Beisl „Pomali“: Moderne Wiener Gasthausküche zum günstigen Preis
Ein Blick auf das Online-Reservierungstool des vor etwa zwei Monaten neu eröffneten Lokals „Pomali“ bringt eine erste Erkenntnis: Aktuell scheinen ziemlich viele Menschen dorthin zu wollen.
Vor nicht allzu langer Zeit war hier noch das fantastische „Gasthaus Jagetsberger“, nach dessen Ende bringen jetzt Karoline Schuster und Mathilde Mazaud frischen Wind in die alte Bude. Sie haben das Lokal dezent renoviert und setzen auf primär, aber nicht ausschließlich vegetarische Küche.
„Pomali“, das ist angeblich ein ostösterreichisches Wort für „gemütlich, langsam, nach und nach“. Als Südösterreicher muss ich das einfach so glauben, so richtig potschasne geht es hier jedenfalls nicht zu: Wasser kommt sofort und ungefragt, die Wartezeiten sind generell recht kurz. Vor allem aber erstaunen die Preise: Es gibt keine Vorspeise, die mehr als acht Euro kostet, der teuerste Hauptgang ist eine Lachsforelle, die mit 20,50 Euro zu Buche schlägt. Das erlebt man in letzter Zeit vor allem bei Neueröffnungen in Wien eher selten.
Dass das fantastische Sauerteig-Zwiebel-Brot (Bild unten) im üppig bestückten Korb hausgemacht ist, scheint angesichts der drei Euro, die es kostet, fast unglaublich. Das Brot funktioniert jedenfalls wunderbar zusammen mit dem großartigen Senf-Ei (Bild ganz oben) in einer ebenfalls hausgemachten, milden Senfsauce; Blattspinat sorgt für den passenden Farbschub.
Noch besser ist der grüne Spargel (Bild ganz oben), er vereint Röstaromen mit einem pikant-süßlichen Knoblauch-Honig-Gemisch. Diese Spargel-Interpretation spricht wirklich fast jede Geschmacksknospe an.
Gerne gemocht hätte ich den Rote-Rüben-Salat (Bild ganz oben). Der kommt zwar mit frischer Dille und knackigen Linsensprossen daher, es fehlt ihm aber an Power. Irgendeine Säurenote, die den Teller ein bisschen spritziger gemacht hätte, wäre schön gewesen.
Ebenfalls im Zwiespalt hinterlassen mich die Fleischbällchen (Bild oben) mit einem sehr stückigen Erdäpfelpüree und noch mehr Blattspinat. Geschmacklich kann man dem Teller nichts ankreiden, optisch ist das einzige Fleischgericht auf der Karte weniger gelungen: Durch die Präsentation im tiefen Teller mit sehr viel Sauce gerät das alles schnell zu einem Brei. In meinen Augen wirkt das Durcheinander ein bisschen gar salopp zusammengematscht.
Bei den Käsespätzle (Bild unten) versucht die Küche deren Skihütten-gegebene Deftigkeit nicht etwa mit einem Beilagensalat auszugleichen, sondern die Vitamine direkt zwischen den Teigwaren zu platzieren: Immer wieder blitzt da knackiges Kraut durch, und auf die Spätzle selbst wurde viel eingelegter Zwiebel drapiert – absolut makellos, der Salat fehlt trotzdem.
Licht und Schatten dann bei den Nachspeisen: Ein kleines Vanillesaucerl oder vielleicht auch nur eine Beere als Garnitur hätte dem kalt servierten, proportionstechnisch sehr exakt gearbeiteten Scheiterhaufen nicht geschadet. Der Brioche-Krapfen (Bild unten) wurde mit Rhabarberkompott und Schlag gefüllt und bleibt ein seltsames Wesen: Der Teig ist super, diesen aber mit gefühlt einem halben Becher Schlag (und halt Rhabarber) zuzuschütten, erscheint schon ein bissl gar unmotiviert und in Summe einfach zu fett. Vielleicht doch eher eine Creme stattdessen?
Kennen Sie das Gefühl, das einen beschleicht, wenn die meisten Menschen um Sie herum etwas ganz toll finden und Sie das eh auch gern so sehen würden, es in Ihren Augen aber einfach nicht so ganz zündet? Mir geht es so bei Taylor Swift, den „Star Wars“-Filmen (ja, auch bei der Originaltrilogie) und leider auch beim „Pomali“. An den allermeisten Dingen, die hier die Küche verlassen, gibt es nichts zu beklagen, manches hätte aber einfach mehr Feintuning vertragen, um die Liebe und das Engagement, das die Wirtinnen zweifellos an den Tag legen, etwas mehr in Form zu gießen. Aber davon abgesehen ist das „Pomali“ ein sehr günstiges Vergnügen – insofern wirklich erstaunlich, was Schuster und Mazaud hier für wenig Geld abliefern.
Stimmung: frischer Wind in der alten Rumsen
Empfehlung: Vorspeisen unbedingt teilen
Preisverhältnis: Vorspeisen 7–8 Euro, Hauptspeisen 14–20,50 Euro, Desserts 6–8 Euro
Pomali
Märzstraße 87
1150 Wien
Mo–Fr 17–23 Uhr
pomali-wien.at