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Der Kerl ist eine Frau: Der fulminante Film „Rose“ dramatisiert eine Enttarnung

Sandra Hüller spielt in aller Stille die Konsequenzen einer Selbstverstellung durch. Das neue Kino-Historiendrama „Rose“ verhandelt heikle Fragen von Geschlecht und Identität. Eine Begegnung mit Regisseur Markus Schleinzer und der Schauspiel-Newcomerin Caro Braun.

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Ein junger Fremder siedelt sich im frühen 17. Jahrhundert als Kriegsheimkehrer in einem deutschen Dorf an, mit versehrtem Gesicht, von stillem Wesen. Er will niemandem Probleme bereiten, nur ein ruhiges Leben führen, gute Arbeit leisten und damit der Gemeinschaft dienen: Er übernimmt einen baufälligen Gutshof, saniert ihn, wird zum Arbeitgeber, steht den Nachbarn in Notfällen zur Seite und rettet, als Bärentöter, durch einen gezielten Schuss sogar ein Menschenleben. Sein einziges Dilemma ist das Geheimnis, das er aus gutem Grund zu verbergen sucht: Er ist eine Frau.

Man verrät von diesem Film keineswegs zu viel, wenn man seine Prämisse skizziert, denn aus dem Geschlecht der Titelfigur macht die Erzählung von Anfang an kein Hehl. In „Rose“ wagt sich die deutsche Charakterdarstellerin Sandra Hüller in ein doppeltes Verstellungsspiel: Sie verkörpert eine Frau, die einen Mann darstellt, um besser durchs Leben zu kommen. Die Hose, sagt diese Figur, biete ihr Freiheiten, die sie als Frau nicht hätte. Die Gewehrkugel, die im Dreißigjährigen Krieg ihr Gesicht zerstört hat, trägt sie an einem Band um den Hals.

Ein Mann schaut mit düsterem Blick durch aufgereihte historische Kleider in einem Kostümfundus
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Der dritte Spielfilm des Wiener Regisseurs und Autors Markus Schleinzer – nach „Michael“ (2011) und „Angelo“ (2018) – untersucht in suggestiven Bildern (an der Kamera: Gerald Kerkletz) die ungeheuerliche Macht, die von dem schlichten Umstand der Geschlechterzuordnung ausgeht. „Rose“ wurde vor wenigen Wochen bei den Filmfestspielen in Berlin uraufgeführt, Sandra Hüller dort mit einem Silbernen Bären als beste Schauspielerin ausgezeichnet.

Stefan Grissemann

Stefan Grissemann

leitet seit 2002 das Kulturressort des profil. Freut sich über befremdliche Kunst, anstrengende Musik und waghalsige Filme.