Der Däne Ole Andersen mit Frau

Coronavirus: Über 100 Dänen haben sich in Ischgl angesteckt

Skandinavische Länder erklären Tirol zum Risikogebiet, allein 139 Dänen sollen sich in Österreich infiziert haben.

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„Ich habe nicht verstanden, wieso ich in österreichischen Medien und Websites der Behörden nichts dazu finden konnte. In Dänemark sind hundert Personen infiziert, weil sie in Ischgl waren“, schildert Jesper Jansen am Telefon aus seiner Heimquarantäne in Kolding.

Der 44-jährige Projektmanager urlaubte mit seiner Freundin vom 29. Februar bis 6. März im Tiroler Skiort Ischgl. Einen Tag nach seiner Rückkehr nach Dänemark verspürte er Symptome – Gliederschmerzen, Kopfweh, Fieber – und ließ sich testen. Seit vergangenen Montag die Gewissheit: Er und seine Freundin sind Covid-19-positiv.

Warnung vor Reisen nach Tirol

Sie sind nicht allein: Hunderte Skandinavier verbrachten im Februar und März ihre Winterferien in den Tiroler Alpen. Nach ihrer Rückkehr ist nun eine große Zahl von ihnen positiv auf Corona getestet, sie schleppten das Virus in ihre Heimatländer ein: „Wir haben mit Stand Donnerstag 139 positiv getestete Fälle, die direkt mit Reisen aus Österreich in Verbindung stehen. Die Mehrheit davon betrifft Ischgl“, sagt Michael Madsen vom Statens Serum Institut, das für das dänische Gesundheitsministerium die Zahl der Infektionen dokumentiert.

Das dänische Außenministerium stuft Tirol seit dieser Woche deshalb als Risikogebiet ein. Auch Schweden, Norwegen und Island warnen vor Reisen nach Tirol – dort werden ebenfalls dutzende Krankheitsfälle mit zurückgekehrten Österreich-Urlaubern in Verbindung gebracht.

Eng und dicht gedrängt

Als Infektionsherd gilt mittlerweile die Après-Ski-Bar Kitzloch in Ischgl. Anfang März wurde zunächst ein Barkeeper des Lokals positiv getestet. Insgesamt sind in Tirol mit Stand Freitag 141 Corona-Fälle bestätigt, so viele wie in keinem anderen Bundesland. Ein großer Teil davon ist dem Umfeld der Bar beziehungsweise dem Skiort Ischgl zuzurechnen. Die Dunkelziffer könnte noch weit darüber liegen: „Wir waren zweimal jeweils für eine Stunde im Kitzloch. Wenn Sie sich die Bilder und Fotos der Bar anschauen, sieht man, wie eng und dicht gedrängt das dort zuging“, erzählt Ole Andersen.

Der dänische Handballtrainer verbrachte die erste Märzwoche mit Bekannten in Ischgl – nach seiner Rückkehr nach Dänemark sind der 54-Jährige und seine Ehefrau nun positiv getestet. Auch mitgereiste Freunde verspüren Symptome und sind in Quarantäne.

Bis 8. März herrschte in der Ischgler Bar noch Betrieb, in den vergangenen Tagen ging Tirol dann in den Krisenmodus über: Ab Sonntag sperren alle Skigebiete zu, das Kitzloch bleibt bis auf Weiteres behördlich geschlossen.

Update: Ischgl und das ganze Paznauntal wurden am Freitag mit Zeitpunkt 15 Uhr unter eine zweiwöchige Quarantäne gestellt. Die Gemeinde wird behördlich isoliert.