Wer in die Königsklasse des Postenschachers aufsteigen will, muss Verwaltungseinheiten im Ressort umbauen. Vorgezeigt hat diesen Kniff ÖVP-Innenminister Ernst Strasser ab dem Jahr 2000: Fast alle Führungspositionen im Innenministerium mussten damals wegen einer Strukturreform neu ausgeschrieben werden. Angenehmer Nebeneffekt: Die Sektionschefs, die nach Jahrzehnten der roten Führung im Innenressort eine entsprechende Nähe aufwiesen, wurden durch nicht minder ÖVP-nahe Beamte ersetzt.
6. Tausche deine Stellen
Die Wirtschaftsagentur Wien fördert – mit öffentlichen Mitteln – Betriebsansiedlungen in der Bundeshauptstadt. Voriges Jahr wechselte einer der beiden Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur, Gregor Deix, als Direktor in die Wirtschaftskammer. Sein Nachfolger ist der langjährige Gemeinderatsabgeordnete und frühere Wiener ÖVP-Chef Manfred Juraczka.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger wurde Juraczka in bester Proporzmanier auf einem „Ticket“ der Wirtschaftskammer ohne öffentliche Ausschreibung bestellt – mit Unterstützung der Wiener SPÖ. Dabei ist eine solche laut Stellenbesetzungsgesetz bei Leitungspositionen im öffentlichen Einflussbereich zwingend vorgesehen. Die Begründung: Der „zweite Geschäftsführer“ sei gar keine Leitungsfunktion. Wozu braucht es dann überhaupt einen zweiten Chefsessel mit einem Salär von kolportierten 14.000 Euro im Monat? Wie Manfred Juraczka dazu zum „Standard“ sagte: „Ich habe mich selbst nicht bestellt.“ Ein Satz, der wie eine Geheimstrophe der österreichischen Bundeshymne klingt.
7. Lobe den Besseren hinfort
Herbert Kasser kann auf eine beeindruckende Laufbahn in der österreichischen Verwaltung zurückblicken. Als Beamter des Finanzministeriums war er Eigentümervertreter in den Aufsichtsräten von mehr als einem Dutzend ausgelagerter Gesellschaften des Bundes, von der Asfinag über die ÖBB bis zu den Bundesforsten. Werner Faymann holte den Infrastrukturexperten ins Verkehrsministerium, er avancierte zum Generalsekretär und Sektionschef.
Unter der Grünen Ministerin Leonore Gewessler kam es dann zu einer bemerkenswerten Rochade. Kasser legte Ende 2023 sein Aufsichtsratsmandat in der Asfinag zurück und bewarb sich – erfolgreich – für den Posten des Finanzvorstands. Inklusive sattem Gehaltssprung. Die frei gewordene Stelle an der Spitze der wichtigen Sektion Mobilität konnte Gewessler knapp vor der Nationalratswahl 2024 mit ihrer früheren Kabinettsmitarbeiterin Cornelia Breuß besetzen.
8. Entdecke deine Dirty-Campaigning-Seite
Wer Jobs vergeben will, muss manchmal selbst dafür sorgen, dass Jobs frei werden. Einen besonders drastischen Weg dazu hat Johannes Abentung gewählt. Der Tiroler ist ehemaliger Direktor des ÖVP-Bauernbunds und seit Jahren ein politisches Gravitationsfeld im Landwirtschaftsministerium. Er leitete dort einst die Sektion für Rechtsangelegenheiten und ist seit Anfang 2024 als Generalsekretär formal der mächtigste Mann nach Minister Norbert Totschnig.
Im Sommer 2025 sorgte Abentung dafür, dass der Chefposten in der Spanischen Hofreitschule frei wird. Das Drehbuch: Gegen Geschäftsführer Alfred Hudler wurden Spesenvorwürfe lanciert und angezeigt. Obwohl externe Gutachter ihn später entlasteten und die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen einstellte, verlor Hudler seinen Job. Mit 1. April 2026 ist mit Alexandra Kaszay eine neue Geschäftsführerin bei der Hofreitschule eingezogen.
9. Mache das Interim zur Dauerlösung
Kommt Zeit, kommt Posten. Wird eine Stelle frei, bestimmt der Minister ganz allein, wer sie interimistisch führt. Und wer ist besser für einen Job geeignet als die Person, die ihn gerade macht? Wenn lange genug mit der Ausschreibung gewartet wird, hat die Kommission gar keine andere Wahl, als den Interimskandidaten zu besetzen. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) holte sich etwa im Sommer 2025 den ÖVP-Obmann von Ottakring, Stefan Trittner, der bisher für das Finanzministerium gesprochen hatte, in das Kabinett des Landwirtschaftsministeriums. Kurz darauf änderte Totschnig die Geschäftseinteilung seines Ministeriums – und machte Trittner zum Interimsleiter der neu geschaffenen Abteilung „Strategische Kommunikation“. Die formelle Ausschreibung für die Leitungsstelle endete erst im April 2026.
10. Beherrsche den Flurfunk
Echte Postenschieber-Profis lancieren zeitgleich mit der Ausschreibung Gerüchte wie dieses: Der Minister hat bereits eine Favoritin, bewerben ist also zwecklos. Das Kalkül: Die Zahl an Interessenten klein halten. Der Kollateralschaden: Frustration in der Belegschaft. „Der Flurfunk ist massiv“, sagte die Gleichbehandlungsbeauftragte des Wirtschaftsministeriums erst vor wenigen Monaten bei der Verhandlung eines Falls von weltanschaulicher Diskriminierung vor der Bundes-Gleichbehandlungskommission. Vor Besetzungen gebe es „immer“ Gerüchte.
11. Hinterlasse keine Spuren
Der beste Postenschieber fällt nie auf. Wer Vereinbarungen schriftlich festhält, endet wie Thomas Schmid – bestenfalls als Kronzeuge. Eine gut gebriefte Bestellkommission lässt sich etwa nicht anmerken, dass das Auswahlverfahren nur pro forma ist, im Gegenteil: Wichtig sei, dass alles routinemäßig ablaufe und dokumentiert werde, sagt Matzka: „Das soll bitte ordentlich aussehen, weil das unter Umständen geprüft wird und die Akten vielleicht irgendwann vorzulegen sind.“
12. Züchte dir ein Personal-Reservoir
Bewerber ohne Parteinähe wurden in der Verwaltung einst spöttisch als „Nullerln“ bezeichnet. Mit sinkender Parteiloyalität steigt die Zahl der „Nullerln“. Sie haben die unangenehme Angewohnheit, nicht steuerbar zu sein. Gewerkschaftsfraktionen wie die FCG (ÖVP) oder die FSG (SPÖ) rekrutieren bereits frühzeitig Nachwuchs, etwa in den Polizeischulen. Viele Mitglieder sind keine Überzeugungstäter, sondern können zu Überläufern werden, wenn es der Karriere zuträglich ist. Die richtige Farbwahl kann insbesondere im Innenministerium ein Karriereturbo sein. Umgekehrt werden Abweichler bestraft: Ein Beamter berichtete vor der Gleichbehandlungskommission davon, dass er vom Kabinettschef des Innenministers Geburtstagswünsche bekommen hätte. Das habe aufgehört, als er, ein früherer ÖVP-Gemeinderat, aus der Partei ausgetreten sei.