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Kultur
11/24/2021

Neue Präsidentin der Salzburger Festspiele: Kristina Hammer

Sie wird die Geschicke des Festivals ganz anders als ihre Vorgängerin, Helga Rabl-Stadler, lenken – zwangsläufig.

von Stefan Grissemann

Irgendwann sprang Helga Rabl-Stadler ungeduldig auf, um ihre Nachfolgerin, die minutenlang auf sich warten hatte lassen, auf die Bühne zu holen. Mit freundlichem Lächeln und ohne jede Angabe zu ihren Zukunftsplänen („Lassen Sie mich doch erst einmal ankommen und zuhören  ...“) stellte sich Kristina Hammer schließlich den Kameras; ab 2022 wird sie als Präsidentin der Salzburger Festspiele fungieren.

Rabl-Stadlers Fußstapfen sind naturgemäß gewaltig. Es wird, das stand in der Sekunde fest, in der sie ihren Abschied bekanntgab, nicht leicht werden, eine derart omnipräsente, hochdynamische und leidenschaftliche Dauernetzwerkerin und Teamplayerin zu ersetzen, die für ihr Festival buchstäblich von früh bis spät im Einsatz stand (profil Gesellschaftschefin Angelika Hager, die vor einigen Monaten einen 17-stündigen Arbeitstag mit der scheidenden Präsidentin verbrachte, weiß in ihrer daraus entstandenen Reportage davon en détail Bericht zu erstatten). Aber es musste sein, denn Rabl-Stadler blieb eisern, verzweifelt bekniet von Salzburgs Kultur- und Polit-Riege, bei ihrer Entscheidung, nach 27 Jahren als Präsidentin der Festspiele in den Ruhestand zu treten. 

Am Mittwochnachmittag also präsentierte das Festspiele-Kuratorium ihre Nachfolgerin. 32 Menschen hatten sich beworben, sechs davon waren in die letzte Runde gelangt, ohne Gegenstimme, wie es die Richtlinien des Festivals vorsehen, war entschieden worden. Man traf, obwohl in dem fünfköpfigen Gremium vier Volkspartei-Mitglieder saßen, eine weitgehend unpolitische Lösung, gab einer Unternehmerin den Vorzug: Die deutsche Juristin, Mode- und Automobilmanagerin Kristina Hammer wird keinen allzu leichten Stand haben, denn das Amt, das sie bekleiden wird, führt auf glattes Parkett.

Abgesehen von der offenen Frage, ob die seltene Begabung, Millionensponsoren langfristig in Geberlaune zu halten, sich auch in Hammer finden wird: Die Präsidentin ist zwar nicht für das künstlerische Programm und auch nicht für die Geschäftsführung zuständig, das werden weiterhin Markus Hinterhäuser und Lukas Crepaz erledigen, aber als Aushängeschild ist sie die Zentralfigur des Festivals in Sachen Atmosphäre und Organisation. Mag sein, die Festspiele sind bis zu einem gewissen Grad auch ein Selbstläufer, ein selbstverständlicher Attraktionspunkt für die gesellschaftliche, sich gerne kunstsinnig gebende Elite; aber ohne Rabls rigorosen Charme und unerschütterliche Selbstironie ist die Kontinuität dieses etablierten Systems nicht leicht vorstellbar. Sie sicherte die Koexistenz von Kunst und Mammon, Schöpfungskraft und Society. 

Um in Erfahrung zu bringen, ob die neue Präsidentin zu Ähnlichem in der Lage sein wird, muss man ihr bis mindestens kommenden Sommer Zeit geben. Dann erst wird sich allmählich weisen, wie groß die Lücke tatsächlich sein wird, die Rabl-Stadler hinterlassen hat. 

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