Das grell beleuchtete Gesicht der Musikerin Nina Hagen, die aus der Dunkelheit mit aufgerissenen Augen in die Kamera blickt
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„Trauma hoch zehn!“ – Nina Hagen über LSD, ihren ORF-Eklat und ein Nahtoderlebnis

Die deutsche Punk-Ikone Nina Hagen hat ein bibelfestes neues Album eingespielt, das Gospel-Legenden wie Sister Rosetta Tharpe und Mahalia Jackson ehrt. Im profil-Interview spricht sie über Lampenfieber und ihre Abtreibungen, über Elon Musk und Bertolt Brecht, den ESC und Gottes Timing.

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Der Frau, die 1978 einen ihrer Songs „Unbeschreiblich weiblich“ genannt hat, kann man zutrauen, das historische Schaffen großer amerikanischer Popkünstlerinnen zu kennen: den Proto-Rock ’n’ Roll der Pastorentochter Sister Rosetta Tharpe etwa, die feingliedrigen Country-Songs des Bergarbeiterkinds Loretta Lynn oder den gottesfürchtigen Blues Mahalia Jacksons. Diesen und anderen Musikerinnen zollt Nina Hagen auf ihrem jüngsten Album, das den Titel „Highway to Heaven“ trägt, Tribut – es wird am 27. März auf Herbert Grönemeyers Label Grönland Records erscheinen.

All jene, die sich in den 1980er-Jahren zuletzt mit Nina Hagen näher auseinandergesetzt haben, könnten überrascht sein, dass die einstige Punk-Diva heute vor allem christliche Musik einspielt, allerdings deren afroamerikanische Variante: Southern Gospel, Spirituals, Rhythm ’n’ Blues und Old-School-Rock ’n’ Roll.

Grund genug, bei Nina Hagen anzurufen, die immer unterwegs zu sein scheint, aber gerade im Hamburger Büro ihres PR-Beauftragten sitzt („Ich bin überall, mal bei meiner französischen Familie in Frankreich, mal in Berlin, mal in Hamburg bei meinen Kindern“). Mit einem herzhaften „Grüß Gott“ meldet sie sich am anderen Ende der Leitung. „Willkommen in meinem Taubenschlag“, sagt sie, lässt der Berliner Schnauze freien Lauf und rollt zungenfertig ihre Rs, die abschüssigen, unregelmäßig gepflasterten Straßen ihrer Erzählungen abwärts.

Sie sei gegenwärtig an der Produktion von mehreren „aufregenden“ Filmen („ein Biopic, ein documentary, eine Miniserie – alles über Nina Hagen!“). Auf Tour wolle sie erst mal nicht gehen, vielleicht „hier und da ein Konzert“, aber „so eine dicke, fette Tournee“ werde es erst mal nicht geben. „Es sei denn, der liebe Gott hat was anderes für mich vorgesehen.“

Wie geht es Ihnen als Friedensmissionarin in einer von Krieg, Mord und Hass täglich heftiger zerfetzten Welt?

Nina Hagen

Ich trage seit Jahrzehnten meine dicke Bibel mit mir herum, insofern weiß ich, dass die Welt nicht erst seit gestern verrücktspielt.

Betrachten Sie Ihr neues Album auch als Liebesgegenmittel? Als Weg, Ihre Friedensbotschaft klingend zu machen?

Hagen

Genau, man muss dem garstigen Bösen in der Welt ganz unbeeindruckt zeigen, dass wir uns die Daseinsfreude von niemandem klauen lassen: Das kommt mir gar nicht auf unseren heiligen Acker! Denn die Menschen – we, the people – haben keinen Bock auf Krieg und politisches Kasperltheater. In meiner Bibel steht, dass sie mir den Kopf abschneiden oder sonst was mit mir machen können, aber meine Seele kriegen sie nicht. Ich kann in dieser Welt meinen irdischen Körper verlieren, aber dann schenkt der Schöpfer mir sofort meinen kosmischen, himmlischen Raumanzug. Darüber könnte man auch mal mit Elon Musk brainstormen.

Sie wollen mit Elon Musk über Raumanzüge sprechen?

Hagen

Klar, seine sind ja nichts wert. Die können alle keine kosmische Strahlung abhalten. Das ist doch ein einziges Trauerspiel – mit Lacheffekt.

Sind die großen Gospel-Künstlerinnen, die Sie auf Ihrem neuen Album würdigen, auch kosmische Botinnen?

Hagen

Natürlich! Wir reden ja über die himmlische Heimat, über das Universum, für das unsere Seelen, unsere himmlischen Körper geschaffen wurden. Die sind unkaputtbar. Die sterben nicht mehr. Wenn wir die irdische Welt verlassen, bekommen wir einen himmlischen Körper übergezogen. Deshalb der Vergleich mit Elon Musk, der seinen Astronauten diese Raumanzüge verpasst, die überhaupt nichts aushalten! Menschen sind für den materiellen Weltraum nicht gemacht. Je ferner man der Erde ist, desto höher wird die kosmische Strahlung. Und die ist für menschliche Körper total ungesund. Neulich musste wieder eine Raummission abgebrochen werden.

Man freut sich immer, Musk scheitern zu sehen.

Stefan Grissemann

Stefan Grissemann

leitet seit 2002 das Kulturressort des profil. Freut sich über befremdliche Kunst, anstrengende Musik und waghalsige Filme.