Causa Pilnacek: Die verlorene Ehre des Peter Pilz
Die Zack Media, Verlegerin des von Peter Pilz verfassten Buches „Pilnacek. Der Tod des Sektionschefs“, ist am Donnerstag – nicht rechtskräftig – vom Straflandesgericht Wien wegen übler Nachrede verurteilt worden und muss an vier Polizisten insgesamt 57.000 Euro Entschädigung zahlen. Das Buch wird – bei Rechtskraft – eingezogen. Der Prozess war von Bundespolizeidirektor Michael Takacs und drei weiteren Beamten angestrengt worden. In seinem Buch insinuiert Pilz, diese hätten im Auftrag der ÖVP versucht, Ermittlungen in Zusammenhang mit dem Tod von Justiz-Sektionschef Christian Pilnacek zu beeinflussen. Wie der Richter ausführte, ist es Pilz nicht gelungen, Beweise für seine Behauptung vorzulegen.
Peter Pilz hat fraglos seine Meriten. Als Politiker der Grünen und furchtloser Aufdecker war er wichtig für die politische Hygiene des Landes. Allerdings wohnte in ihm immer auch ein destruktiver Geist. Bei den Grünen galt er als nicht teamfähig. Am Ende gründete er eine eigene Partei („Liste Pilz“), was zur Folge hatte, dass die Grünen 2017 aus dem Nationalrat flogen. Aber es wäre nicht Pilz, hätte er sich nicht mit einigen seiner neuen Mitstreiter ebenfalls überworfen. Nach der Wahl 2019 war seine Partei bereits wieder Geschichte.
Den Abschied von der Politik hat Pilz offenbar nie ganz verkraftet. Und daher machte er außerparlamentarisch so weiter wie als aktiver Politiker: als Agitator, dem es weniger um die Sache als um die Wirkung geht. Er nennt sich „Journalist“, ist aber bestenfalls ein Autor, der in seinen Büchern Verschwörungsmythen in Zusammenhang mit Pilnaceks Tod befördert.
Einem Journalisten sollte es um Fakten gehen, Pilz scheint immer nur zu sehen, was in seine Erzählungen passt. Ein zweites Urteil wegen mehrerer Artikel auf der Plattform Zackzack.at ist bereits rechtskräftig. Zack Media muss einem niederösterreichischen Kriminalbeamten, der in der Causa Pilnacek ermittelte und sich von Pilz verunglimpft sah, 8000 Euro Entschädigung zahlen.
Wie konnte es so weit kommen? Wenn er von einer Sache überzeugt ist, hat Pilz keine Scheu, anderen Meschen – in diesem Fall fünf Polizisten – übel mitzuspielen. Dazu nützt er Personen aus, die sich ihm arglos ausliefern – wie die frühere Partnerin von Pilnacek, die Pilz als Quelle für sein Buch diente. Man hätte die Frau vor sich selbst schützen sollen. Sie kontaktierte Kartenleserinnen und Wahrsagerinnen und fabulierte darüber, Pilnacek sei in einem Zeugenschutzprogramm.
Peter Pilz hat seine politischen Verdienste verspielt. Und er scheint mittlerweile den eigenen Verschwörungsmythen verfallen zu sein. Außer ihm glauben daran nur Herbert Kickl und dessen blaue Parteifreunde. Im U-Ausschuss zur Causa Pilnacek werden sie aufeinandertreffen.