Der Schauspieler Willem Dafoe, hellauf lachend vor dunklem Hintergrund
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„Was zum Teufel tun wir hier eigentlich?“ Filmstar Willem Dafoe stellt Existenzfragen

Der US-Schauspieler Willem Dafoe ist in Hollywood eine Anomalie: Der Weltruhm hat seinen Sinn für gewagte Kinoexperimente nie geschmälert. Zuletzt hat er in einem Wiener Luxushotel einen rätselhaften Film gedreht. Begegnung mit einem tiefenentspannten Verwandlungskünstler.

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Willem Dafoe harrt im Hotel, das er so gut kennt, der Dinge. Obwohl die Gespräche mit ihm eng getaktet sind, wirkt er nicht so, als stehe er unter Zeitdruck. Persönliche Interview-Begegnungen mit dem US-Schauspieler laufen anders ab als die Termine mit Hollywood-Prominenz üblicherweise: Dafoe erscheint ohne begleitende Agenten, Bodyguards oder sonstiges kontrollierendes Personal. Er fläzt stattdessen entspannt auf einem Sofa im neunten Stock des Wiener Intercontinental, erspart sich die desinteressierte Attitüde des angeödeten Filmstars vor dem 20.000. Interview, nimmt die Sache aber auch nicht wichtiger, als sie ist.

Das mag daran liegen, dass er mit seiner Frau, der italienischen Regisseurin und Autorin Giada Colagrande, fern von Hollywood und damit weit weg von dessen zwänglerischem Big-Business-Habitus lebt – meist in Rom, fallweise in Manhattan; er besitzt sogar die italienische Staatsbürgerschaft und hegt beruflich ein dringendes Interesse an unorthodoxer Rollengestaltung und unabhängig produzierten Arthouse-Filmen.

Was nicht heißt, dass Dafoe Großproduktionen scheuen würde: Er spielte immerhin Jesus Christus in Martin Scorseses umstrittener Verfilmung „The Last Temptation of Christ“ (1988), den schurkischen Green Goblin in vier „Spider-Man“-Epen (2002–21) und einen furchtlosen Vampirjäger in Robert Eggers’ „Nosferatu“ (2024). Tatsächlich aber hängt Dafoes Herz – nach seiner ersten Liebe, dem Theater – seit Jahrzehnten an der Filmkunst, an scharfkantigen, herausfordernden Projekten: In Kathryn Bigelows „The Loveless“ fiel er 1981 als junger Biker auf, in William Friedkins „To Live and Die in L.A.“ gab er 1985 einen ausgesprochen furchterregenden Killer, in David Lynchs „Wild at Heart“ 1990 einen noch verstörenderen Soziopathen.

Stefan Grissemann

Stefan Grissemann

leitet seit 2002 das Kulturressort des profil. Freut sich über befremdliche Kunst, anstrengende Musik und waghalsige Filme.