Das Trio Deine Freunde posiert für ein Foto vor kahler Wand
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Starker Pop für coole Kids: Die Hamburger Band „Deine Freunde“ legt Neues vor

Das Trio Deine Freunde liefert seit fast 15 Jahren knallige Rap-Soundtracks für gute Kinderzimmerpartys, feiert das anarchische Potenzial der Knirpse und ironisiert elterliche Fehlleistungen. Deine-Freunde-Rapper Florian Sump über kindlichen Spieltrieb, unbedachte Sprüche und gruselige Texte.

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Als das musikalische Unternehmen, das unter dem Namen Deine Freunde heute im deutschsprachigen Raum reüssiert, 2011 erste Früchte trug, war Florian Sump mit seinen 30 Jahren fast schon ein Veteran im Pop-Geschäft; volle 17 Jahre Popkarriere lagen da bereits hinter ihm. Als Schlagzeuger der Flensburger Pop-Formation Echt, die 1994 als Schülerband begann und um die Jahrtausendwende, kurz vor ihrem Ende, etliche Hits produzierte, lernte er, sich in der Musikindustrie zu bewegen. Heute ist Sump, den alle nur „Flo“ nennen, als Rapper der Hamburger Kinderband Deine Freunde bekannt; das Trio, in dem er reimt und textet, bilden mit ihm der für Beats, Cuts und Produktion zuständige Markus Pauli sowie der Theatermusiker Lukas Nimscheck, der im gesanglichen Wechselspiel mit Sump die melodiöseren Passagen übernimmt.

Pauli kam aus dem Umfeld der Hamburger Hip-Hopper Fettes Brot, und dieser Einfluss ist so unüberhörbar wie die klangliche Nähe zu der Electropunk-Truppe Deichkind. Zu seinen Leitsternen zählt Sump, heute 44, im Zoom-Gespräch mit profil aber auch die Humor-Weirdos von Studio Braun, den Songwriter Bernd Begemann – und überraschenderweise auch Österreichs Bilderbuch („eine tolle Band, die etwas ganz Abgefahrenes, Eigenes erschaffen hat“).

Deine Freunde, die dieser Tage ihr achtes Album namens „Die Kinder spielen verrückt“ veröffentlichen (und am 31. Mai in der bereits ausverkauften Wiener Arena open air gastieren werden), haben es geschafft, sich im engen Feld des kindertauglichen Pop eine Originalität zu erhalten, von der andere nur träumen können. In dem Song „Wieder Deine Freunde“ etwa machten sie sich 2019 typisch selbstreferenziell über sich selbst lustig: „Das kann ja wohl nicht wahr sein / Was sind das für Gestalten? / Mach doch bitte die Musik aus, wir müssen uns mal unterhalten / Was hast du dir dabei gedacht, wieder und wieder die Lieder dieser blöden Band anzuschleppen? / Bist du denn bekloppt? / Na, wie willst du das erklären? / Das sind doch wieder Deine Freunde / Und die verkaufen dich für dumm“.

Bevor die Band 2012 ihre erste Single, „Schokolade“, auf den Markt warf, hatte sie eher zufällig zueinander gefunden. Die Idee, Kinderlieder mit HipHop-Lässigkeit und dynamisch produziertem Sound einzuspielen, war kein langgehegter Plan?

Florian Sump

Nein, es war die pure Begeisterung, an dieser Musik zu arbeiten und in den kindlichen Kosmos einzutauchen, die dafür gesorgt hat, dass wir uns nach dem ersten Treffen gleich wieder für die nächste Woche verabredeten. Bevor wir überhaupt den Gedanken hatten, eine Band sein zu können, waren die ersten sechs Songs fertig; wir erlebten unbändige Freude darüber, etwas entdeckt zu haben, das es so noch nicht gab. Irgendwann hatten wir dann zehn, zwölf Lieder, eigentlich ein Album, und konnten uns auch vorstellen, Konzerte zu spielen.

Insofern hat sich das Unternehmen Deine Freunde Schritt für Schritt entwickelt?

Sump

Ja, es ist in gesundem Tempo gewachsen. Es war auch nicht so, dass wir von heute auf morgen riesige Konzerte spielen durften. Bei jeder neuen Tour sind ein paar hundert Leute mehr gekommen, und wir haben das dabei verdiente Geld stets in die Lichtshow für die nächste Tour investiert, weil wir wollten, dass es weiter geht. Ich weiß noch, was für ein irrer Erfolgsmoment es für uns war, als wir das erste Mal moving heads auf eine Tour mitnehmen konnten, diese beweglichen Bühnenscheinwerfer. Und irgendwann konnten wir uns für das Bühnenbild etwas anderes überlegen, als bloß Bäume aus selbstgebastelter Pappe da hinzustellen. Es fühlte sich manchmal an, als hätte sich das alles wie von selbst weiterentwickelt. Aber es stimmt, Deine Freunde sind inzwischen auch eine Firma und ein Geschäft, so war es von Anfang an auch wichtig, zwei Manager, Danny und Philipp, in unserem Team zu haben, die sich mit Zahlen auskennen und schauen, dass wir am Ende nicht noch weiter draufzahlen. Die ersten fünf Jahre haben wir reingebuttert in dieses Projekt. Dann hat es angefangen, sich selbst zu tragen – und noch ein bisschen später hat es Gewinn abgeworfen.

Mittlerweile haben Sie drei keine anderen Jobs mehr, oder?

Sump

Nein. Ich habe zehn Jahre lang als pädagogischer Mitarbeiter gearbeitet, das hat mich überhaupt erst auf die Idee gebracht, Deine Freunde zu gründen. Und den Job habe ich dann, als ich eine eigene Familie hatte, 2019 gekündigt – da gab es Deine Freunde auch schon einige Jahre.

Sie waren Kindergärtner?

Sump

Ja, ich arbeitete im Kindergarten, in Vorschulen und im Ferienprogramm mit Grundschülern. Also im Grunde mit all denen, die jetzt unsere Zielgruppe sind.

Stefan Grissemann

Stefan Grissemann

leitet seit 2002 das Kulturressort des profil. Freut sich über befremdliche Kunst, anstrengende Musik und waghalsige Filme.