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profil-Morgenpost
01/25/2021

Kein Schmutz der Datenschutz

Guten Morgen!

von Isabel Russ

Der Datenschutz erfreut sich im Jahr 2021 bereits besonderer Beliebtheit: Laut Google Trends ist das Interesse für das Thema Datenschutz in Österreich etwa um das Vierfache gestiegen - im Vergleich zu den auch gar nicht happigen Vormonaten.

Übrigens war auch das Wort Videokonferenz“ die letzten Monate ein Renner: dabei arbeitet laut einer profil-Umfrage doch ohnehin die Mehrheit der Österreicher nicht von zu Hause. Warum wir noch keine vom Staat verpflichtende Home Office Regelung bekommen haben wie unsere peniblen Nachbarn in der Schweiz lässt sich vielleicht unter anderem dadurch erklären, dass in einer „forest nation“ wie Österreich (auf Twitter lesen wir in Zukunft ja weniger Absurditäten) eine gute WLAN-Verbindung zu Hause unmöglich wäre. Dafür müssen wir noch auf die volle 5G-Netzabdeckung warten – obwohl uns die ja laut Corona-Verschwörungstheoretikern überhaupt erst das Virus bringt (immerhin ohne Bill-Gates-Chip). In dem Zusammenhang darf ich Ihnen unsere Cover-Geschichte ans Herz legen, die sich mit der Frage beschäftigt, wie sich solch absurde Theorien eigentlich in den Köpfen von oft gar nicht absurden Menschen festsetzen.

Muss man WhatsApp denn jetzt boykottieren?

Aber zurück zum Thema Datenschutz. Der Anstieg wurzelt in der Ankündigung von Facebook, in Zukunft WhatsApp-Daten stärker konzernweit zu nutzen. Welche Veränderung das für uns Österreicher mit sich bringt, haben wir mit einer Datenschutzexpertin abgeklärt. Fazit: eigentlich gar nichts – dank der einst viel kritisierten DSGVO, die aus heutiger Sicht immer vernünftiger wirkt. Und trotzdem: WhatsApp rennen die User in Scharen davon. In einer nicht repräsentativen Umfrage haben wir von profil.at Lesern erfahren, dass zwei Drittel von Ihnen planen, WhatsApp weniger zu nutzen. Ich habe mich übrigens der Menge angeschlossen und gleich alle beliebten WhatsApp-Alternativen zusätzlich heruntergeladen: Threema, Signal und Telegram. Aus der Empirie kann ich Ihnen jetzt berichten: das Kommunizieren ist irgendwie mühsam geworden.

Aber man erinnere sich: Datenschutz ist wichtig. Also lösche ich ebenso meinen Fitbit-Account, damit Google nach der Akquisition nicht auch noch Zugriff auf meine Fitness-, Schlaf- und Gewichtsdaten der letzten 5 Jahre bekommt. Dass Google aber ohnehin jeden meiner Schritte über die Timeline aufzeichnet, das finde ich irgendwie doch wieder interessant. So ganz konsistent scheint es doch niemand mit dem Datenschutz zu nehmen.

Apropos Hype: was ist eigentlich Clubhouse?

Letzte Woche etwa testete ich mal die viel diskutierte neue App ClubhouseDa erklärt dann eine Christina vor 800 Zuhörern, wie sie den anwesenden Roman Lochmann (laut Google Gewinner des  Kiddy Contests 2009) in der ersten Liebesnacht verführen würde, eine Lisa-Marie erzählt offen, dass sie während Corona wieder bei ihren Eltern wohnt und wefox-Gründer Julian Teicke berichtet von Problemen mit seiner Frisur. Mit Datenschutz und Privatsphäre nimmt es hier dann wieder keiner so genau. 

Einen abschließenden Rat zum Umgang mit Ihren Daten kann ich Ihnen nicht geben, aber zumindest eine andere Empfehlung: verschwenden Sie Ihre Zeit nicht auf Clubhouse, allerspätestens im Sommer ist der Hype verschwunden, wenn wir uns (zumindest laut Sebastian Kurz) endlich wieder in Person sehen dürfen.

Isabel Russ

PS: Gibt es etwas, das wir an der „Morgenpost“ verbessern können? Das Sie ärgert? Erfreut? Wenn ja, lassen Sie es uns unter der Adresse [email protected] wissen.

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