Der Kulturmanager und Autor Sven Hartberger in weißem Hemd, lächelnd, vor einer Bibliothek
Bild anzeigen
Wählen Sie profil als bevorzugte Google-Quelle

Vertuschte Kosten: Das Kuratorium der Salzburger Festspiele bangt ums Budget

Sven Hartberger, ehemaliger Klangforum-Chef, hat ein Buch über die Amtsenthebung des Salzburger-Festspiele-Intendanten Markus Hinterhäuser geschrieben. Festspielfonds und Kuratorium verteidigen ihr Schweigen inzwischen so: Medienberichte könnten „Irritationen“ bei Festivalsponsoren hervorrufen.

Drucken

Schriftgröße

Hören Sie sich diesen Artikel an

Die Salzburger Festspiele 2026 haben begonnen, aber ihr vielleicht bizarrstes Schauspiel findet sich nicht auf dem Spielplan: Die politische Vertuschung der Motive, die zur Absetzung ihres vormaligen Intendanten geführt haben, und der mutmaßlich horrenden Kosten, die sich daraus ergeben haben, setzt sich fort.

Dieser Tage nun veröffentlicht Sven Hartberger, ehemals Intendant des Wiener Operntheaters und des berühmten Klangforums Wien, ein 95-seitiges Buch dazu, dem er eine polemische, an Hugo von Hofmannsthal angelehnte Überschrift gegeben hat: „Das Salzburger Große Affentheater“, Untertitel: „Vom Ende der Ära Markus Hinterhäuser“. Hartberger hat über Monate an dem Fall recherchiert, alle Beteiligten kontaktiert, unliebsame Fragen gestellt und (vergeblich) auf deren Beantwortung insistiert.

Seine dabei gewonnenen Thesen: Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler und Bürgermeister Bernhard Auinger hätten, als sie im Februar 2026 grundlos eine „Krise“ der Salzburger Festspiele proklamierten, unzulässige, stetig wechselnde Argumente benutzt. Die Entlassung des Intendanten sei rechtswidrig erfolgt. Hartberger vermutet einen Schaden „in siebenstelliger Euro-Höhe, der den Salzburger Festspielen und damit auch der öffentlichen Hand entstanden“ sei und nun verheimlicht werden soll.

Das Festspiele-Direktorium kennt die Vereinbarung nicht

Hartberger hat, wie vergangene Woche auch profil, im Sinne des Informationsfreiheitsgesetzes beim Festspielfonds die Bekanntgabe der – wohl aus öffentlichen Mitteln beglichenen – Folgekosten der Absetzung Hinterhäusers eingefordert, der nun ohne jede Gegenleistung hohe Summen kassiert.

Stefan Grissemann

Stefan Grissemann

leitet seit 2002 das Kulturressort des profil. Freut sich über befremdliche Kunst, anstrengende Musik und waghalsige Filme.