„Florida Beach“: Bistro-Fantasy-Macher kühlen Wiener Donaukanal
Die Gefahren der Wildnis können vielfältig sein: Vielleicht schlägt eine Gelse zu, oder schlimmer noch: Möglicherweise findet man nach zwei, drei Aperol-Spritzern einfach nicht mehr aus der Kleingartensiedlung heraus. Und der Kahlenberg erst! So was abenteuerlich Steiles ist nun wirklich nur für die besonderen Tage geeignet.
Für die ganz normalen Tage, also jene, an denen man von Bergbesteigungen absieht und stattdessen hocherfolgreich bis etwa 16.30 Uhr zu Hause brav „Büro“ gespielt hat, gibt es am Donaukanal zum Glück unzählige After-Work-Locations. Eine der heuer spannendsten ebendort heißt „Florida Beach“. Interessant ist dieser Beach wegen der Menschen, die dahinterstehen: Das am Kanal schon länger vorhandene „Muse“ kooperiert in dieser Saison nämlich mit zwei der absoluten It-Wirtsleute der letzten Jahre: Javier Mancilla und Xaver Kislinger. Die beiden kennen viele noch von ihrem Döner- und später Burgerladen „Brutal“, so richtig für Aufsehen gesorgt hat im letzten Jahr aber ihr „Bistro Fantasy“ in der Gumpendorfer Straße – ein gigantischer Erfolg insbesondere bei Leuten, die unverputzte Wände schön finden. Mancilla und Kislinger betreiben auch noch das ebenfalls gut hipsterige „Cafe Florida“ in der Neustiftgasse; der „Florida Beach“ am Donaukanal ist so was wie dessen sommerliche Außenstelle.
So kompliziert dieses Konstrukt auch klingen mag, die Auswahl am „Florida Beach“ ist genau das nicht. Es gibt neben den üblichen Spritzer-Must-haves und hausgemachten Limonaden eigentlich nur den „Spicy Paloma“ (Bild oben), der ein bisschen auffällt: Die Mischung aus José-Cuervo-Tequila und Henry-Pink-Grapefruit ist absoluter Bar-Standard, funktioniert hier aber mit ihrer spritzigen Säuerlichkeit ganz prächtig. Das mexikanische Chili-Gewürzsalz Tajín am Glasrand setzt einem auch den Sombrero vor dem inneren Auge auf – ein alkoholfreies Mixgetränk im Angebot hätte trotzdem nicht geschadet.
Falls Sie die vielen Lokalnamen oben noch nicht genug verwirrt haben: Wenn der Hunger kommt, wird das Ganze noch ein bisschen komplizierter: Die Pizza am „Florida Beach“ bäckt nämlich ein gewisser Herr Maze (der auch einen vollen Namen hat, diesen aber in sämtlichen Außenauftritten dermaßen gut versteckt, dass ich mich nicht traue, ihn hier öffentlich aufzuschreiben). Sein Pizza-Pop-up „Maze Pizza“ hat sich am „Florida Beach“ für den Sommer sesshaft gemacht. Und auch seine Auswahl bleibt bescheiden, aber effektiv.
Die Pizza „Paradiso“ (Bild oben) schmeckt nach – Achtung, Plattitüde incoming! – Sommer. Sie ist schön unfettig und kommt vollständig ohne Käse aus. Das stattdessen verwendete Olivenöl lässt zwar die Kalorienbilanz noch schneller in den verbotenen Bereich schnellen, als es Mozzarella jemals könnte, aber es wirkt dabei halt zumindest nicht so teuflisch. Darauf kommt noch Tomatenconfit und frisches Basilikum. Der Grund, warum sich diese Kombination durchgesetzt hat, liegt hier auf dem Teller.
Die Variante „Salame“ (Bild oben) verzichtet dagegen nicht auf den Mozzarella. Der dünne und angenehm knusprige Pizzaboden bekommt es hier dann auch noch mit Mailänder Salami und Basilikum zu tun. Bei beiden Pizzen wird auf unnötigen Schnick-schnack verzichtet, Herr Maze konzentriert sich auf das Wesentliche und macht das einfach gut.
Beim Tiramisu (Bild unten), der einzigen abrufbaren Nachspeise, herrscht Unsicherheit, ob überhaupt noch eines da ist – ist es dann zum Glück. Eine stattliche Schnitte für gar nicht mal so schlimme 4,90 Euro – mehr gibt es dazu allerdings nicht zu erzählen.
Es ist alles sehr einfach und reduziert hier am „Florida Beach“, so ehrlich muss man sein. Aber Hand und Fuß hat es trotzdem. Der Service ist freundschaftlich, dabei aber stets professionell, und schafft eine angenehm entspannte Atmosphäre, fast so, als wäre man wirklich in einem ganz echten Beachclub. Wer auf der Suche nach einem einfachen Abend in der Stadt ist: Go for it. Abenteuerlustigere Menschen weichen auf die Donauinsel oder gar an den Neusiedler See aus. Und den Kahlenberg schaffen wir auch ganz sicher, irgendwann demnächst einmal.
Stimmung: Summer in the City
Empfehlung: Sonnencreme nicht vergessen
Preisverhältnis: Pizza 12-14 Euro, Spritzer und Cocktails 7-11 Euro
Muse x Florida Beach
Donaukanal Höhe Obere Donaustraße 85
1020 Wien
musevienna.at
Mo-So: ab 17 Uhr bei Schönwetter