Eine rot-weiße Schranke und eine Betonbarriere mit Graffiti versperren eine Straße im Grünen, im Hintergrund stehen zwei Autos.
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Machtkampf an der Donau: Wie Korneuburg den Verkauf der Signa-Gründe blockiert

Machtkampf um die Signa-Gründe in Korneuburg: Ein Investor plant einen 300-Millionen-Campus, die Bank drängt auf Rückzahlung, die Gemeinde blockiert. Ergebnis: die nächste Pleite – und Millionen drohen in der Donau zu versinken.

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„BENKO RAUS“, steht auf einem Stück Betonleitwand, gesprayt in schwarzen Lettern. Auf der Donauhalbinsel vor der Werft im niederösterreichischen Korneuburg ist dieser Schriftzug der letzte sichtbare Hinweis darauf, dass Signa-Gründer René Benko hier einmal Großes vorhatte – und einen Scherbenhaufen hinterlassen hat.

2019 war die Welt noch in Ordnung. Für René Benko. Für Signa. Und an einem warmen Julitag auch für Sebastian Kurz. „Also um ehrlich zu sein, wenn ich da bin, kann es mir nur gutgehen“, sagte der Ex-Kanzler damals. Er stand, umringt von einer jubelnden Menge ganz in Türkis – dem Dresscode des Tages –, vor der Werft in Korneuburg. Es war wieder Wahlkampf. Ein paar Wochen zuvor hatte das Ibiza-Video die türkis-blaue Koalition gesprengt. Und der nicht mehr amtierende Kanzler feierte in Korneuburg bereits den Auftakt des nächsten Wahlkampfs, aus dem er dann noch einmal als Sieger und Regierungschef hervorgehen sollte.

Der Boden, auf dem Kurz sein Wahlkampfevent abzog, gehörte zu diesem Zeitpunkt schon seinem damaligen Freund René Benko. Oder genauer: über mehrere zwischengeschaltete Gesellschaften der von Benko gegründeten Signa. profil berichtete ausführlich über die politische und geschäftliche Beziehung der beiden Männer. Die Signa Development Selection AG (SDS) – das war die Einheit für Immobilienentwicklungen bei Signa – plante auf den Werftgründen samt Donauhalbinsel in Korneuburg ein Prestigeprojekt: Wohnraum, Kindergarten, Gastronomie, Promenade, kleine Büros. Daraus wurde nichts. Wie praktisch alle großen Signa-Gesellschaften schlitterte auch die SDS Ende 2023 in die Insolvenz. Die Grundstücke samt der noch nicht insolventen Projektgesellschaft landeten in der Insolvenzmasse, die die Insolvenzverwalterin Andrea Fruhstorfer nun im Sinne der Gläubiger verwerten muss.

Sieben Jahre später liegt das Areal rund um die denkmalgeschützte, aber sanierungsbedürftige Werft brach. Vom versprochenen Glanz eines neuen Stadtteils am Wasser ist nichts zu sehen. Stattdessen: Gestrüpp, Schotterwege, Stillstand. Zweieinhalb Jahre nach der Signa-Pleite ist in Korneuburg ein beinharter Interessenkonflikt um die Verwertung der Gründe ausgebrochen. Die Pattsituation ist kaum aufzulösen. Und sie wird Signa-Millionen in der Donau versenken – zumindest im übertragenen Sinn.

Marina Delcheva

Marina Delcheva

leitet das Wirtschafts-Ressort. Davor war sie bei der „Wiener Zeitung“.

Stefan Melichar

Stefan Melichar

ist Chefreporter bei profil. Der Investigativ- und Wirtschaftsjournalist ist Mitglied beim International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). 2022 wurde er mit dem Prälat-Leopold-Ungar-Journalist*innenpreis ausgezeichnet.

Anna Thalhammer

Anna Thalhammer

ist seit März 2023 Chefredakteurin des profil und seit 2025 auch Herausgeberin des Magazins. Davor war sie Chefreporterin bei der Tageszeitung „Die Presse“.