Ein Mann mit Brille und blauer Jacke, FPÖ-Obmann Kickl, sitzt entspannt auf einem Stuhl und verschränkt die Hände.
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Der FPÖ-Obmann unterscheidet scharf zwischen links und rechts; Ausländern und Inländern; Fremde und Heimat; Eliten und einfachen Leuten. Doch sogar er findet bisweilen Zwischentöne.

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Nicht wenige Vertreter der anderen Parlamentsparteien hängen der These an, FPÖ-Obmann Herbert Kickl hätte in seinem Innersten den Kanzlerposten gar nicht gewollt. Ein Bundeskanzler muss mit der Öffentlichkeit kommunizieren – will Kickl nicht. Ein Bundeskanzler hat kein Weisungsrecht gegenüber seinen Ministern, sondern führt qua Autorität – kann Kickl nicht. Ein Bundeskanzler hat keine Freizeit – Kickl will am Wochenende in die Berge.

Ob er Regierungschef sein wollte oder nicht, weiß Kickl allein. Dass er keinesfalls auf eine ÖVP-kompatible Weise Kanzler sein wollte, ist evident. Das zeichnete sich bereits nach dem Scheitern der ersten schwarz-rot-pinken Gespräche im Jänner und vor Beginn der FPÖ-ÖVP-Verhandlungen ab. In einem aggressiven Auftritt forderte er von der Volkspartei Unterwerfungsgesten. Die schwarze Führung solle sich für den Umgang mit ihm im Wahlkampf entschuldigen. Und sie müsse akzeptieren, dass es nun die FPÖ sei, die das Geschehen bestimme.

Die Blau-Schwarz-Anhänger in der ÖVP werteten Kickls Tiraden als Beschwichtigungsversuch gegenüber FPÖ-Wählern, die eine Zusammenarbeit mit der ÖVP ablehnen. Schließlich hatte Kickl in den Monaten zuvor die Volkspartei zu seinem Erzgegner erkoren. Die FPÖ-Skeptiker in den ÖVP-Reihen hielten Kickls Rant für authentisch – und sollten Recht behalten. In den Verhandlungen mit der Volkspartei war der FPÖ-Chef nicht bereit, von Maximalforderungen abzurücken. Ihm fehlte schlicht die Kompromissfähigkeit. Er selbst hält dies für Prinzipientreue. Er lasse sich durch die Aussicht auf Macht und Ämter nicht korrumpieren, sagt er. Tatsächlich betrieb Herbert Kickl Selbstbeschädigung. Sein destruktiver Charakter richtete sich in jenen Februartagen gegen ihn selbst.

Gernot Bauer

Gernot Bauer

ist seit 1998 Innenpolitik-Redakteur im profil und seit 2025 Leiter des Innenpolitik-Ressorts. Co-Autor der ersten unautorisierten Biografie von FPÖ-Obmann Herbert Kickl.