Nicht nur mehr im Fernsehen: Die Krise hat unser Leben erreicht
Nicht nur mehr im Fernsehen: Die Krise hat unser Leben erreicht

© APA/HELMUT FOHRINGER

Österreich
03/13/2020

Die Corona-Chroniken: Baba, bis wann auch immer!

Globale Krisen mit akut lebensbedrohlichen Folgen finden für uns nur im Fernseher statt? Das war einmal.

von Martin Staudinger

In mehr als 25 Jahren im Journalismus habe ich es nur zweimal erlebt, dass in der Redaktion alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor dem Fernseher zusammenliefen und ganz still wurden (normalerweise flapst ja immer irgendjemand herum): Zum ersten Mal am Dienstag, 11. September 2001, als die Aufnahmen des kollabierenden World-Trade-Centers in New York über die Bildschirme flimmerten.

Und dann am Freitag, 13. März, als Bundeskanzler Sebastian Kurz, Innenminister Karl Nehammer und Gesundheitsminister Rudi Anschober bei einer Pressekonferenz die neuesten Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Epidemie bekanntgaben. Das Paznautal und St. Anton am Arlberg: unter Quarantäne. Die meisten Geschäfte: ab Montag geschlossen. Bars und Restaurants: kommende Woche nur mehr bis zum Nachmittag geöffnet.

Das ist natürlich nicht eins-zu-eins mit 9/11 zu vergleichen, aber es ist eine für die jüngere Geschichte Österreichs beispiellose Disruption.

Mehr als Gedankenspiele

Jahrzehntelang konnte man hierzulande darauf vertrauen, dass Krisen mit akut lebensbedrohlichen Folgen lediglich im Fernsehen, weil irgendwo anders auf der Welt, stattfinden. Jetzt bekommt man zumindest ansatzweise einen Eindruck davon, wie es sich anfühlt, wenn eine Krise nicht mit dem Standby-Knopf auf der Fernbedienung weggeschaltet werden kann – weil sie die unmittelbare Umgebung und damit auch jeden selbst betrifft; noch dazu: jeden selbst mit schwersten Folgen treffen kann.

Wir werden erst in den kommenden Tagen erfahren, was das konkret bedeutet: für die Infizierten und Erkrankten; für ihre Angehörigen und die Hinterbliebenen möglicher Opfer; für die Wirtschaft und die Gesellschaft; und nicht zuletzt auch für unsere Arbeit als Journalisten.

Plötzlich sind Notfallpläne nicht mehr bloß Gedankenspiele, von denen man ohnehin nicht erwartet, dass sie je praktisch umgesetzt werden müssen – sondern Vorbereitung auf den Normalfall. Laptops werden gecheckt, um das Recherchieren, Schreiben und Redigieren nach Hause verlagern zu können; Teams und Verantwortliche benannt, die zum Produzieren trotzdem in der Redaktion anwesend sein müssen.

Bis Ostern? Irgendwann?

Die Verabschiedungen an diesem Freitagabend klingen entsprechend seltsam. Und lockerer, als sie es in Wahrheit sind: Alles gute daheim! Gesundbleiben! Und baba, bis wann auch immer – Montag? Nach Ostern? Irgendwann?

In den Sanitärräumen riecht es nach Arztordination. Aber das sind nur die Desinfektionsmittel.

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