Ein Mann mit grauem Haar, Peter Westenthaler, sitzt im Anzug vor einem Fenster mit Bäumen im Hintergrund.
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Wie Peter Westenthaler in Herbert Kickls Auftrag den ORF zerstört

Als junge Männer teilten sich Peter Westenthaler und Herbert Kickl einen Schreibtisch in der FPÖ-Zentrale. Später wurden sie zu erbitterten Gegnern. Heute soll Westenthaler dazu beitragen, Kickl den Weg ins Kanzleramt zu bereiten.

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Mitte der 1990er-Jahre teilen sich zwei junge Männer einen Schreibtisch in der damaligen FPÖ-Bundesparteizentrale in der Kärntner Straße in der Wiener Innenstadt. Der eine, Jahrgang 1967, stammt aus Wien Favoriten, der andere, Jahrgang 1968, aus dem Kärntner Radenthein. Sie seien selten gemeinsam auf ein Feierabend-Bier gegangen, und wenn doch, sei meist „der Jörg“ dabei gewesen, sagt Peter Westenthaler heute. Jörg Haider, Jahrgang 1950, ist damals Bundesparteiobmann der FPÖ und das Idol Westenthalers und seines Tischnachbarn in der blauen Parteizentrale, Herbert Kickl. „Das war ein Sieben-Tage-Job. Wir sind um sieben Uhr früh schon im Büro gesessen und nicht vor acht Uhr wieder raus“, so Westenthaler.

Jörg Haider strebt damals eine Dritte Republik an, Kickl träumt von ihr heute. Mit Westenthaler steht beiden ein Mann zur Seite, der Politik als Faustkampf versteht. Rechtspopulisten wie Haider und Kickl verachten den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als das Systemmedium schlechthin und versuchen systematisch, ihn zu schwächen. Im Februar 2024 entsandte Herbert Kickl Peter Westenthaler als Vertreter der FPÖ in den ORF-Stiftungsrat, das Aufsichtsgremium des Rundfunks. Dort lässt dieser mit Schliff und Schärfe nichts unversucht, den ORF runterzumachen. Wird Kickl eines Tages doch „Volkskanzler“, könnte „Westi“ als sein Medienminister dienen.

Davon will Peter Westenthaler nichts wissen. Die Politik sei für ihn Geschichte. Nicht einmal Mitglied der FPÖ ist er. Vergangenen Montag sitzt Westenthaler in der Kurkonditorei Oberlaa am Stadtrand von Wien im 10. Bezirk, wo Favoriten ins Umland ausfranst und Reihenhäuser die Straßen säumen. Hier lebt und arbeitet Westenthaler, in die Kurkonditorei bittet er seit jeher Gesprächspartner. Westenthaler trägt immer noch seine bevorzugte Garnitur: weißes Hemd mit dunklen Knöpfen, blauer Blazer, Jeans; keine übertriebene Solariumbräune wie früher, das angegraute Haar gewellt. Der 58-Jährige ist fit, nur die Knie schmerzen. Aufs Joggen verzichtet er dennoch nicht.

Gernot Bauer

Gernot Bauer

ist seit 1998 Innenpolitik-Redakteur im profil und seit 2025 Leiter des Innenpolitik-Ressorts. Co-Autor der ersten unautorisierten Biografie von FPÖ-Obmann Herbert Kickl.