Ein Fußgänger passiert eine Plakatkampagne "Ohne Matura kommst du nicht weit" vom Lebensmittelkonzern Billa, aufgenommen am Mittwoch, 13. Oktober 2021 in Wien.

© APA/GEORG HOCHMUTH

profil-Morgenpost
10/15/2021

Kontroverse Werbekampagne: Kritik an Billa

Eine Werbekampagne des Lebensmittelkonzerns Billa steht aktuell stark in der Kritik. Warum?

von Lena Leibetseder

Dieser Tage sorgten – neben der politischen Situation – auch streitbare Plakate und Werbetafeln in Österreich für Wirbel. Auf gelbem Hintergrund stehen, dünn weiß umrahmt, Sätze wie „Ohne Matura kommst du nicht weit“ oder „Mit einer Behinderung wirst du nicht gebraucht“. Lange war unklar, wer hinter der Kampagne steckt. Dann wurde bekannt, dass es sich um Billa handelt – durch ein Outing des Lebensmittelkonzerns auf Twitter. 

Im Rahmen des Outings wird auch klar, dass die Kampagne zwei Plakatwellen umfasst. Die erste, als Teaser-Kampagne konzipierte Welle, trägt die erwähnten Sätze, während die zweite eine Auflösung transportieren soll. Die funktioniert folgendermaßen: Vor dem Schriftzug „Älteres Personal einstellen lohnt sich nicht“ steht jetzt Herwalt, ein älterer Mann, Billa-Mitarbeiter in Traun, gekleidet in ein T-Shirt, das mit dem Satz „Älteres Personal einstellen lohnt sich“ bedruckt ist. So sollen die zuvor plakatierten Vorurteile entkräftet werden.  

Mit den kontroversen Sujets habe man bewusst irritieren wollen, um Aufmerksamkeit auf die Gemengelage zu lenken, so der Lebensmittelkonzern. Nur: Die gewollte „Irritation“ scheint stärker als gedacht zu sein. Behindertenvertreter:innen üben in sozialen Medien laute Kritik. „Hier wird mit einer kalkulierten widerlichen Provokation Aufmerksamkeit erregt“, so Martin Ladstätter vom Beratungszentrum BIZEPS.

Viele forderten einen Stopp der Kampagne, da sie Betroffene retraumatisiert und diskriminiert. So auch Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne), der auf Twitter schrieb: „Es ist nicht im Sinne einer inklusiven, diversen Gesellschaft auf diese Art und Weise Aufmerksamkeit zu erregen.“

Auch wenn Billa ins Feld führt, damit ein Zeichen gegen die Arbeitslosigkeit in den repräsentierten marginalisierten Personengruppen setzen zu wollen – eine Werbekampagne, als deren Urheber man sich unter Druck regelrecht outen muss, ist wohl wahrlich keine gute. 

Was denken Sie über darüber? Schreiben Sie uns!

Lena Leibetseder

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