Pop-Superstar Madonna posiert für ein Promofoto auf allen Vieren
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Aufruhr in Retropolis: Pop-Superstars von einst drängen ins Rampenlicht zurück

Die Popmusik des Westens feiert die Sounds von einst, als wären die 1980er-Jahre nie zu Ende gegangen. Madonna und die Rolling Stones, Paul McCartney, Willie Nelson und The Cure sind die Nostalgie-Idole der Generation Z.

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Die Untoten sind unter uns. Michael Jackson beispielsweise, dargestellt von seinem KI-frisierten jungen Neffen Jafaar Jackson, kiekst, glitzert und moonwalkt in dem Film „Michael“ seit ein paar Wochen wieder über die ganz großen Leinwände – als musikalisch genialer, aber vatergeschädigter Schmerzensbub, als unbefleckter Tier- und Kinderfreund. Die Einspielergebnisse stehen der Qualität dieser luftleeren Inszenierung, die man eher eine Mimesis oder ein Jukebox-Musical nennen müsste, diametral entgegen: Fast eine Milliarde Dollar hat die Jackson-Kinooperette weltweit bereits lukriert.

Michael Jackson in goldfarbenem Kostüm, bei einem Konzert 1996
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Der Retro-Triumph ist kein Zufall. Die Zentrifuge läuft auf Hochtouren. Auch die physisch Überlebenden der Pop-Hochburgen von einst drängen, ihre Karrieren totgeglaubt, vampirisch zurück ins künstliche Licht der Clubs und Konzertbühnen. Die Frau, die einst kaltschnäuzig dazu eingeladen hat, sich „Into the Groove“ zu begeben und als „Material Girl“ den Diktaten des Kapitalismus zu beugen, gehört zu den klugen Resteverwerterinnen ihrer großen Vergangenheit: In wenigen Wochen wird Madonna Louise Ciccone ihren 68. Geburtstag feiern; die Dancefloors großstädtischer Nachtlokale bespielt sie weiterhin mit technoiden Tracks, die mit avantgardistischem Gestus serviert werden, tatsächlich aber aus den Archivkisten der Club-Kultur der 1990er-Jahre stammen.

Plattencover des neuen Madonna-Albums, das die Sängerin in violetter Wäsche und mit lila Kopfschleier zeigt
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Das dieser Tage erscheinende neue Madonna-Album, das sieben Jahre nach ihrem bislang letzten („Madame X“) in den Handel kommt, heißt „Confessions II“ und knüpft an eine Platte der Künstlerin von 2005 an: „Confessions on a Dance Floor“.

Die Frivolität des selbst proklamierten Geständniszwangs ist Teil der gut erprobten Strategien Madonnas. Um sich aber einer gewissen Gegenwärtigkeit dieses Ansatzes zu versichern, probt man gleich mit der ersten Single den Sprung über die Generationen hinweg: Sabrina Carpenter, 27, fungiert in dem niederschwelligen Club-Banger „Bring Your Love“ als Madonnas Duett-Partnerin.

Gut abgehangen

Was im Gegenwartspop jung und neu anmuten mag, ist in aller Regel bestens abgehangen: Superstar Taylor Swift jongliert ebenso ungeniert mit Material aus dem 20. Jahrhundert, mit Elektropop, Country-Schmelz und Indie-Folk, wie ihr Kollege Bad Bunny lateinamerikanische und afro-karibische Genres aus den 1970er-Jahren, wie Reggaeton, Salsa und Calypso, variiert und bedient.

Stefan Grissemann

Stefan Grissemann

leitet seit 2002 das Kulturressort des profil. Freut sich über befremdliche Kunst, anstrengende Musik und waghalsige Filme.