Mann in orangem Raumanzug durchquert einen hellen futuristischen Korridor
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New Yorks Kino-Rebellion: Werke von Kubrick, Clarke und Roemer im Filmmuseum

Im Österreichischen Filmmuseum huldigt man einem Regie-Dreigestirn des exzentrischen US-Kinos: Meisterwerke von Stanley Kubrick treffen auf noch zu entdeckende Produktionen von Shirley Clarke und Michael Roemer.

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Nur einer von ihnen wurde weltberühmt. An Stanley Kubricks bahnbrechendem Kino kommt der Filmkanon nicht vorbei, mit jedem neuen Werk – von „A Clockwork Orange“ über „Barry Lyndon“ und „The Shining“ bis „2001“ – setzte der New Yorker Genre-Maßstäbe. Die neun Jahre ältere Shirley Clarke hatte andere Ziele, sie blieb dem Underground zeitlebens treu, visierte kein Massenpublikum an. Das künstlerische Experiment war ihr näher als das Geschäftsdenken, die Gegenkultur ihr Forum und ihre Form. „The Connection“, ihr 1962 veröffentlichtes Debüt, ist eine Theateradaption aus der Beatnik- und Drogenszene, ihr „Portrait of Jason“ (1967) die Annäherung an einen queeren afroamerikanischen Künstler.

Junger Afroamerikaner mit erschrockenem Gesicht in einer Art Dachboden mit holzvertäfelter Decke
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Der Filmemacher Michael Roemer schließlich, wie Kubrick Jahrgang 1928, ist der wohl Unbekannteste im Bunde, zu seiner Zeit weitgehend unverstanden von Filmindustrie und Publikum.

Zwei Männer in Anzügen sitzen mit ernsten Mienen an einem Spieltisch
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Als Sohn einer jüdischen Berliner Familie war er als Elfjähriger im Kindertransport nach England dem Holocaust entgangen. Mit 17 war er weiter in die USA emigriert. Nur eine Handvoll, teils dokumentarische Regiearbeiten konnte Roemer zwischen 1962 und 1993 realisieren, darunter die zu einigem Nachruhm gekommene Mafiakomödie „The Plot Against Harry“ (1971). 97-jährig starb Roemer im Mai 2025 in Vermont.

Ab 7. Mai präsentiert das Österreichische Filmmuseum also eine Retrospektive (bis 17. Juni), die drei in New York City sozialisierte Kinokreative zusammenzudenken versucht, die in den 1950er- und 1960er-Jahren dem unabhängigen Film Frischzellenkuren verpassten. Auch wenn es unter Kubricks Großtaten nichts Neues mehr zu entdecken gibt: Das Programm umfasst Roemer-Raritäten und unvollendete Werke Shirley Clarkes. Wie weit ästhetischer Kampfgeist und unkonventionelles Denken im Kino führen kann, das lässt sich anhand der Produktionen von Kubrick, Clarke und Roemer jedenfalls mit einigem Gewinn studieren. 

Stefan Grissemann

Stefan Grissemann

leitet seit 2002 das Kulturressort des profil. Freut sich über befremdliche Kunst, anstrengende Musik und waghalsige Filme.