben. Davor stand seine Verlängerung auf der Kippe. Einblick in harte Verhandlungsmonate und warum der Deutsche jetzt doch beim ÖFB bleibt.

Drucken

Schriftgröße

Hören Sie sich diesen Artikel an

Ralf Rangnick hat sich in Österreich verliebt. Er schwärmt vom Essen, dem schönen Land, seinen Kickern. In den USA sah man ihn am Trainingsplatz freudig „I am from Austria“ trällern. Und sollte das ÖFB-Team bei der WM weit kommen, so erklärte der Teamchef, werde er auch die österreichische Bundeshymne mitsingen, weil er sich ohnehin schon „als halber Österreicher“ fühle. 

Trotzdem wäre Rangnick zuletzt fast noch ein halber Italiener geworden. Im Mai traf er sich mit Vertretern des Weltklubs AC Milan in Wien. Und zeigte Interesse an dem Job als Mailänder Sportdirektor. In Österreich zog sich die Debatte um seine Verlängerung schon seit Dezember 2025 – ohne zu einem Abschluss zu kommen. Und dann – denkbar knapp vor der WM in den USA, Mexiko und Kanada – kam der potente Nebenbuhler ins Spiel.

Seit wenigen Tagen ist aber klar: Rangnick hat nach dem FC Bayern vor zwei Jahren – und zwischenzeitlich Borussia Dortmund – nun auch den großen AC Milan auflaufen lassen, um Teamchef in Österreich zu bleiben.  „Mir liegt das Ganze hier wirklich am Herzen“, erklärte er sichtlich zufrieden im ÖFB-Trainingsanzug.

Rangnick und ÖFB-Funktionäre gingen öffentlich aufeinander los. Der Teamchef sei „sehr schwierig“, erklärte Interimspräsident Wolfgang Bartosch Anfang 2025 gegenüber profil.

Dabei stand seine Verlängerung zuletzt ernsthaft auf der Kippe. profil hat die Causa begleitet, mit Beteiligten gesprochen und gibt nun Einblick in harte Verhandlungsmonate. Warum hat das alles ein halbes Jahr gedauert? Und wieso bleibt Rangnick trotz der hochkarätigen Anfrage in Österreich?

Lange schien es, als würde der Fußball-Bund seinen Erfolgs-Teamchef vergraulen. Der damalige ÖFB-Präsident Klaus Mitterdorfer stellte Rangnick bereits 2024 eine Vertragsverlängerung samt Kompetenzerweiterung in Aussicht. Doch darauf folgten Grabenkämpfe im ÖFB. Es ging um Einfluss, die Verteilung der Geldmittel und um unterschiedliche Auffassungen, wie der Verband professionell zu führen sei. Rangnick und Funktionäre gingen öffentlich aufeinander los. Der Teamchef sei „sehr schwierig“, erklärte Interimspräsident Wolfgang Bartosch Anfang 2025 im profil.

Im Mai 2025 übernahm Josef Pröll den Verband. Mit dem Nimbus des ehemaligen Vizekanzlers und viel Erfahrung mit dem Föderalismus wollte er den zerstrittenen Laden einen. Er suchte das Gespräch mit Rangnick, mit den Landesfürsten – und gab nach außen eine staatsmännische Figur ab. Dem Teamchef gefiel der neue Boss, mit dem er sich regelmäßig austauschte. Bald erklärte Pröll die Rangnick-Verlängerung zur Chefsache. Bei der WM-Auslosung in den USA im Dezember 2025 saßen die beiden eine Stunde beisammen, um die Eckpunkte zu besprechen. Pröll forderte Rangnick auf, alle Wünsche auf den Tisch zu legen. Dem Deutschen war vor allem die Professionalisierung der Nationalmannschaft wichtig. Er wollte geklärt haben, wer seinem Betreuerstab angehört. Und das Gefühl, im ÖFB künftig nicht ständig gegen Windmühlen kämpfen zu müssen.

Gerald Gossmann

Gerald Gossmann

Freier Journalist. Schreibt seit 2015 für profil kritisch und hintergründig über Fußball.