Elternbrief zum Kopftuchverbot auf Arabisch: Gut so!
Vergangene Woche berichtete profil über einen Brief, den das Bildungsministerium in den kommenden Wochen an Eltern verschicken wird. Das Schreiben klärt sie über das Kopftuchverbot auf, das ab September in Kraft tritt. Verschickt wird es neben Deutsch in zehn anderen Sprachen. Was genau drin steht, lesen Sie hier. Das Gratis-Medium „Heute“ griff die Story auf und zitierte eine kritische Stellungnahme der ÖVP Wien. Dieses „gezielt auf Farsi, Somali & Co.“ verfasste Schreiben würde beweisen, dass die Neos zu den „weltfremden Multikulti-Parteien gehören“, polterte Klubobmann Harald Zierfuß.
Ja, es gibt gute Argumente dafür, dass Behörden auf voreiliges Übersetzen verzichten und nur auf Deutsch mit den Bürgern kommunizieren. Damit machen sie Zuwanderern klar, dass sie die Landessprache verstehen müssen, wenn sie am öffentlichen Leben teilnehmen wollen.
Doch es gibt auch Fälle, in denen es wichtiger ist, dass die eigentliche Botschaft ganz sicher verstanden wird und ankommt. Dazu zählten mehrsprachige Informationen über Impfangebote oder Lockdown-Regeln während der Pandemie. Und dazu zählt auch der Elternbrief zum Kopftuchverbot. Warum?
Syrische, afghanische oder somalische Eltern sollen verstehen, dass das Kopftuchverbot aus Sicht des Staates „die Kindheit schützt“, wie es in dem Schreiben heißt. Sie sollen verstehen, dass es in einem säkularen Land nicht gewünscht ist, dass Mädchen bereits in der Pflichtschule in religiöse Geschlechterrollen gedrängt werden. Und sie sollen verstehen, dass nicht die Lehrer oder Direktoren ihren Töchtern das Kopftuch verbieten, sondern der Staat die Gesetze macht – die von Schulen und Erziehungsberechtigten einzuhalten sind.
Richtig liegt ÖVP-Politiker Zierfuß mit seiner Kritik an einer Passage im Brief, auf die profil aufmerksam machte: „Außerhalb des Schulhauses entscheiden die Erziehungsberechtigten über das Tragen des Kopftuchs“, heißt es darin. Das könnte von den Eltern als Legitimation verstanden werden, ihren Töchtern das Kopftuch vor oder nach der Schule vorzuschreiben.
Diese Botschaft sollte der Staat auf keinen Fall aussenden. Weder auf Deutsch, Arabisch noch Farsi.