Benito Antonio Martínez Ocasio aka Bad Bunny live in Los Angeles, März 2024
Zorn & Zuversicht: Superstar Bad Bunny attackiert Trump und erobert die Pop-Welt
Der heilige Zorn im Blick jenes Schulkinds, das man gegen seinen Willen in ein weißes Hasenkostüm gesteckt hat, blieb nicht ohne Folgen. Auf der Suche nach einem guten Künstlernamen fiel dem Musiker Benito Antonio Martínez Ocasio aus Bayamón, Puerto Rico, irgendwann Mitte der 2010er-Jahre sein Kinderfoto in die Hände, auf dem jenes mürrische Menschen-Häschen zu sehen war. Bad Bunny war geboren.
Drei Grammys sprach die Recording Academy in Los Angeles Ocasio am vergangenen Wochenende zu (drei hatte er schon in den Jahren 2021 bis 2023 gewonnen) – zwei der vergoldeten Grammophone wurden ihm für sein jüngstes Album, „Debí Tirar Más Fotos“ verliehen, eines in der Kategorie Best Global Music Performance. Bad Bunny nutzte die Bühne, um nicht von sich, sondern vom Skandal der US-Administration und deren ultrabrutaler Abschiebepolitik zu sprechen: „ICE out!“, rief er in Auditorium und Kameras: „Wir sind keine Wilden, keine Tiere, keine Außerirdischen. Wir sind Menschen, und wir sind Amerikaner.“
Bad Bunny hält eine Preisrede während der 68. Grammy-Awards-Gala
Bad Bunny ist kein weltfremder Pop-Superstar, scheut nicht davor zurück, Stellung zu beziehen und Haltung zu beweisen. Von der Musikindustrie ließ er sich weder zum handelsüblichen Latino-Machismo noch ins englische Idiom zwingen, blieb lieber dabei, seine Texte in spanischer Sprache zu singen, was den Musikstilen, die er pflegt – Reggaetón und Latin Trap – viel konsequenter entspricht. Das Englische, die lingua franca der internationalen Pop-Verwertung, galt einst bei Latin-Superstars wie Shakira oder Ricky Martin noch als der nächste logische Schritt zum Erfolg. Bad Bunny lehnte die Angleichung an den anglophonen Mainstream jedoch ab, hielt lieber daran fest, dass sich das Publikum seiner Sprache und seinem kulturellen Referenzsystem öffnen solle – und nicht umgekehrt.