Die Autorin und Musikerin Christiane Rösinger
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Späte Lebensphase: Ein Altersratgeber, der nicht jammerig daherkommt

Es gibt Berge von Büchern über das Älterwerden. Die deutsche Autorin und Musikerin Christiane Rösinger hat mit „The Joy of Ageing“ das wohl lustigste geschrieben – dramatische Bonustracks inklusive.

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Das Wort „Alter“ löst gern entgeisterte Blicke aus. Teenager wollen älter sein, die Älteren jugendlich, die Methusalems träumen von Kindheitstagen. Christiane Rösinger sieht das ein bisschen anders. „Wenn nicht alle Welt darüber jammern würde, wäre es mir gar nicht aufgefallen“, schreibt die deutsche Musikerin und Autorin in „The Joy of Ageing“, ihrem, tja, jüngsten Buch. „Denn wenn ich zurückblicke, war ich eigentlich mein ganzes Leben lang entweder zu alt oder zu jung oder beides gleichzeitig.“

Die Initialzündung zu „The Joy of Ageing“ geschah an einem dieser Tage, die viel mit dem anbrechenden Daseinsherbst zu tun haben. An ihrem 50. Geburtstag schlich sich erstmals der Gedanke bei Rösinger ein, über das unerbittliche Fortschreiten der Lebensjahre zu schreiben. Heute ist sie 65, was in unserem Zusammenhang nicht ganz unwichtig ist. „Oje, wann bin ich denn bloß so alt geworden?“, erinnert sie sich in „The Joy of Ageing“ an ihren Sechziger: „Wann ist das nur passiert? Ich habe es wirklich nicht gemerkt.“

Es gibt Berge von Büchern über das Älterwerden, es sind gerade gute Zeiten für die Ratgeber- und Selfcare-Industrie, die gern mit Prämissen, Postulaten, Parolen operiert, schepperndes Geraune als Jungbrunnen-Geheimwissen und Tu-dies-lass-jenes-Schlauheit verkauft: „Älterwerden für Anfänger“, „Von der Kunst des Altwerdens“, „Die großen Fragen des Alterns“, „Das Alter als Geschenk“, „Alt genug, um glücklich zu sein“, „Zum Altwerden ist immer noch Zeit“.

Rösinger versucht sich in „The Joy of Ageing“ nicht an jenem Spagat von Trost und billigem Rat, der schon beim Lesen dieser Titel wehtut. Sie ist unbegabt für Instant-Weisheiten und halbseidene Das-wird-schon-werden-Ermunterungen.

Alter Wein, alte Schachtel

„Ein Altersratgeber, der weder beschönigend noch jammerig daherkommt, das fehlt!“ Genau. Noch genauer: einer, der den Jeremiaden ihrer Altersgenossinnen, die sich als „alt“, „faltig“, „unansehnlich“, „nicht mehr ,fuckable‘“ kategorisieren, entgegengeschleudert: „,Dann stirb halt, dann musst du nicht älter werden! Das ist die einzige Lösung!‘ Das würde ich manchmal gerne ausrufen.“

Wolfgang Paterno

Wolfgang Paterno

ist seit 2005 profil-Redakteur.