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Titelgeschichte
09/25/2021

Nuklear-Dilemma: Braucht die Welt Atomkraft zur Rettung des Klimas?

Nach der Katastrophe von Fukushima schien die Kernkraft Geschichte. Und jetzt? Braucht die Welt doch Atomstrom, um das Klima zu retten? [E-Paper]

von Franziska Dzugan, Christina Hiptmayr, Robert Treichler

Gasmaske, Gummistiefel, Ganzkörperanzug: Wenn das Personal von Atomkraftwerken aus aller Welt nach Zwentendorf kommt, dann probt es immer auch für den Ernstfall. Nirgendwo auf der Welt finden Nukleartechniker derart perfekte Gegebenheiten vor. Sie können Erfahrungen in einem voll ausgestatteten AKW sammeln, dessen Inbetriebnahme 1978 durch eine Volksabstimmung im letzten Moment verhindert worden ist. Hier können sie in Zonen vordringen, die in ihren Meilern Zuhause aufgrund der tödlichen Strahlung tabu sind. Lange Jahre pilgerten Nuklear-Techniker zu Sicherheitsschulungen nach Niederösterreich, und heute reisen immer noch welche an – freilich mit einer etwas anders gelagerten Absicht: Sie üben das Abwracken. Vor allem deutsche Ingenieure kommen nach Zwentendorf, um zu lernen, wie man Turbinen durch Sandstrahlen von radioaktiver Strahlung befreit und sie mit Hilfe von Kränen zerlegt. Sie begutachten Schweißnähte und Verbindungsrohre nahe der Brennstäbe, um zu erfahren, wie sie sich beim Abbau vorarbeiten müssen.
Zwentendorf kann als Sinnbild einer immer schon umstrittenen Technologie dienen: Nie in Betrieb gegangen, jetzt ein Modell für die Stilllegung.

Eigentlich dachte man, der 11. März 2011 sei der Anfang vom Ende der Kernenergieerzeugung gewesen. An diesem Tag, um 14.46 Uhr Ortszeit, ereignet sich vor der Küste Japans, knapp 100 Kilometer vom Atomkraftwerk Fukushima entfernt, ein Seebeben der Stärke neun. Zu diesem Zeitpunkt sind drei Reaktorblöcke in Betrieb. Die Schnellabschaltung wird ausgelöst, die Notkühlung läuft an. Etwa eine dreiviertel Stunde später jedoch rollt ein von dem Seebeben ausgelöster Tsunami auf die Küste zu. Bis zu 15 Meter hohe Wellen brechen über die Reaktorblöcke herein, die Notstromversorgung bricht zusammen, und damit auch die Kühlung.

Die Kernschmelzen in den drei Reaktorblöcken können nicht verhindert werden. Der Unfall wird von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mit der Stufe sieben klassifiziert – der höchsten. Fast eine halbe Million Menschen muss aus der Region in Sicherheit gebracht werden – wegen des Bebens, des Tsunamis und der Strahlengefahr.

Die ganze Welt blickt verstört nach Japan, am allermeisten die Staaten, in denen Atomkraftwerke in Betrieb oder zu diesem Zeitpunkt in Planung sind. Am schnellsten reagiert Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel. Sie verkündet drei Tage nach dem Unglück den Ausstieg aus der Atomenergieerzeugung.

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