Eine Frau, es ist Neos-Chefin Meinl-Reisinger, spricht am Rednerpult von NEOS vor einem pinkfarbenen Hintergrund mit der Aufschrift "DIE REFORMKRAFT".
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Eine blasspinke Frauenschrift: Halten die Neos, was sie versprochen haben?

Vor neun Monaten starteten die Neos mit selbst auferlegtem Erwartungsdruck ins Regierungsabenteuer. Doch der pinke Reformmotor läuft untertourig.

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Am schärfsten sind die Neos dort, wo sie nichts zu verlieren haben. Am Beispiel der Wirtschaftskammer-Reform: Die Pinken inszenieren sich als kämpferische Gegner der „Zwangsmitgliedschaft“ – womit sie die Unternehmer im Land aber wenig begeistern. Bei den letzten Wahlen zum Wirtschaftskammerparlament im Frühjahr kamen die Neos trotz Zugewinnen auf gerade einmal 5,3 Prozent. Da fällt es leicht, den Abgang von Kammerpräsident Harald Mahrer, ÖVP, Mitte November deftig zu kommentieren. In der Kammer seien „fette Bonzen und Gagenkaiser“ an der Macht, so Neos-Klubobmann Yannick Shetty. Die „unverschämten Funktionärsbezüge“ müssten gesenkt, die zehn Wirtschaftskammern im Bund und in den Ländern auf drei Regionalkammern reduziert werden.

Die Debatte um die Wirtschaftskammer zeigt der Neos Glück und Grenze. Die „fetten Bonzen“ und die „Zwangsmitgliedschaft“ eignen sich herrlich zur Schärfung des liberalen Markenkerns im Politmarketing. Tatsächlich werden die Neos an Pflichtmitgliedschaft und verfassungsrechtlicher Verankerung der Kammern nichts ändern können. Da sind ÖVP und SPÖ vor. Daher werden sich als Folge der Affäre maximal ein paar Änderungen im Wirtschaftskammergesetz – und vielleicht auch im Arbeiterkammergesetz – ausgehen. In Ermangelung großer Erfolge muss man die kleinen feiern.

Gernot Bauer

Gernot Bauer

ist seit 1998 Innenpolitik-Redakteur im profil und seit 2025 Leiter des Innenpolitik-Ressorts. Co-Autor der ersten unautorisierten Biografie von FPÖ-Obmann Herbert Kickl.