Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth in einem kreisrunden hängenden Schaukelstuhl
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Oper als Politgroteske: Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek über Trumps Tyrannei

Die österreichische Komponistin Olga Neuwirth hat mit Elfriede Jelinek eine drastische Politsatire, eine Horror-Oper über Tyrannei und narzisstische Zerstörungswut geschrieben. Nun wird sie in Hamburg uraufgeführt.

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Olga Neuwirth hat ihre Erfahrungen gemacht. Die Ernüchterung ist ihr Panzer, die Wut auf die Verhältnisse ihr Motor. Illusionen macht sie sich grundsätzlich nicht mehr. In einem profil-Interview meinte die Komponistin einmal: „Opernhäuser sind so steif. Kein Wunder, dass Pierre Boulez einst gesagt hat, man müsste sie in die Luft sprengen. Ich sage, man müsste sie gleich zweimal sprengen.“ Die Bitterkeit ihres Humors ist die Waffe ihrer Wahl, sie lässt sich noch in Anschlag bringen, wenn sonst nichts mehr hilft.

Neuwirth spricht schnell, fast hastig, als könnten ihre Wortkaskaden das Unrecht, den Staub der Opernhäuser und die Vernichtungskraft des Patriarchats vertreiben. Etliche Male sägten konservative Kräfte Neuwirth-Premieren kurzfristig ab, gaben ihr zu verstehen, dass man an weiblicher Autorenschaft im Opernbetrieb wenig Interesse hat. Ein Dramaturg ließ Neuwirth und Elfriede Jelinek 2003 wissen, dass die Idee, Valie Export das Bühnenbild gestalten zu lassen, leider unrealisierbar sei: Drei Frauen seien zu viel. Diese atemberaubende Aussage habe sie schriftlich, sagt Neuwirth fassungslos.

Auch wenn die Künstlerin unentwegt höchstdotierte Auszeichnungen erhält (den Wolf Prize teilte sie sich 2021 mit Stevie Wonder; 2022 sprach man ihr den Grawemeyer Award zu, der einst auch an György Ligeti, Krzysztof Penderecki und Wolfgang Rihm ging; im selben Jahr kam noch der Ernst-von-Siemens-Musikpreis dazu): Die Welt scheint nicht zu wissen, was sie an ihr hat: eine Komponistin nämlich, die alle musikalischen Jargons beherrscht, die souveräner als ihre Zeitgenossen mit synthetischen, elektroakustischen und populärkulturellen Versatzstücken jongliert, dabei Werke von großer Ausstrahlung und Sinnlichkeit hervorbringt; eine auch theoretisch versierte Konzeptklangkünstlerin, die politische Dringlichkeit und musikalische Überzeitlichkeit, Ethik und Ästhetik zu vereinen weiß.

Neudefinition des Musiktheaters

„Olga Neuwirths Opern haben das Musiktheater neu definiert“, sagte der deutsche Regisseur und Intendant Tobias Kratzer unlängst in einem Interview mit dem Magazin „News“: Er legt an seinem Haus, der Staatsoper Hamburg, mit Neuwirth gerade letzte Hand an die Uraufführung von „Monster’s Paradise“ (am 1. Februar). Die „historische Nachwirkung“ der Komponistin auf die Opernkunst sei „noch nicht einmal erahnbar. Ihre Werke stehen für unsere Epoche wie ‚Fidelio‘ für den Beginn des 19. Jahrhunderts.“

Die Silhouette eines gigantischen Sauriers, nachts an der gläsernen Fassade eines von innen erleuchteten Hauses
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Dieses Wissen hat sich noch nicht durchgesetzt: Seit drei Jahrzehnten kämpft Olga Neuwirth gegen die Windmühlen eines Opernbetriebs, der nicht nur oft innovations- und frauenfeindlich agiert, sondern, wie sie im profil-Gespräch vergangene Woche sagte, „meist nur an tote Komponisten gewöhnt“ sei. „In den Strukturen dieser Institutionen kommen lebende Komponistinnen gar nicht vor.“ Und wenn man doch plötzlich da sei und eigene Meinungen einbringe, „wird man zu einem Störenfried, weil man ja nicht vorgesehen ist, nicht mitbedacht wird. Es gibt einen eigentlich gar nicht.“

Stefan Grissemann

Stefan Grissemann

leitet seit 2002 das Kulturressort des profil. Freut sich über befremdliche Kunst, anstrengende Musik und waghalsige Filme.