Géraldine Muhlmann, Autorin des Buchs "Zur Verteidigung der Fakten"
Fake-News-Konter: Géraldine Muhlmann entwirft eine Philosophie der Faktentreue
Tatsachen sind nie „die ganze Wahrheit“, nur Ausschnitte eines größeren Ganzen. Sie können verdreht, unterdrückt, missinterpretiert oder in unliebsame Kontexte gezwängt werden. Und doch sind sie unersetzlich. Denn wir brauchen sie, um die Welt wenigstens ansatzweise zu verstehen.
Aber Fakten sind eben fragil – und manipulierbar, schreibt die Philosophin Géraldine Muhlmann in ihrem Buch „Zur Verteidigung der Fakten“, soeben erschienen im Wiener Passagen-Verlag. Und sie ruft Hannah Arendts Begriff des „Tatsachenmaterials“ auf: Bestimmte Fakten sind widerstandsfähig, als könnten sie geradezu körperliche Form an- und Raum einnehmen, und sie werden institutionell, über Wissenschaft und Lehrbetrieb etwa, geschützt, setzen sich gegen allzu freie Aneignung und Umdeutung zur Wehr.
Géraldine Muhlmann weiß, wovon sie spricht, wenn sie den öffentlichen Raum und die Rolle des Journalismus in der Demokratie analysiert; sie arbeitet, neben ihrem Lehrauftrag an der Universität Paris-Panthéon-Assas, auch selbst im Feld des politischen Journalismus. Die Grundfragen ihrer Untersuchung liegen auf der Hand – und sie berühren den Kern gewissenhafter journalistischer Arbeit: Was kann „Objektivität“ in der KI-Ära noch bedeuten? Wie sind (und werden) Fakten „konstruiert“? Wie kann der Fiktion die Wahrheit der „Faktizität“ entspringen? Und wie soll man der sich gefährlich vergrößernden Antipathie begegnen, die dem Jornalismus, der „Vierten Gewalt“, diesem doch eigentlich gesellschaftlich so entscheidenden Berufsstand, entgegengebracht wird?
Muhlmanns Studie verzichtet auf überzogene Theorie-Girlanden, bleibt in ihren Argumenten luzide und nachvollziehbar. Ihre Verteidigungsschrift gegen den Gerüchte-Journalismus und die „schnellen Gewissheiten“ ist eine notwendige Grundlage, um die tiefe Faktenkrise der medialen Gegenwart zu begreifen – und zu konterkarieren.