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Österreich
04/15/2020

profil-Morgenpost: Wir Laborratten

Guten Morgen!

von Jakob Winter

Ob Sie es wollen oder nicht – Sie nehmen derzeit unfreiwillig an gleich mehreren Forschungsprojekten teil. Die Fragestellungen sind vielfältig: Welche Auswirkungen hat das sozial distanzierte Leben auf Beziehungen und auf die Psyche? Welche Maßnahmen helfen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen? Wie kann das wirtschaftliche und schulische Leben wieder hochgefahren werden, ohne eine zweite Infektionswelle auszulösen?

Wir alle leben derzeit im Labor, die Experimente laufen global freilich unterschiedlich ab. Denn die politischen Entscheidungsträger kämpfen mit dem Problem, dass sie in der Coronakrise kaum auf Studien oder Best-Practice-Beispiele zurückgreifen können. Selbst die Empfehlungen von vertrauenswürdigen Quellen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) können sich derzeit häufig ändern. Viele Maßnahmen folgen daher dem Prinzip: Hilft’s nichts, schadet’s nichts. Analysiert wird später.

Was wir bisher wissen: Irgendetwas muss die österreichische Bundesregierung richtig gemacht haben. Durch den weitreichenden Shutdown des öffentlichen Lebens konnte die Zahl der Neuinfektionen deutlich reduziert werden, eine Überlastung des Gesundheitssystems scheint derzeit unrealistisch. Die Intensivbetten sind – Stand Dienstagabend – nur zu 20 Prozent ausgelastet. (Auf den Intensivstationen geht es dennoch hektisch zu, wie Sie im „Protokoll einer Ärztin im Kampf gegen Corona“ nachlesen können – aufgeschrieben von Edith Meinhart)

Fraglich bleibt allerdings, ob wirklich alle Restriktionen unbedingt notwendig waren. In Deutschland waren Baumärkte beispielsweise nie geschlossen, einzelne Bundesländer denken dort bereits Schulöffnungen an – und Deutschland ist im Kampf gegen Corona nicht minder erfolgreich. Doch wer es wagt, die Maßnahmen der österreichischen Regierung auch nur zu hinterfragen, dem wird mit ein Killerargument entgegengeschmettert, wie Michael Nikbakhsh im aktuellen profil kommentiert.

Ein Experiment mit unbekanntem Ausgang ist übrigens auch der sozial distanziere Redaktionsalltag bei profil. Erst am Osterwochenende stellte ich in einem Telefonat mit einer Kollegin aus einem anderen Ressort fest, dass wir derzeit kaum mitbekommen, woran der jeweils andere so recherchiert. So wird die profil-Lektüre auch für uns Insider zur Überraschungstüte.

Positiv überrascht wurde ich im aktuellen Heft unter anderem von der irrwitzigen Geschichte über das steirische Einkaufszentrum Seiersberg – Coronabedingt versucht die Landesregierung nun sogar mittels Videokonferenzen, alle notwendigen Beschlüsse durchzuboxen, um die Shoppingcity vor einem Urteil des Verfassungsgerichtshofes zu schützen, wie Christina Hiptmayr beschreibt.

Ich wünsche Ihnen einen gesunden Tag im Labor!

Jakob Winter

P.S. Gibt es etwas, das wir an der „Morgenpost“ verbessern können? Das Sie sich von einem Newsletter auf jeden Fall erwarten? Das Sie ärgert? Erfreut? Wenn ja, lassen Sie es uns unter der Adresse [email protected] wissen.

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