Köpferollen in Wiener Ärztekammer: Kammeramtsdirektorin muss gehen
Wenn es stimmt, was ehemalige Bedienstete der Wiener Ärztekammer auf der Online-Plattform Kununu schreiben, dann herrscht in den Büros in der Weihburggasse im Ersten Wiener Bezirk kein ideales Arbeitsklima.
Auf dem Portal können Ex-Angestellte ihre früheren Dienstgeber bewerten. Die Ärztekammer erhält durchschnittlich nur 1,9 von fünf möglichen Sternen. Die anonymen User berichten von „Mobbing durch Teamleitung“, von einer „toxischen Arbeitsumgebung“ und davon, dass das Verhalten von Vorgesetzten „falsch und intrigant“ sei. Ein Ehemaliger schreibt: „Ich bin froh, dass ich weg bin.“ Ein anderer: „Es wäre von Vorteil des Arbeitsgebers, wenn er auf seine Angestellten ebenso achten würde wie auf seine Klientel.“
Überprüfen lassen sich die Vorwürfe von außen nur schwer. profil steht aber in Kontakt mit einigen früheren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kammer, die diese anonymen Darstellungen zum Teil bestätigen. Einer spricht von einem „diktatorischen“ Führungsstil.
Präsidium entfernt Kammeramtsdirektorin
Hauptverantwortlich für alle Angestellten war seit 2023 Kammeramtsdirektorin B. Wobei die politische Ausrichtung und die Finanzgebarung der Kammer freilich von Präsidium, Vorstand und Vollversammlung der Ärztekammer vorgegeben wurden – also den gewählten Funktionsträgern der verschiedenen Fraktionen.
Wie profil von drei Quellen erfuhr, endete B.s Karriere vor wenigen Tagen abrupt und unfreiwillig: Das vierköpfige Ärztekammer-Präsidium, bestehend aus dem Präsidenten, seinen zwei Vizes und dem Finanzreferenten stellte B. dienstfrei. In dem Vierergremium hat der Präsident ein Dirimierungsrecht, bei Stimmengleichheit bestimmt er. Ob er im konkreten Fall davon Gebrauch machen musste, bleibt vorerst ein gut gehütetes Geheimnis.
Zum Grund für die Dienstfreistellung wollte die Wiener Ärztekammer nichts sagen: „Wir bitten um Verständnis, dass sich die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien nicht zu internen Personalangelegenheiten äußert.“
Warum kam es zur Dienstfreistellung?
Im Wesentlichen kursieren zwei Erzählungen. Eine knüpft an die Kununu-Bewertungen an: Die gegangene Kammeramtsdirektorin hätte Mitarbeitende gemobbt und wäre deshalb entfernt worden. Zu der Darstellung kam von der Wiener Ärztekammer keine Bestätigung, B. war für profil nicht zu erreichen.
Andere Stimmen sagen, B. „will und wollte weiterarbeiten“, ihre Dienstfreistellung bei vollen Bezügen könnte viel Geld kosten und sie vermuten, dass die Kammeramtsdirektorin vielmehr Opfer eines politischen Konflikts verfeindeter Kammerfraktionen wurde. B. dürfte nicht unbedingt das Vertrauen der ÖVP-nahen Vereinigung genossen haben, die mit Johannes Steinhart den Präsidenten stellt.
In der WhatsApp-Gruppe „Ärztekammer – Polittalk“, in der gut 300 Wiener Ärztinnen und Ärzte mitlesen, herrscht jedenfalls Aufregung.
Unruhe unter Ärztekammer-Mitgliedern
Warum die „KAD“ (Kammeramtsdirektorin, Anm.) gegangen wurde, wollen sie wissen. Der zuständige Funktionär für Öffentlichkeitsarbeit in der Wiener Ärztekammer antwortet: „Die Kammer spricht nach außen nur mit der Stimme des Präsidenten. Ich darf ohne seine Zustimmung leider nichts sagen.“ Er spielt auf einen Maulkorberlass an, über den profil bereits berichtete.
B., die in verschiedenen Funktionen sechs Jahre in der Ärztekammer tätig gewesen war, dürfte bereits an einer neuen Karriere arbeiten: Ihre Schwester postete vor einer Woche auf dem Karriereportal LinkedIn, B. würde per sofort einen Rechtsanwaltsanwärter suchen und versprach „tolle Mandanten“.