Marjukka Tepponen, die in der Bregenzer Festspielpremiere der "Traviata" als Violetta auftritt, während einer Fotoprobe
Populär wie nie: Zum Start der Bregenzer Festspiele
Ihr 80. Jubiläum begehen die Bregenzer Festspiele heuer, und am heutigen Premierentag, dem 22. Juli, wird auch die ihrer zweiten Saison entgegenblickende finnische Intendantin Lilli Paasikivi Geburtstag feiern – in Anwesenheit von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der erneut die Eröffnungsrede halten wird. Und obwohl die zur Festspielechefin aufgestigene Mezzosopranistin einige schwere Kürzungen in Kauf nehmen muss, hat sie für ihr Festival groß aufgetischt.
Das geht freilich nur, weil sich ihre Wahl für das Spiel auf dem See schon vorab als goldrichtig entpuppt hat. Denn seltsamerweise hatte Giuseppe Verdis sentimentale, aber nie weinerliche Kurtisanen-Oper „La Traviata“ den Weg auf den Bodensee bislang nicht gefunden, obwohl sie anrührt und kurz ist, vor Melodien überfließt. Jetzt aber ist sie eine Produktion, die schon vor der Premiere Rekorde gebrochen hat: Bereits zu Ostern war sie praktisch ausverkauft, so früh wie noch nie. Knapp 190.000 Karten sind also weg, geplant waren 26 Vorstellungen, jetzt sind es 28. Das hat Geld in die klamme Vorarlberger Kasse gespült.
Inszenieren wird Damiano Michieletto, der unlängst auch für das Eröffnungsspektakel der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina verantwortlich zeichnete und gerade mit „Vivaldi und ich“ seinen ersten Kinofilm herausgebracht hat. Marjukka Tepponen wird die Violetta singen, Julien Behr den Alfredo und Vladimir Stoyanov den Giorgio Germont; am Pult der Wiener Symphoniker steht Kirill Karabits. Bühnenbildner Paolo Fantin hat für den gewohnt ikonischen Look eine 25 Meter hohe Spiegelwand ins Wasser gebaut, gebildet wird sie aus 86 Splittern. Der größte ist 12 Meter lang. Weite Teile der Wand, in die 29 Lautsprecher verbaut wurden, sind beweglich, zugleich dient sie als Projektionsfläche, Filmausschnitte aus dem tragischen Leben der Titelheldin werden dort gezeigt.
Ein pyramidal zugespitzter Spiegel in Splittern als Bühnenbild der "Traviata"-Inszenierung am Bodensee
Mit Leoš Janáčeks skurriler Prager Oper „Die Ausflüge des Herrn Brouček“ stellt sich am 23. Juli der amerikanische Regisseur Juval Sharon im Festspielhaus vor; er wird 2028 auf dem See Wagners „Fliegender Holländer“ herausbringen. Konzerte, Schauspiel und weitere Opern ergänzen das Bregenzer Angebot.