Ein junges Pop-Duo, sie mit dunklen Sonnenbrillen, er mit blau-weißem Freizeithut, blickt in einem Raum mit schrägem Lichteinfall etwas misstrauisch in die Kamera.
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Dopamin-Disco: Erhebende neue Alben von Raye, Robyn und Fcukers

Drei Pop-Neuerscheinungen mit Glückspotenzial: Die Britin Raye gibt sich hoffnungsfroh, die Schwedin Robyn sexistentialistisch, und das Hipster-Duo Fcukers züchtet nervöse Ohrwürmer.

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Die Hoffnung ist zum gefährlichen Wort geworden. So bedarf sie dieser Tage sogar eines Warnhinweises: „This Music May Contain Hope“, schickt die Londonerin Raye ihrer zweiten LP voran; auf dem Cover wird ein trostspendender Transit in Aussicht gestellt. Eine kleine blaue Kachel durchbricht da unheilvolle Wolkenmassen, darunter glückt es einer einzelnen roten Rose, als Symbol verbliebener Zuversicht zu erblühen. Nur folgerichtig neigt Raye, 28, nach ihrem Triumph bei den Brit Awards 2024 kompositorisch zu großer Geste und dickem Auftrag.

Neben der vieraktigen Struktur des Werks erinnert auch der Wille zur eklektischen Opulenz an Rosalías jüngstes Opus magnum „Lux“. Raye führt ihren Jazz-Soul-Funk-Pop mit ordentlich orchestralem Pomp an die Grenzen des Theatralischen und lustvoll Übersteigerten – um sie auf diesem Konzeptalbum gleich munter zu überschreiten. Dafür, dass der 75-minütige Streifzug durch die Täler der Herzeleidbehebung nicht zu exzessiv in Tand und Bombast badet, garantiert Rayes elegantes, wendungsreiches Songwriting. Die so erzielten Übernummern sollten aufmerksamkeitsökonomisch rasch Früchte tragen. Und eine berechtigte Hoffnung nähren: This Music May Contain Future Weltstarstatus.

Vom lohnenden Weg in die kreative Autonomie kann auch Robyn berichten. Die Schwedin avancierte vom Mainstream-Teen-Idol der 1990er-Jahre durch Gründung ihres eigenen Labels 2005 zur selbst verwalteten Künstlerin – und zur Galionsfigur eines retrofuturistisch funkelnden Erbauungs-Dance-Pop, der gleichermaßen von Introspektion und Exhibitionismus geprägt ist. Mit „Sexistential“ kehrt Robyn nach achtjähriger Auszeit zurück – selbstverständlich nicht ohne Botschaft: Libidinös zurückstecken muss auch eine Alleinerzieherin in der Lebensmitte nicht. In der Single „Dopamine“ unterzieht sie die Euphorie des Verknalltseins zuerst einer neurochemischen Inspektion, gibt sich dem Rausch der Hormone letztlich aber auch gern hin. Schmunzelnd hält Robyn an ihren Versprechen fest: Die Liebe bleibt eine alles übersteigende Kraft, und der Eskapismus der Tanzfläche birgt selbst dann noch Verlockungen, wenn diese sich daheim, unmittelbar neben dem Kinderzimmer befinden.

„if you wanna party, come over to my house“, empfiehlt auch das Duo, das sich den wenig subtilen Namen Fcukers gab. „Ö“, das Debüt der bei Mode- und Musikprominenz bereits bestens angeschriebenen New Yorker Hipster, kommt indes ganz ohne Überbau aus und setzt unmittelbar auf schnörkellos hibbelige, der kathartischen Entladung verschriebene Baller-Brillanz.

Mit erfrischender DIY-Attitude wildern Shanny Wise und Jackson Walker Lewis durch das Brachland von House, UK Garage und Dub und finden zu einem Sound of Now, dem schon eingängige Lyrics, hypnotische Hooks und ein bravourös brummelnder Bass für hocheffektive Ohrwürmer genügen. „I Like It Like That“ singt man noch lange nach dem Hören vor sich hin – mit leicht erhöhtem Herzschlag, glückselig und womöglich sogar hormonell überdreht. In der Hoffnung, dass diese Nacht doch bitte nicht so schnell zu Ende gehen möge.