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FPÖ-Mitglied mit Erdoğans Sohn beim Fastenbrechen in Wien

Mehmet „Memo“ Özay kandidierte bei der letzten Wien-Wahl für die FPÖ. Ein Foto zeigt ihn beim Fastenbrechen der AKP-nahen Organisation UID in Wien-Liesing. An seiner Seite Erdoğans möglicher Nachfolger: dessen Sohn Bilal Erdoğan.

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Freiheitliche beim Fastenbrechen sind inzwischen keine Ausnahme mehr. Vor gut einem Jahr war es noch Leo Lugner, damals FPÖ-Funktionär und mittlerweile Wiener Gemeinderat, der beim sogenannten Iftar des türkisch-islamischen Dachverbands Atib auf Stimmenfang ging. Heute sitzt ein anderer Blauer zwischen Erdoğans Anhängern mitten in Wien: Mehmet Özay, Spitzname „Memo“, der am Montag beim Fastenbrechen der Union Internationaler Demokraten (UID, ehemals UETD) Platz nahm. 

Özay, niederösterreichischer Goldhändler türkischer Herkunft und blauer Muslim, kandidierte bei der Wiener Gemeinderatswahl im April 2025 für die FPÖ auf Listenplatz 34. profil berichtete über ihn, ebenso die „New York Times“, in der er vor der Wahl seine politische Haltung mit folgenden Worten beschrieb: „Wir sind in Österreich. Wir müssen zuerst an unser eigenes Volk denken, und danach kommen alle anderen.“

Am Montagabend mischte sich Özay unter Recep Tayyip Erdoğans Anhänger, die in der Royal Eventhalle in Wien-Liesing ein Fastenbrechen organisiert hatten. Veranstalter war die Union Internationaler Demokraten (UID, ehemals UETD). Die UID ist ein Lobby-Netzwerk, das der türkischen Regierungspartei AKP nahesteht und die Diaspora in Europa mobilisieren soll. In deutschen Verfassungsschutzberichten wird die UID als Organisation beschrieben, die regelmäßigen Kontakt zu AKP-Funktionären und türkischen Regierungsmitgliedern pflegt, politische Willensbildungsprozesse beeinflusst und über ein erhebliches Mobilisierungspotenzial verfügt. Die Dokumentationsstelle Politischer Islam schreibt im Jahresbericht 2022, die UID sei laut eigener Darstellung „eine auf ehrenamtlichem Engagement der Mitglieder basierende Organisation, die das Ziel verfolgt, die Identitätsentwicklung von Gemeinden Türkeistämmiger im Ausland zu stärken“. Gleichzeitig aber organisiere die UID immer wieder Veranstaltungen und Demonstrationen zugunsten der AKP. Insbesondere wenn politische Ereignisse in der Türkei stattfinden. In Deutschland wie in Österreich wird die Einflussnahme der UID kritisch beobachtet.

Erdoğans Sohn als Ehrengast

Ein Foto zeigt Özay mit dem Ehrengast des Abends: Bilal Erdoğan, Sohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, der inoffiziell schon als Kronprinz der Türkei gehandelt wird. Der 44-jährige Unternehmer agierte bislang politisch im Hintergrund, dürfte nun aber gezielt AKP-nahe Institutionen aufsuchen – auch im Ausland –, um sein politisches Fundament zu festigen und sich offenbar auf die Nachfolge seines Vaters vorzubereiten. Recep Tayyip Erdoğan, 71 Jahre alt, wird bei den Präsidentschaftswahlen 2028 sein Amt voraussichtlich abgeben. Offiziell darf er nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren. Dennoch wird weithin spekuliert, dass Recep Tayyip Erdoğan nach Wegen sucht, die verfassungsmäßigen Hürden zu umgehen, um auch ein drittes Mal antreten zu können.

Über seinem Sohn, Bilal Erdoğan, liegt jedenfalls schon vor einer möglichen Kandidatur der Schatten zahlreicher Skandale: Zwischen 2008 und 2012 sollen fast 100 Millionen US-Dollar an seine Stiftung geflossen sein, mutmaßlich aus Mitteln aus dem Nahen Osten. 2013 leitete die Istanbuler Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Korruption ein; mitgeschnittene Telefonate zwischen ihm und seinem Vater legen nahe, dass Bilal versucht haben soll, größere Geldsummen vor der Justiz zu verbergen. 2015 geriet er erneut unter Beschuss, weil sein Transportunternehmen angeblich Öl und Rohstoffe von der Terrororganisation Islamischer Staat bezog. Italien eröffnete 2016 ein Verfahren wegen Geldwäsche, stellte es jedoch mangels Beweise wieder ein. Alle Vorwürfe hat Bilal Erdoğan öffentlich bestritten. Neben ihm war auch Zafer Sirakaya beim Fastenbrechen zugegen. Der türkische AKP-Abgeordnete trat bereits 2020 in Wien-Ottakring bei einem ähnlichen Anlass auf, als er in einer Rede den Gründer der Muslimbruderschaft, Hassan al-Banna, lobend erwähnte.

Mehmet „Memo“ Özay äußert sich auf profil-Nachfrage zurückhaltend zu der Teilnahme von Erdoğan-nahen Akteuren am Fastenbrechen: „Das ist keine terroristische Organisation. Ich wurde als Gast eingeladen und bin deswegen auch hingegangen.“

FPÖ-Chef Herbert Kickl hingegen hat sich in den vergangenen Jahren wiederholt kritisch gegenüber der AKP und Erdoğan-nahen Netzwerken positioniert. In einer Nationalratssitzung am 7. Juli 2020 sprach Kickl von „null Toleranz“ unter anderem gegenüber „Erdoğan-Fanatikern“. 2021 brachte er zudem ins Spiel, die Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft an türkische Staatsangehörige auszusetzen. Er verwies auf „Verdachtsmomente“, wonach Neo-Österreicher ihre türkische Staatsbürgerschaft erneut annehmen würden. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan habe ein Interesse an möglichst vielen Auslandsbürgern als „Wählerreservoir“, sagte Kickl.

Özay erkennt darin keinen Widerspruch. Am 6. Februar veröffentlichte er ein Foto mit dem früheren Sprecher der rechtsextremen Identitären, Martin Sellner, versehen mit dem Hashtag „Remigration“.

Daniela Breščaković

Daniela Breščaković

ist seit April 2024 Innenpolitik-Redakteurin bei profil. War davor bei der „Kleinen Zeitung“.