Polizisten gehen auf einen Maler zu
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3,5 Jahre Haft für Serienbetrüger: „Das ist so ein Teufelskreis“

Ein 44-Jähriger gab sich als Maler, Installateur und Vermieter aus und brachte zahlreiche Wiener um Tausende Euro – um seine Kokainsucht zu finanzieren. Am Dienstag wurde er zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

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Schon vor dem Gerichtssaal tauschten sich die zahlreichen Opfer des 44-jährigen Dragan S. aus. „Er war so glaubhaft“, sagt eine ältere Dame. „Ja, ja – ich bin ja nicht naiv, aber es wirkte alles echt“, erwidert eine andere Frau. „Man traut sich ja nicht ‚Nein‘ zu sagen“, erklärt eine Pensionistin das Geschehene: „Ich zahlte, weil ich nicht wusste, was er mir sonst antun würde.“

Wie profil exklusiv berichtete, wurden Dutzende Wiener und Wienerinnen, viele davon ältere Frauen wie jene vor dem Gerichtssaal, von Dragan S. um insgesamt rund 75.500 Euro gebracht. Der Betrüger klingelte an ihre Wohnungstüren oder fing sie in Stiegenhäusern ab und behauptete dort, er sei Maler oder Installateur und müsse im Auftrag der Hausverwaltung von Wiener Wohnen in den Wohnungen Waschbecken herrichten, Thermen warten oder Wasserschäden reparieren. Für die angebliche Beschaffung von Arbeitsmaterial kassierte er hunderte Euro und tauchte unter.

In anderen Fällen inserierte er Fotos der Wohnungen eines Verwandten und seiner Ex-Freundin als vermeintliches Mietobjekt im Internet. Mit Interessierten führte er dort bei Abwesenheit der eigentlichen Eigentümer Besichtigungen durch – und kassierte Kaution und angebliche Gebühren für den Notar.

Selbst kam der gelernte Maler, Anstreicher und Bodenleger in Hotels oder Hostels unter – und bot einmal sogar das Inventar einer Unterkunft im Internet zum Verkauf an. Zu einer Übergabe kam es nicht. Die Frau, die Geld für die Möbel vorab bezahlt hatte, forderte ihr Geld am Dienstag vor Gericht zurück – und schloss sich wie Dutzende weitere Opfer als Privatbeteiligte an.

Schwerer Betrug, schwerer Diebstahl – teils durch Einbruch, betrügerischer Datenmissbrauch und Urkundenunterdrückung – lautete am Ende die Anklage. „Da kommt was zusammen“, hielt die Richterin dem Angeklagten vor. Erschwerend wirkten sich die elf Vorstrafen, sieben davon ebenfalls wegen Betrugs mit ganz ähnlichen Maschen, aus: „Ein Jahr nach der letzten Haft legen Sie wieder los – im großen Stil“, hielt die Richterin fest.

Betrug finanzierte Kokainsucht

Was sie nicht nachvollziehen konnte: Der 44-Jährige ließ seine Opfer teils seinen echten Reisepass abfotografieren. Anderen bescheinigte er mit seiner Unterschrift die Übergabe des Geldes. „Wollten Sie erwischt werden?“, fragte die Richterin den Beschuldigten. Das nicht, sagte der Angeklagte, aber er sei doch „erleichtert“. Er habe mit dem erbeuteten Geld seine Kokainsucht finanziert, erklärte er. Es tue ihm „leid, dass es so weit kommen musste“.

„Sobald ich ein Milligramm nehme, ist es vorbei“, schilderte er. Er habe sich teils tagelang in Hotels verbarrikadiert und Drogen konsumiert, habe „an einem Tag tausend Euro in der Tasche gehabt und am nächsten Tag nichts mehr. Das ist so ein Teufelskreis.“

Den letzten Entzug habe er vor 25 Jahren gemacht, nun habe er zumindest wieder eine Zusage zu einem Therapieplatz. Er wolle seinen Schaden wieder gut machen, erklärte der Angeklagte. 

Sein Rechtsanwalt Michael Ofner bat im Schlussplädoyer um eine milde Strafe: Sein Mandant sei umfassend und reumütig geständig und erkenne alle Forderungen der Opfer an.

Das Gericht verurteilte Dragan S. nach kurzer Beratung zu dreieinhalb Jahren unbedingter Haft – bereits rechtskräftig. Dragan S. sprang sofort auf, gab seinem Anwalt einen Handschlag und ließ sich wieder abführen. 

Dass die Opfer, die im Prozess einzeln aufgerufen wurde, um ihre Schadenssummen aufzusagen, tatsächlich voll entschädigt werden, ist jedoch unwahrscheinlich. „Der Angeklagte hat nichts“, so Ofner im Schlussplädoyer. Lediglich ein Bekannter des eloquenten Angeklagten konnte überzeugt werden, mit 50 Euro im Monat auszuhelfen.  

Konstantin Auer

Konstantin Auer

seit 2025 als Projektleiter des „Frühstück“-Newsletters im Digitalteam des profil, davor bei PULS24 und Kurier. In seinen Recherchen geht es meist um soziale Ungerechtigkeiten, menschliche Abgründe und juristische Herausforderungen im Graubereich zwischen Chronik und Politik.