Zwei Buben stehen vor einem Wellblechtor, jeder hält einen großen halbierten Fisch in den Atmen, an die Brust gedrückt
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Isländischer Wahnwitz: Die Kunst- und Familien-Comedy „The Love That Remains“

Angriff des Riesenhahns: Der hintergründige Witz des isländischen Filmemachers Hlynur Pálmason prägt auch dessen grandiosen vierten Spielfilm, „The Love That Remains“.

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Der Isländer Hlynur Pálmason, 42, ist ein Künstler, der in seinen Spielfilmen keine große Geschichten erzählen mag, der den Irrsinn des Alltags lieber in narrativem microdosing auf den Punkt bringt. „The Love That Remains“ berichtet von Familienleben, Tierpräsenz und Kunstproduktion – und en passant auch von einer Trennung. Eine Künstlerin lässt ihren zur See fahrenden Mann, der sich ohnehin kaum je blicken lässt, hinter sich und tritt in eine neue Lebensphase ein. Die Stand-up-Komödiantin Saga Garðarsdóttir spielt diese einnehmende Frau, die mit rostigem Metall und überdimensionalen Leinwänden an einer ganz eigenen Form der Land Art arbeitet.

Etwas genuin Dokumentarisches mischt diese Fiktion auf: Die drei Kinder des Paars werden von Pálmasons eigenem Nachwuchs gespielt, und die Kunstwerke der überlasteten Protagonistin sind die Arbeiten des Regisseurs selbst, der eben nicht nur Kino macht, sondern auch Außenraum-Objekte zwischen Malerei und Skulptur. Die eisige, ostisländische Wildnis, in der „The Love That Remains“ gedreht wurde, liegt zudem in nächster Nähe zum Wohnort der Familie Pálmason. „Homemade“ ist das Wort, das dem Regisseur dazu einfällt.

Regisseur Hlyniur Pálmason in roter Jacke und offener Landschaft, unter wolkenbedecktem Himmel
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Die diesjährige Diagonale in Graz richtete Pálmason eine Retrospektive aus, profil hat mit dem Filmemacher dort ein Interview geführt. Über viele Jahre hinweg entstand dieses Werk (auf 35mm-Film), von dem Pálmason sagt, er habe sich auch deshalb so viel Zeit gelassen, um den Film „sich selbst finden zu lassen“. Die heikle Balance zwischen Kunstprojekt und Spielfilm hält er souverän.

Die Schauspielerin Saga Garðarsdóttir posiert mit rostigen Metallstücken in freier Natur
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In dem kaum fassbaren Ideenreichtum seines Films, dessen Beschreibung diese Kritik augenblicklich sprengen würde, findet sich auch die geträumte nächtliche Attacke eines Riesenhahns. Nein, da sei keine KI involviert gewesen, sagt Pálmason mit dem ihm eigenen Understatement: „Alles gebaut.“

Stefan Grissemann

Stefan Grissemann

leitet seit 2002 das Kulturressort des profil. Freut sich über befremdliche Kunst, anstrengende Musik und waghalsige Filme.