"Und nein, das ist keine Botschaft an meine Ex-Partner!" Die Regisseurin Rebecca Zlotowski, 42
Die Ehe ist eine Tragikomödie: Rebecca Zlotowski über ihren Jodie-Foster-Krimi
Die Fragilität menschlicher Beziehungen und psychischer Ausnahmezustände ist so etwas wie ihr Zentralthema: Seit 2010 inszeniert Rebecca Zlotowski Spielfilme. Ihre ersten beiden, „Belle Épine“ (2010) und „Grand Central“ (2013), wurden beim Festival in Cannes uraufgeführt. In der komplexen Beziehungsstudie „Les enfants des autres“ (2022) führte sie die Schauspielerin Virginie Efira nuanciert durch das unwegsame Territorium der Melancholie. Ihre inzwischen sechste Kinoarbeit hat Zlotowski, 46, „Vie privée“ genannt, im deutschsprachigen Raum hat man zur Sicherheit den griffigeren Titel „Paris Murder Mystery“ gewählt. In Österreichs Kinos ist der mit Noir-Elementen spielende Film, in dem nicht nur Efira wieder auftritt, sondern vor allem das ungleiche (und doch perfekt aufeinander abgestimmte) Starduo Jodie Foster und Daniel Auteuil glänzt, soeben angelaufen. Das Drehbuch hat Zlotowski gemeinsam mit der Schriftstellerin Anne Berest verfasst – der Urenkelin des Dada-Künstlers Francis Picabia und der Résistance-Kämpferin Gabrièle Buffet. Berest spielte 2022 auch eine Nebenrolle in „Les enfants des autres“. Als sich Zlotowski für ihr profil-Interview per Zoom zuschaltet, ist die positive Energie, die sie ausstrahlt, augenblicklich spürbar. Die Regisseurin denkt schnell, antwortet offen und humorbegabt.
Ihr preisgekröntes Frühwerk, „Grand Central”, haben Sie seinerzeit in Österreich gedreht.
Rebecca Zlotowski
Genau, in Zwentendorf. Ich erinnere mich gut daran, auch an diesen beklemmenden Josef Fritzl, der gerade ins Gefängnis gekommen war. Aber Zwentendorf war der einzige Ort, an dem ich meinen Film drehen konnte: ein vollausgestattetes Atomkraftwerk, das nie in Betrieb war, eine fantastische Kulisse, die man nirgendwo sonst hätte finden können.
In Ihrem neuen Film zeichnen Sie – anhand der Ermittlungen einer Psychoanalytikerin zum rätselhaften Tod einer Patientin – ein tragikomisches Beziehungschaos nach.
Zlotowski
Ja, jede Ehe ist doch auch eine Tragikomödie. Es gibt viele Ebenen in diesem Film – aber die Chemie zwischen Daniel Auteuil und Jodie Foster, die ein Ex-Paar spielen, wurde zum Höhepunkt. So stand das nicht im Drehbuch, aber als die beiden sich am Set trafen, passierte etwas, und es war umwerfend.