Die Schauspielerin Ellen Richter, mit Pelzstola und Kopftuch, lächelt in die Kamera, Standbild aus einem Film
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Pilotin, Prinzessin, Agentin: Die Wiederentdeckung des Filmstars Ellen Richter

Stummfilmdiva aus Wien: Eine Retrospektive und ein neues Buch rekonstruieren Leben und Werk des einstigen Kinostars Ellen Richter.

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Im deutschsprachigen Kino der 1920er- und frühen 1930er-Jahre war Ellen Richter (1891–1969) ein Star: Sie repräsentierte in Abenteuerfilmen, Historiendramen, Krimis und Komödien den neuen Typus der eigensinnigen und unerschrockenen Frau. Sie führte Ermittlungen durch, glänzte als Pilotin und Revuetänzerin, stellte Fürstinnen, Prinzessinnen und Agentinnen dar. Heute ist sie weitgehend vergessen, auch weil die meisten ihrer gut 70 Filme als verschollen gelten.

Hinter dem Namen Ellen Richter verbarg sich die Wienerin Käthe Weiß, Tochter eines ungarischen Schneidermeisters. Sie machte erst am Theater Karriere, ehe sie 1913 zum Kino fand. In Berlin heiratete sie den Autor und späteren Selfmade-Regisseur Willi Wolff. Das Ehepaar gründete 1920 sein eigenes Produktionsunternehmen, die „Ellen Richter Film“, die am laufenden Band Unterhaltungsfilme produzierte und zuverlässig in exotische Gefilde führte.

Ellen Richter in dramatischer Hell-Dunkel-Stummfilminszeneierung
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Bis 4. März kann man sich im Wiener Metro-Kino unter dem Titel „Die große Unbekannte“ ein Bild von der vielseitigen Frau machen, die ihrer jüdischen Abstammung wegen in Berlin 1933 erst Berufsverbot erhielt, 1935 nach Österreich emigrieren musste, 1938 weiter nach Frankreich und in die USA floh. Der letzte Film, in dem Richter auftrat, war im März 1933 in Berlin zur Uraufführung gekommen. Ab den 1950er-Jahren, nach Wolffs Tod, lebte sie zurückgezogen in Düsseldorf und Zürich.

Das filmhistorisch versierte Berliner Autorenduo Philipp Stiasny und Oliver Hanley hat nun nicht nur die aus zehn Spielfilmen bestehende Richter-Schau kuratiert, sondern auch ein substanzielles, reich illustriertes Kompendium zu Leben und Werk der Künstlerin herausgegeben (und in weiten Teilen selbst verfasst). Mit der Schau wird das Filmarchiv Austria seinem aktuellen Motto („Die Filmgeschichte ist weiblich“) gerecht und zeigt musikalisch live begleitete Werke in exzellent restaurierten Fassungen.

Stefan Grissemann

Stefan Grissemann

leitet seit 2002 das Kulturressort des profil. Freut sich über befremdliche Kunst, anstrengende Musik und waghalsige Filme.