profil-Morgenpost: Haben Sie bitte Geduld!

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Die Zeit des Wahlkampfs war hart. Die Zeit der Koalitionsverhandlungen wird wohl noch härter.

Guten Morgen!

Unmittelbar nach einer Nationalratswahl kommt traditionell die Zeit, in der die Kolleginnen und Kollegen aus dem Innenpolitik-Ressort am wenigsten zu beneiden sind. Das soll nicht heißen, dass sie unmittelbar vor einer Nationalratswahl besonders zu beneiden wären – aber da werden ihnen die langen Tage und die kurzen Nächte zumindest dadurch vergolten, dass alles recht spannend ist und die Parteien ihre Interessen und emotionalen Zustände mit maximaler Eindeutigkeit offenbaren.

Maximale Uneindeutigkeit

Was darauf folgt, ist eine Phase maximaler Uneindeutigkeit bei gleichzeitig komplett fehlender Spannung, die in Fachkreisen „Koalitionsverhandlungen“ genannt wird und lange dauern kann. Sehr lange sogar.

Die Austria Presse Agentur hat errechnet, dass es in der bisherigen Geschichte der Zweiten Republik durchschnittlich 68,4 Tage dauerte, bis zwei Parteien soweit handelseins geworden waren, dass sie eine Regierung bilden konnten. Am längsten, nämlich 129 Tage, sondierten im Jahr 1962 SPÖ und ÖVP miteinander – knapp gefolgt von ÖVP und FPÖ die von Ende 1999 bis Anfang 2000 insgesamt 124 Tage brauchten, bis Schwarz-Blau I stand.

Anoraks, Schals und Pudelhauben

Einen Vorgeschmack darauf, wie es in den kommenden Wochen weitergehen wird, lieferten die gestrigen Schlagzeilen. „Van der Bellen empfängt erste Parteichefs“ und „Kogler will mit ÖVP sondieren“ lauteten die beiden aufwühlendsten, wobei Kogler gleich einmal kalmierend hinzufügte: „Die Koalition ist weit weg.“

Die IPO (wie das Innenpolitik-Ressort von profil intern liebevoll genannt wird) kann angesichts der aktuellen Ausgangslage also schon damit beginnen, Anoraks, Schals und Pudelhauben auszuwintern: Vor den Pforten der Parteizentralen ist es im November oder Dezember trotz Klimawandel oft ganz schön kalt.

Zweifärbiger Rauch

Erfahrungsgemäß lassen es sich die Kolleginnen und Kollegen aber trotzdem nicht verdrießen und setzen alles daran, Sie immer auf dem Laufenden zu halten, wie es gerade um die Regierungsbildung steht und wie es weitergeht. Und zwar schon in der kommenden Ausgabe. Und nötigenfalls auch 130 Tage und länger.

Wer sich die Zeit, bis zweifärbiger Rauch aufsteigt, mit gescheiter Lektüre verkürzen möchte, kann das mit dem profil-Sonderheft zur Wahl tun, das es auch als E-Paper gibt. Dort finden sich Texte, wie Eva Linsingers Analyse zum Wahlkampf von Sebastian Kurz, die auch nach geschlagener Wahl und vor der Regierungsbildung eindeutig spannend sind.

Abgesehen davon wünschen wir Ihnen für heute einen schönen Tag und für die nächsten Monate viel Geduld!

Martin Staudinger