Die „ganz normale“ Zusammenarbeit zwischen FPÖ und „Info-DIREKT“
Wie eng die FPÖ mit rechtsalternativen Medien zusammenarbeitet, ist bekannt – spätestens seit der Nationalratswahl 2024, als Bundesparteiobmann Herbert Kickl sein erstes Statement nach dem Wahlsieg der Freiheitlichen dem rechten Alternativmedium „AUF1“ gab. Der Rechtsextremismusbericht 2024 des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes (DÖW) beschreibt diese Symbiose wie folgt: Ein rechtsextremer Medienmarkt, darunter „Info-DIREKT“, „Report24“ oder „unzensuriert.at“ erhalten FPÖ- oder AfD-Inserate, und bekommen dafür Exklusivinterviews und Gastkommentare. Das gemeinsame Ziel laut DÖW: den gesellschaftlichen Diskurs nach rechts zu verschieben.
Wie eng diese Zusammenarbeit mitunter sein kann, zeigt ein Artikel, der in „Info-DIREKT – Das Magazin für Patrioten“ der Ausgabe 59 des Vorjahres abgedruckt wurde.
Seite 16 der Ausgabe titelt mit „Windindustrieanlagen auf Almen und Bergen – Wie die ‚Generation Greta’ an ihrer Oberflächlichkeit scheitert. Ein Gastbeitrag von Ingo Ortner, Mitglied des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV)“. Der Kärntner führt in seinem Kommentar aus, dass Windräder auf Bergen und Almen nichts verloren haben, verweist hier auf das entsprechende Positionspapier des Alpenvereins und thematisiert den Konflikt zwischen Natur- und Klimaschutz.
Gegenüber profil betont er, dass es ihm um die Sache geht – also um den Diskurs, wie man mit der Natur umgehe, wo Energieprojekte realisiert werden sollen und wo nicht, all das müsse im demokratischen Miteinander ausgelotet werden. Und diese Diskussion beobachtet und führt er auch innerhalb des 800.000 Mitglieder umfassenden Alpenvereins, wo Ortner einfaches Mitglied ist. So weit so gut – wie kam es aber nun zu diesem Gastbeitrag?
Der Herr Hauser (EU-Abgeordneter der FPÖ; Anm.) hat mich gebeten einen Artikel mit Osttirolbezug zum Thema Windkraft zu schreiben.
„Der Herr Hauser (EU-Abgeordneter der FPÖ; Anm.) hat mich gebeten einen Artikel mit Osttirolbezug zum Thema Windkraft zu schreiben“, sagt Ortner zu profil. Dass er als Sprachrohr gegen das geplante Projekt am Compedal – ein sieben Windkraftanlagen umfassender Park zwischen 2100 und 2300 Metern Seehöhe in Tirol – eine Meinung hat und diese auch kundtut, ist nicht weiter überraschend. Wie eng ein EU-Abgeordneter und ein laut DÖW rechtsextremes Medium zusammenarbeiten, allerdings schon.
„Das ist ‚ganz normal’“
Nachgefragt beim Eigentümer und Chefredakteur Michael Scharfmüller. Er war in seiner Vergangenheit selbst im neonazistischen „Bund freier Jugend“ (BfJ) aktiv. „Schauen Sie, das ist ganz normal. Wenn jemand Kontakt hat und fragt, kannst mir du, können Sie mir das organisieren, so geht man eigentlich vor in einer Redaktion. Ich weiß nicht, wie Sie das handhaben“, sagt Scharfmüller zu profil.
Auf die Frage, ob auch Politiker anderer Couleurs außer FPÖ und AfD Beiträge für sein Magazin organisieren, sagt Scharfmüller: „Ich frage nicht nach einem Parteibuch, wenn ich mit irgendjemandem in Kontakt bin.“ Und ist es üblich, dass Personen, die Gastbeiträge schreiben, diese nicht bei ihm als Chefredakteur abgeben, sondern bei einem EU-Abgeordneten? „Ja, das hat Ihnen der Herr erklärt.“ Und: „Das kann so funktionieren, muss nicht so funktionieren“, sagt Scharfmüller.
Zur Einordnung: Dass Beiträge von einem Politiker akquiriert und bei diesem – und nicht etwa bei der Chefredaktion oder der zuständigen Person in einem Meinungsressort – abgegeben werden, ist in einem redaktionell unabhängigen Medium unüblich.
Dem Gastautor Ortner sei jedenfalls nicht bekannt gewesen, wo sein Beitrag abgedruckt wird. Dass es sich bei „Info-DIREKT“ laut DÖW um ein Medium handle, das regelmäßig Verschwörungstheorien verbreite – wenn es etwa gegen eine angebliche „globalistische Agenda“ von Eliten (wie dem Weltwirtschaftsforum oder George Soros) –, oder für Konzepte wie „Remigration“ eintritt und mit Kreml-nahen Narrativen auffällt, habe er nicht gewusst. Die entsprechende Nachfrage nehme er „gerne zum Anlass, um in Zukunft genauer nachzufragen, wo meine Kommentare veröffentlicht werden.“