August Wöginger berät sich mit seinem Anwalt Michael Rohregger.
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Masterclass Postenschacher: Wie man erfolgreich Jobs vergibt

12 Postenschieber-Tricks, wie Ihr Kandidat garantiert das Rennen macht. Erprobt in der Praxis, recherchiert von profil und ausdrücklich nicht zum Nachmachen empfohlen.

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1. Schneidere die Ausschreibung auf den Leib

„Ich habe noch nie eine Ausschreibung gesehen, die nicht auf eine Person zugeschrieben war“, sagt eine langjährige Beamtin. Das liegt auch am laschen Gesetz, weiß Manfred Matzka, einst langjähriger Leiter der Präsidialsektion im Bundeskanzleramt: „Man kann die Ausschreibung sehr klar auf eine Person zuschreiben.“ Wenn es auch nur ein Alleinstellungsmerkmal des Wunschkandidaten in die Ausschreibung schafft, hat die Person einen enormen Startvorteil.

2. Besetze die Besetzungskommission

Mehr als eine Person passt auf die Ausschreibung? Kein Problem, eine richtig besetzte Besetzungskommission sucht schon den Richtigen aus. „Es gibt viele Möglichkeiten, die Kommission so zusammenzusetzen, wie der Minister oder die Ministerin will“, sagt Matzka. Immerhin schickt das Ministerium zwei Dienstgebervertreter in die Kommission – und die zwei Vertreter der Dienstnehmer teilen oft die politische Couleur des Ministers. 

Doch Achtung: Schon eine Person kann den Unterschied machen, zeigt der Fall des Finanzamts Freistadt. Ein ÖVP-Bürgermeister hatte sich 2016 für die Leitung des Finanzamts beworben. Dort saß allerdings eine Finanzbeamtin in der Begutachtungskommission, die den Bürgermeister deutlich schlechter bewertet hatte als alle anderen (ÖVP-nahen) Kommissionsmitglieder. Der Bürgermeister fiel im Hearing durch. Laut einer Zeugin wurde versprochen, dass es bei der nächsten Besetzung klappt. In der nächsten Kommission fehlte die kritische Beamtin. 2017 erhielt der Bürgermeister den Leitungsposten in Braunau – nach Interventionen über den damaligen ÖVP-Klubchef August Wöginger und Ex-Generalsekretär im Finanzministerium Thomas Schmid.

3. Drohe anderen Bewerbern mit Nachteilen

Ein erfahrener Personalvertreter in einem großen Ministerium beobachtet, dass Bewerbungen auf Leitungspositionen immer öfter kurz vor dem Hearing zurückgezogen werden. profil wurde der Fall eines Sektionschefs zugetragen, der im Vorfeld einer Besetzung zwei unerwünschte Bewerber zu sich zitierte, um ihnen die Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens zu verdeutlichen. Praktisch: Ohne – besserqualifizierte – Gegenkandidaten kann es rechtlich keine Schiebung geben.

4. Briefe die Personalberater

Ministerien lassen gewünschte Ergebnisse oft von teuren Gutachten absichern. So könnte darin etwa stehen, dass Person A mehr Routine mitbringt, Person B aber mehr Innovationskraft, erklärt Matzka. Dem Minister oder der Ministerin wird so ein Argument für den Wunschkandidaten auf dem scheinbar objektiven Silbertablett serviert.

5. Führe eine Organisationsreform durch

Max Miller

Max Miller

ist seit Mai 2023 Innenpolitik-Redakteur bei profil. Schaut aufs große Ganze, kritzelt gerne und mag Grafiken. War zuvor bei der „Kleinen Zeitung“.

Jakob Winter

Jakob Winter

ist Digitalchef und seit 2025 Mitglied der Chefredaktion bei profil. Gründete und leitet den Faktencheck faktiv.

Anna Thalhammer

Anna Thalhammer

ist seit März 2023 Chefredakteurin des profil und seit 2025 auch Herausgeberin des Magazins. Davor war sie Chefreporterin bei der Tageszeitung „Die Presse“.

Josef Redl

Josef Redl

ist Redakteur im Wirtschafts-Ressort.