Das Bild zeigt einen Apfelstrudel, eine Bräunerhof-Torte, einen Espresso und einen Cafe Latte
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Wiener „Café Bräunerhof“: Plachutta trifft auf's Schwarze Kameel

Mario Plachutta und Peter Friese vergessen in ihrem Kaffeehaus-Spross auf's Fleisch in der Suppe, sonst läuft es großartig.

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Über das „Café Bräunerhof“ gab es schon viele Beschwerden. Prominentester Kritiker: Thomas Bernhard. Trotzdem hat er dort sehr oft seinen Kaffee geschlürft – und darauf ist man auch heute noch ziemlich stolz. Doch Thomas Bernhard ist halt auch schon lange tot, und das „Café Bräunerhof“ war es im vergangenen Jahr dann auch: Das schon seit 1920 existierende Etablissement musste Insolvenz anmelden. Und wenn ein derartig alteingesessener Kaffeehausbetrieb in Wien so etwas durchleiden muss, dann leiden sogar die mit, die nie hingegangen sind.

Das Café Bräunerhof in Wien mit Außenterrasse
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Bis zwei Gastronomen mit Namen fast so klingend wie der von Thomas Bernhard auf den Plan traten, um dem kollektiven Rumgeheule Einhalt zu gebieten: Peter Friese (Chef des „Schwarzen Kameel“ und der „Bar Campari“) und Mario Plachutta (Chef von gekochtem Rindfleisch) haben sich erbarmt und der alten Bude neues Leben eingehaucht.

Im Gesamteindruck ist der neue „Bräunerhof“ jetzt nicht mehr gar so in die Jahre gekommen, wie ich ihn in (lange zurückliegender) Erinnerung habe, trotzdem sieht er gefühlt genauso aus wie früher. Die Herren Ober tragen fesche weiße Oberteile – und nicht nur die sind neu, auch die Kellner, die darin stecken. Herr Alexander hatte zum profil-Besuch erst seinen dritten Arbeitstag. Er war aber trotzdem schon einer der freundlichsten und professionellsten Kellner, die mir im Kaffeehauskontext je untergekommen sind – kein peinliches Du-bist-kein-Stammgast-Gehabe, keine Spur von Grant, der einem als „spezieller Charme“ verkauft wird – und trotzdem Autorität im positiven Sinn.

Drei belegte Brotscheiben auf einem Teller: links Rotkraut und Thunfisch, mittig Ei und Curry, rechts Schinken mit Kren.
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Die Karte ist umfangreich geraten – bei diesen Eigentümern war das aber auch nicht anders zu erwarten. Die „Kostprobe aus dem Schwarzen Kameel“ (Bild oben) besteht aus drei belegten Broten: einmal mit Beinschinken und Kren, einmal mit Curry, Ei und Schnittlauch und einmal – besonders stark – mit Rotkraut und Thunfisch. Alle drei sind perfekt.

Teller mit Rindfleischsalat, roten Zwiebeln, Schnittlauch und Ei
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Genauso gut geraten ist der Rindfleischsalat (Bild oben), da muss man sich bei Plachuttas keine Sorgen machen: leicht säuerlich und mit genau richtig viel Kernöl. Das gehackte Ei, die Käferbohnen, nicht zu viel Zwiebel und Radieschen in Verbindung mit dem zarten Fleisch sind ein Klassiker, der hier für einen unerwarteten Aha-Moment sorgt. Es gibt auf der Speisekarte auch noch ein „Rote-Rüben-Tatar“ – wahrscheinlich, um dem „Bräunerhof“ einen modernen Anstrich zu verleihen. Beim nächsten Mal vielleicht.

„Plachuttas Wiener Suppentopf“ (Bild unten) kommt dann nicht ganz vollständig bei uns an. Das auf der Karte angekündigte gekochte Tafelstück vom heimischen Weideochsen wäre sicher super gewesen, wäre es denn in der Suppe auch vorhanden gewesen; und das fehlende gebähte Schwarzbrot hätte dem Markknochen gleich einen ganz anderen Sinn gegeben. So blieb eine sehr gute Rindsuppe mit viel knackigen Erbsen, Rüben, Lauch, Karotten und Nudeln. Hätte ich reklamiert, hätte ich das fehlende Fleisch bestimmt auch sofort bekommen. Aber welcher Gast will schon am zweiten Tag nach Eröffnung so sein wie Thomas Bernhard.

Auf einem Tisch stehen Suppen und eine Nudelsuppe mit Gemüse in Schalen und Töpfen
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Außerdem blieb so immerhin noch Platz für das gut aussehende Kuchenprogramm (Bild ganz oben): Neben Gugelhupf, Erdbeercreme-Torte und Schwarzwälder-Kirsch sticht die Bräunerhof-Torte besonders heraus: An der üppigen Schokoladen-Biskuit-Torte mit Parisercreme gibt es nichts zu bejammern, aber für den Preis von 7,60 pro Stück sollte das auch so sein. Danach braucht man eigentlich nichts mehr – außer vielleicht den ordentlich bröseligen Wiener Apfelstrudel, der dann wirklich gar keinen Wunsch mehr offenlässt.

Das neue „Café Bräunerhof“ fühlt sich genau so richtig an, wie es ist. Das Essen ist sehr gut, der Service noch besser, und der Spagat aus modern und traditionell gelingt auch souverän. Peter Friese und die Familie Plachutta sind halt auch nicht ganz umsonst dort, wo sie sind. Und sie bauen sogar noch eine kleine, für mich pädagogisch wertvolle Lektion mit ein: Ich wusste bisher gar nicht, wie sehr mir dieses Kaffeehaus eigentlich gefehlt hat.

Stimmung: Kaffeehaus in Wien
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Preisverhältnis: Frühstück: 7–15 Euro, Vorspeisen: 11–16 Euro, Hauptgerichte: 13–25 Euro, Mehlspeisen: 3–7 Euro, Desserts: 6–12 Euro 

Café Bräunerhof
Stallburggasse 2,
1010 Wien
Mo–So: 8–22.30 Uhr 
cafebraeunerhof.at

Stephan Graschitz

Stephan Graschitz

ist als Chef vom Dienst bei profil tätig.