Der Hollywood-Comedian Oliver Hardy lacht seinen ebenfalls fröhlich aussehenden Kollegen Stan Laurel treuherzig an
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Tanz das Zentralnervensystem! Warum Kunst glücklich macht

Das Hochgefühl, das Kunst vermitteln kann, stellt sich nicht nur in der Begegnung mit Werken ein, die auf Tröstung, Zuversicht oder klassische Schönheit zielen. Auch die Herausforderung, Unerhörtes zu begreifen, kann Euphorie hervorrufen.

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Wie man in die Welt blickt, das Leben betrachtet und Menschen einschätzt, ist abhängig von den Erfahrungen, denen man sich aussetzt (oder ausgesetzt wird). Das Kunsterlebnis kann mit wilden Ideen und sinnlicher Bereicherung Perspektiven ändern: Das Schimmern des Blattgoldes in der Malerei des Ornament-Erotikers Gustav Klimt, die Liebesarien Mozarts, Puccinis oder Monteverdis, Hollywoods triumphale Happy Endings: All dies wirkt euphorisierend, denn wir setzen uns in den Werken, die wir in Museen, Kinos und Opernhäusern bewundern, gewissermaßen selbst aufs Spiel, sehnsüchtig träumend.

Die Wissenschaft weiß dazu Näheres: Kunst weckt Neugierde, stärkt die Resilienz und die Fähigkeit zur Empathie; das kollektive Kulturerlebnis fördert den Gemeinschaftssinn und trägt zu psychischem Wohlbefinden bei. Kunst ist eine Ressource, die im Zentralnervensystem ihre Wirkung zeigt, sie ist ein neuroästhetisches Programm, eine Droge mit gesundheitsförderndem Potenzial: „Es tanzt das ZNS“, wie die Einstürzenden Neubauten 1985 proklamierten – und damit zwar den Selbstversuch mit destruktiveren Substanzen meinten, zugleich aber Musik hervorbrachten, von deren Energie man bestens leben kann.

Im Belohnungszentrum

Denn ästhetischer Genuss löst in den Lust- und Belohnungszentren des Gehirns etwas aus, setzt die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin in Bewegung: Wer für die Signale der Kunst empfänglich ist, kann in der Auseinandersetzung damit Erfahrungen nahe am Gefühl des Verliebtseins, des erotischen Begehrens machen. Wenn die Titelheldin, zur römischen Kaiserin gekrönt, mit ihrem Nerone im Finale der Monteverdi-Oper „Die Krönung der Poppea“ (1643) das Duett „Pur ti miro“ (Dich nur sehen!) anstimmt, umgarnen und umschlingen die Gesangslinien der Liebenden einander in komplizierter, wundersam beglückender Weise. Historiker wissen zwar zu berichten, dass auch diese Liebe – wie die Kaiserin selbst – kein allzu friedliches Ende nehmen sollte, aber das tut der Anmut jener Arie keinen Abbruch. Wen kümmern die Ereignisse von morgen, wenn das Heute doch so überirdisch schön klingt?

Stefan Grissemann

Stefan Grissemann

leitet seit 2002 das Kulturressort des profil. Freut sich über befremdliche Kunst, anstrengende Musik und waghalsige Filme.