Eine Ärztin in weißem Kittel vor ihrer Praxis
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Die Expertenkommission der Regierung empfiehlt das Ende der freien Facharztwahl. Patienten müssten in Zukunft zuerst zum Hausarzt. Dagegen regt sich heftiger Widerstand.

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Schnarchabklärung, Tinnitus, ein Loch im Trommelfell, Halsschwellung mit Tumorverdacht, Kontrollen vor und nach einer Spitals-OP. 40 Patientinnen und Patienten suchten am vergangenen Montag die HNO-Praxis von Verena Niederberger-Leppin im 2. Wiener Gemeindebezirk auf. „90 Prozent kamen direkt, zehn Prozent schickte der Hausarzt“, wertet die Fachärztin ihre Tagesstatistik aus. Einen direkten Zug zum Facharzt ortet sie bei jüngeren Patienten, ältere hätten eine stärkere Bindung an ihren Hausarzt.

Und wie viele Patienten wären gar nicht erst gekommen, wenn sie zuvor ihren Hausarzt aufgesucht hätten? „Eine Patientin kam heute, um abzuklären, ob sie einen Infekt hat oder an ihrer Allergie leidet“, sagt Niederberger-Leppin. „Sie war in meiner Ordination nicht falsch, aber ihr hätte auch der Hausarzt helfen können.“ Das treffe an anderen Tagen auf rund zehn Prozent der Patienten zu.

Die Bundesregierung ist überzeugt: Zu viele Menschen weisen sich selbst falsch zu. Die „bessere Patientensteuerung“ ist eines der Ziele in der aktuellen Gesundheitsreform, an der Regierung, Landeshauptleute, Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) und Experten mit Hochdruck arbeiten. Mit Knieschmerzen in die Spitalsambulanz, mit Kopfschmerzen direkt zum Neurologen, mit leichtem Ausschlag zum Dermatologen oder mit Schnupfen zum HNO-Arzt, das soll der Vergangenheit angehören. „Mit einem gesundheitlichen Problem an die Stelle kommen, wo das am besten behandelt wird und am effizientesten erfolgen kann“, erläuterte Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Dienstag ein zentrales Ziel der Gesundheitsreform.

Facharzt nur mit Überweisung

Eine Einigung gibt es bei den Verhandlungen dem Vernehmen nach bereits: Die Gesundheitshotline 1450 wird deutlich ausgebaut – inklusive „Tele“-Ärzten, die leichte Symptome per Video behandeln, erfuhr profil aus Verhandlungskreisen. Ein weiteres Modell für eine bessere Lenkung der Patienten ist wesentlich umstrittener: eine Überweisungspflicht zum Facharzt, ausgestellt vom Hausarzt. Patientinnen und Patienten könnten nicht mehr direkt zum Spezialisten, sondern müssten zuvor Allgemeinmediziner aufsuchen. Diese wären die neuen „Gate-Keeper“, die entscheiden, ob es überhaupt weitere Ärzte braucht und welche.

Clemens Neuhold

Clemens Neuhold

Seit 2015 in der profil-Innenpolitik, davor bei Wiener Zeitung, Migrantenmagazin biber und KURIER. Seine Recherchen beschäftigen sich vor allem mit Zuwanderung, Bildung und Gesundheit.