Der Kandidat, der den Job schließlich bekam, heißt Franz Wieser. Der Mann ist im Politbetrieb Salzburgs kein Unbekannter. Wieser war Leiter des mächtigen Landesmedienzentrums in Salzburg. Dessen Arbeit wurde vom Landes-Rechnungshof scharf kritisiert. Das Medienzentrum hatte „die Grundsätze der Zweckmäßigkeit, Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit vernachlässigt“, so ein Prüfbericht. Die Aufgabe des Medienzentrums des Landes Salzburg sei es nicht, „mit der ‚Boulevardpresse‘ um Reichweite und Schlagzeilen zu buhlen“.
Sabine Schuster hat eine Strafanzeige eingebracht. Nicht gegen Franz Wieser, sondern gegen die Hearing-Kommission, die diesem den Job gegeben hat. Die Anzeige lautet auf Verdacht auf Missbrauch der Amtsgewalt, Urkundenfälschung und Untreue. Die Staatsanwaltschaft Salzburg prüft derzeit die Causa, die Anzeige liegt profil exklusiv vor. Es gilt die Unschuldsvermutung.
„Nachträglich Punkte gestrichen“
Das Hearing wäre gesetzlich nicht notwendig gewesen. Doch man habe sich an das Prozedere „angelehnt“, nach dem im Landesdienst Posten vergeben werden, so die Argumentation der Landwirtschaftskammer in einer öffentlichen Stellungnahme. In der Anzeige erhebt Schuster gravierende Vorwürfe: Der Kandidat, der den Job statt ihr bekam, sei „aus parteipolitischen (…) Erwägungen (…) als bestgereihter Bewerber beurteilt“ worden. Frau Schuster ist überzeugt davon, dass sie aufgrund ihres „Geschlechts und ihrer Weltanschauung diskriminiert und übergangen wurde“. Doch nicht nur das. Sie erhebt einen weiteren harten Vorwurf: „Die Bewertungsprotokolle wurden manipuliert“, steht in der Anzeige. Im Hearing-Verfahren seien ihr „nachträglich Punkte gestrichen“ worden. Erst dadurch sei Wieser Erster geworden – und sie selbst Zweite.
Nikolaus Lienbachers Aussagen decken sich mit dem, was Schuster in ihrer Anzeige vorbringt. Er selbst war beim Hearing dabei. Mehr als vier Jahrzehnte lang arbeitete Lienbacher bei der Landwirtschaftskammer Salzburg, er ist Wiesers Vorgänger und machte den Job 27 Jahre lang. Lienbacher war Protokollführer und nicht stimmberechtigt. Nun ist er als Zeuge im Strafverfahren gegen die Mitglieder der Hearing-Kommission beantragt worden.
Bereits bisher hatte Lienbacher die Postenvergabe öffentlich kritisiert, nun spricht er erstmals exklusiv mit profil über den Ablauf des Hearings. „Ich habe als Protokollführer wahrgenommen, dass es zwischen der weiblichen Kandidatin und jenem Kandidaten, der nun die Stelle des Kammeramtsdirektors erhalten hat, einen Punktegleichstand gegeben hat. Daraufhin wurde über das Ergebnis der Bewertung der weiblichen Bewerberin diskutiert und der Kandidatin im Nachhinein ein Punkt gestrichen“, sagt Lienbacher. „Danach war sie Zweitgereihte.“
Bei Punktegleichstand hätte jedenfalls Schuster als Frau zum Zug kommen müssen, so jedenfalls sieht es das Bundesgleichbehandlungsgesetz vor. „Und damit man diese Situation verhindert, hat man mir kurzerhand einen Punkt weggenommen“, sagt Schuster im Gespräch mit profil. Erstmals äußert sie sich medial.
Sabine Schusters Vorwürfe wiegen schwer und betreffen auch die Beamtenspitze des Landes Salzburg: Ihre Anzeige richtet sich nicht nur gegen den Präsidenten der Landwirtschaftskammer Rupert Quehenberger und seine zwei Stellvertreter, die in der Hearing-Kommission saßen. Sie richtet sich auch gegen Franz Moser.
Edtstadlers erste Personalentscheidung
Auch Moser ist in Salzburg kein Unbekannter, von 2009 bis 2016 fungierte er als ÖVP-Klubgeschäftsführer im Landtag. Beim umstrittenen Hearing am 9. April 2025 war er als Vertreter des Landes entsandt, in seiner Funktion als ein Abteilungsleiter des Landes. Wenige Wochen später wurde er von Landeshauptfrau Karoline Edtstadler zum Landesamtsdirektor ernannt. Er ist somit der ranghöchste Beamte Salzburgs.
Mosers Bestellung war Edtstadlers erste Personalentscheidung in ihrer Funktion als Salzburgs Landeshauptfrau. In der Ausschreibung für Mosers Beamtenjob wurden „Kenntnisse und positive Einstellung zu den Themen Gleichbehandlung und Frauenförderung“ verlangt. Nun wirft ihm eine Frau Diskriminierung vor.
Schuster äußert weitere Vorwürfe: sexuelle Belästigung während des Hearings – als Schuster das „Monkey-Management-Prinzip“ erklärte, also wie Führungskräfte die Aufgaben ihrer Mitarbeiter nicht auf sich laden. In einer Stellungnahme vor der Gleichbehandlungskommission gab Schuster an, sie hatte den Eindruck, dass Moser und Kammerpräsident Quehenberger bei diesem Begriff „an Sex und geschlechtliche Handlungen dachten“. Sie hätten „mit Lachen und Grunzen reagiert“. Die beiden Männer hätten sich dabei „gegenseitig mit vorgehaltener Hand ins Ohr geflüstert“. Schuster: „Es war ein sexuelles anzügliches Verhalten mir gegenüber.“ Sie fühlte sich „als Frau abgewertet“, wie sie sagt. Es sei „zutiefst herabwürdigend“ gewesen.
Das Büro von Landesamtsdirektor Franz Moser dementiert: „Unterstellungen und anderweitige Behauptungen werden entschieden zurückgewiesen.“ Aus der Landwirtschaftskammer Salzburg heißt es, die Eingabe bei der Gleichbehandlungskommission würde „sehr ernst genommen“ und „äußerst ausführlich beantwortet werden“.
Schusters Karriere in der Kammer ist jedenfalls vorbei. Nachdem sie angekündigt hatte, sich bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft zu beschweren, wurde sie entlassen – so jedenfalls hat sie es bei der Gleichbehandlungskommission vorgebracht. Ihre Entlassung wurde bisher von zwei gerichtlichen Instanzen aus formalen Gründen als unwirksam bewertet. In der Kammer ist man jedenfalls froh über den neuen Kammeramtsdirektor Franz Wieser, im Statement gegenüber profil wird er ein „Glücksfall“ genannt. „Die Landwirtschaftskammer Salzburg kann ausschließen, dass es zu Streichungen von Punkten (…) gekommen ist.“
Und: „Diese Diskussion, die über den aktuellen Stelleninhaber geführt wird, ist zutiefst diskriminierend, weil immer wieder suggeriert wird, dass er ausgewählt wurde, weil er Mitglied einer Partei wäre.“