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Österreich
04/04/2020

Mail-Aufruf zeigt Ärztemangel in burgenländischem Notspital

Wenn Krankenhäuser an ihre Grenzen stoßen, sollen Corona-Patienten in Notspitälern betreut werden. Doch dafür ist derzeit „kein Personal mehr vorhanden“, wie ein aktueller Hilfsaufruf zeigt.

von Jakob Winter

Die behelfsmäßigen Feldbetten in Messehallen und Sportzentren mögen für schöne PR-Bilder taugen – doch sie sind nutzlos, wenn es keine Ärzte und Pfleger gibt, die dort Patienten betreuen. Das medizinische Personal wird zu einem Nadelöhr der Coronakrise – in einigen Bundesländern mangelt es bereits an Fachkräften.

Offiziell sollte das Notspital in der Allsporthalle Eisenstadt ab Montag dem 6. April voll funktionsfähig sein. So verkündete es die zuständige Landesrätin vor nunmehr eineinhalb Wochen. 132 Betten stehen zur Entlastung der Landeskliniken bereit. Doch noch vergangenen Donnerstag – also vier Tage vor der geplanten Eröffnung – wurde fieberhaft nach Personal gesucht: In einem „Rundschreiben“, das profil vorliegt, werden „Ärzte jeder Fachrichtung“ dazu aufgerufen, sich für den Dienst im Eisenstädter Notspital zu melden. Wörtlich heißt es in dem Mail, dass „wir bei Erreichen der Maximalkapazität in den Krankenanstalten bereits personell am Limit agieren und kein Personal für diese zusätzliche Behandlungseinheit mehr vorhanden ist“.

Auch Kassenärzte zu Wechsel motiviert

Die Suche beschränkt sich nicht auf pensionierte Ärzte. Explizit werden auch Kassenärzte mit Ordination zum Wechsel ins Notspital motiviert. An sich haben Ärzte mit Kassenvertrag in ihren Praxen eine Versorgungspflicht, für sie gilt deshalb eine Nebenbeschäftigungsbegrenzung von maximal zehn Wochenstunden. Doch in der derzeitigen Ausnahmesituation fällt auch diese Norm, wie dem Schreiben zu entnehmen ist: Die Begrenzung könne „in der Zeit der Pandemie auf Antrag einvernehmlich zwischen Ärztekammer und Krankenkasse aufgehoben werden“. Nachsatz: „Hier wird sicherlich großzügig agiert.“ Grundvoraussetzung für die zwischenzeitliche Schließung einer Kassenordination ist laut Ärztekammer, dass es „zu keinem Versorgungsproblem der Bevölkerung mit Kassenärzten kommt“.

Verpflichtend ist die Jobrotation für Kassenärzte allerdings nicht, schließlich können sie als Freiberufler von niemandem eingeteilt werden. Neben ethischen Motiven könnten finanzielle Argumente für den kurzfristigen Umstieg sprechen.

Der Aufruf aus dem Burgenland ist in dieser Hinsicht allerdings mäßig motivierend. Zur Bezahlung heißt es zunächst: „Wenn jemand diese Tätigkeit als Dienst an der Bevölkerung sieht, dann begrüßen wir das sehr und sagen ein ‚Vergelt´s Gott‘.“ Wer für die Zwölf-Stundenschichten eine Bezahlung erwartet, wird nach „bestehendem Gehaltsschema“ (der burgenländischen Spitalsärzte) eingestuft.

Wie viele Ärzte genau fehlen, geht aus dem Schrieb nicht hervor. Die Betreiber des Eisenstädter Notspitals waren für profil vorerst nicht erreichbar.

Nicht nur der burgenländische Krisenstab versucht, die medizinischen Humanressourcen dorthin zu verlagern, wo sie derzeit am dringendsten gebraucht werden: In die Spitäler. Lesen Sie die ganze Geschichte über die Suche nach Ärzten und Pflegern in der aktuellen profil-Ausgabe.