Sportliche Konkurrenz, queeres Begehren: Hudson Williams (li.) und Connor Storrie in der Serie „Heated Rivalry“
Rivalen mit Benefits: Was ist an der Serie „Heated Rivalry“ so einzigartig?
Rückblickend lässt sich der Moment kaum noch genau bestimmen, in dem „Heated Rivalry” vom TV-Hit zum genuinen Popkulturphänomen explodierte. War es die Präsenz des Hauptdarsteller-Duos – Hudson Williams und Connor Storrie – auf der Golden-Globe-Bühne, nur Wochen nach dem US-Serienstart? War es Williams auf dem Laufsteg der Mailänder Fashion Week? Der Aufruf von Zohran Mamdani, die literarische Vorlage zu lesen? Oder als Jimmy Fallon die Fan-Hysterie vor seinem Studio mit der Beatlemania verglich? Eines steht fest: Die Vehemenz, mit der diese eher kostengünstige kanadische Produktion das Publikum in ihren Bann zieht, hat sogar den Lizenznehmer HBO Max, der die Serie ab sofort auch hierzulande zeigt, überrumpelt. Dabei war es wohl überfällig, dass eine so selbstbewusst queere Erzählung das Zentrum globaler Aufmerksamkeit besetzt.
„Heated Rivalry“ berichtet von der Anziehung zwischen zwei konkurrierenden Jung-Eishockey-Cracks, deren frostiger Konkurrenzkampf recht bald in glühendes Begehren umschlagen wird. Der Titel ist Programm: Die Hitze entlädt sich zunächst heimlich im Hotelzimmer. Von dampfender Leidenschaft geprägte, explizite Momentaufnahmen halten den Plot auch über zig Zeitsprünge hinweg am steten Lodern, selbst wenn die Figurenzeichnung über zu lange Zeit bloß skizzenhaft bleibt, vieles auch ästhetisch konventioneller ausfällt als nötig.
Über dramaturgische Unebenheiten und inszenatorische Glättungen hinaus bietet die Serie aber hinreichend Substanz; ihren Appeal auf Voyeurismus zu reduzieren, greift zu kurz. Was hier in den Bann zieht, ist das Versprechen einer romantischen Dynamik, die über tradierte Geschlechterordnungen und Beziehungshierarchien hinauszugreifen vermag. Ausgerechnet in einer hypermaskulinen Sportart darf sich eine Männlichkeit entfalten, in der Härte und Verletzlichkeit einander nicht ausschließen. Mit hoher emotionaler Wahrhaftigkeit etabliert „Heated Rivalry” Intimität als Motor der Erzählung: Sexualität als Sprache, wenn Worte (noch) fehlen. Die entscheidenden Triumphe werden hier folgerichtig abseits der Bande errungen, dort, wo man sich einer bedingungslosen, gar gefährlichen Offenheit aussetzt. Ganz schön … heiß.