Der mutmaßliche Capo einer Glücksspielbande, anonymisiert vor Spielautomaten
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Das „Phantom“: Anklage gegen mutmaßlichen Glücksspiel-Capo

Er soll jahrelang die Fäden einer illegalen Glücksspiel-Clique gezogen haben – schien aber offiziell nirgendwo auf. Jetzt klagt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft den mutmaßlichen Schattenboss an.

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Als eine Frau an einem Dienstag im November 2019 zur Oberbankfiliale in der Welser Ringstraße ging, war das der Anfang vom Ende der Personalleasingfirma MPR GmbH. Ihr Auftrag: Sie sollte 100.000 Euro vom Konto in bar beheben, weil sie als Einzige zeichnungsberechtigt war.

Nach Ansicht der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wurde das Geld über einen Mittelsmann zum „Big Boss“ gebracht, dem heute 68-jährigen Oberösterreicher M. aus dem Raum Wels, der über ein Jahrzehnt lang eine illegale Glücksspiel-Clique gesteuert haben soll. Zeugen nannten ihn das „Phantom“, weil er sich geschickt im Hintergrund hielt und in beteiligten Firmen wie der MPR keinerlei Funktionen hatte. Bei einer Hausdurchsuchung zwei Jahre später fanden Ermittler am Anwesen von M. exakt diese Summe: 100.000 Euro, versteckt in einem Waffensafe.

Geld eingestreift, Allgemeinheit geschädigt?

Für die Anklagebehörde ist diese Szene zentral: Es geht um den Verdacht, dass die MPR GmbH systematisch in den Bankrott getrieben wurde. Insgesamt 554.330 Euro sollen kurz vor der Insolvenz aus der Gesellschaft abgesaugt worden sein. Geschädigt wurde dadurch die Allgemeinheit: Finanzamt und Krankenkasse blieben auf ihren Forderungen sitzen und sahen nach dem Konkurs keinen Cent.

Die lahn ma owi mit ana Million, wir haben eh genug Steuern gezahlt.

M., mutmaßlicher Boss der Glücksspiel-Clique

Die Ermittler interpretieren „owilan“ als vorsätzliche Herbeiführung einer Insolvenz

Die MPR soll laut der WKStA Teil der sogenannten „Kajot“-Gruppierung gewesen sein – eines Geflechts aus Gesellschaften und Personen, das sich vor über einem Jahrzehnt in Oberösterreich etablierte und das die WKStA als „kriminelle Gruppierung“ einstuft. Dutzende konzessionslose Automatenlokale sollen der Gruppe Millionengewinne beschert haben. Über Jahre hielten juristische Winkelzüge und politische Kontakte die Behörden auf Distanz. profil urteilte 2018 über das noch weitgehend unbehelligte Treiben: „Die bestens organisierte Glücksspielbande tanzt den Behörden auf der Nase herum.“ Damals schien „Kajot“ den Behörden stets einen Schritt voraus.

Jakob Winter

Jakob Winter

ist Digitalchef und seit 2025 Mitglied der Chefredaktion bei profil. Gründete und leitet den Faktencheck faktiv.