Stromintensiver Wellness-Trend: Snow Rooms gegen die Hitze
Marketingleiter Thomas Prisching kühlt sich selbst gerne im Schneeraum der Avita Therme im burgenländischen Bad Tatzmannsdorf ab. Von der Decke hängen Eiszapfen, auf dem Boden türmt sich ein Schneehaufen, die Sitzbänke sind mit zartem Weiß bedeckt. „Unsere Schneesauna ist für viele Gäste ein echtes Highlight und besonders an heißen Sommertagen sehr gefragt“, berichtet Prisching. Nach der Sauna sei es schonender für den Körper, sich in der trockenen Kälte mit Pulverschnee einzureiben, als in ein Kältebecken zu springen. Während der Hitzewelle im Juni ließen viele Gäste die Sauna aus – und flüchteten vor den knapp 40 Grad Außentemperatur gleich direkt in die minus elf Grad kalte Kammer.
Snow Room
in der Therme Bad Tatzmannsdorf
Der Sprung in den Pool war gestern. Heute lassen sich die Gäste in Wellnesshotels und Spa-Resorts immer öfter von zartem Kunstschnee berieseln. Und wer es sich leisten kann, holt sich das Winterwunderland sogar ins Eigenheim.
Wie viel kostet so ein Snow Room?
„Im Premium-Segment startet die Umsetzung in der Regel ab 150.000 Euro aufwärts“, sagt Alexa Collavo im profil-Gespräch. Sie arbeitet für das Südtiroler Unternehmen TechnoAlpin, das sich neben dem Hauptgeschäft mit Schneekanonen vor einigen Jahren auf Indoor-Schnee spezialisierte. Leicht vereinfacht funktioniert die Technik in Snow Rooms so: Düsen sprühen nachts kleinste Wassertröpfchen in den auf minus zehn Grad gekühlten Raum. Beim Absinken frieren diese zu feinem Pulverschnee. In der Früh glitzert die weiße Pracht täglich frisch auf dem Interieur. „Wir verwenden nur Wasser und Luft“, sagt Collavo.
Hoher Energieverbrauch
Einmal pro Woche muss ein Schneeraum abgetaut und gereinigt werden, bevor ein neuer Schneezyklus beginnen kann. Wie viel Energie verbraucht so ein Kältezimmer? Der Wasserverbrauch ist mit etwa 200 Litern pro Woche eher gering. (Eine volle Badewanne fasst rund 150 Liter Wasser.) Dafür sind Snow Rooms echte Stromfresser: Mit 115 Kilowattstunden pro Tag verbraucht ein solcher Raum in etwa so viel wie zehn österreichische Haushalte. Allerdings benötigt eine große finnische Hotelsauna ähnlich viel Energie. Und man könne 80 Prozent der anfallenden Abwärme nutzen, um zum Beispiel einen Hotelpool zu beheizen, sagt Collavo.
Neben Snow Rooms ist auch der „Snow Sky“ zunehmend beliebt, eine Schneedusche, die wie eine normale Dusche in einem Raum mit Zimmertemperatur stehen kann. Die Anfragen kommen mittlerweile aus der ganzen Welt – und zunehmend aus den USA, sagt Marketingfrau Collavo. Gerade erst gab eine ihrer Kolleginnen der „New York Times“ ein Interview, die den „Trend zum Bambi-Winterwunderland“ beleuchtete. Möglich ist jedes Design: Eishöhlen mit Felsen, weiß gekachelte Iglus, dazu raumhohe Hintergrundfotos von Skipisten, Winterwäldern oder Bergpanoramen.
Snow Room auf der Yacht
Auch die Tundra ist ein beliebtes Motiv. Angeblich soll der Snow Room auf der Yacht des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman der arktischen Steppe nachempfunden sein. Waren Schneezimmer früher eine extravagante Ausnahme, so gehören sie heute zum Standardangebot von Luxusbooten, wie der Yachtmakler Kevin Kramer der „New York Times“ erzählte. „Früher drehte sich beim Design alles um Trinken, Feiern und zahlreiche Bars“, so Kramer. „Heute liegt der Schwerpunkt ganz klar auf Fitness und Longevity.“