FPÖ-Klub: Rechtsextreme Mitarbeiter, tote Templer und Schweinefleisch-Ultras
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Herbert Kickl will die Republik umbauen. Das lässt der FPÖ-Chef mittlerweile selbst in Liedern besingen: „Vereint, neutral für Rot-Weiß-Rot, für die dritte Republik“, trällert die John Otti Band und schaffte es damit sogar in die Ö3-Austria-Top-40-Charts. Die ersten Schritte zum Umbau des demokratischen Systems sind den Freiheitlichen bereits gelungen: Die FPÖ stellt den Nationalratspräsidenten, führt wichtige Ausschüsse und kann im Alleingang parlamentarische Untersuchungen einsetzen. Mehr als jeder Vierte der 183 Nationalratsabgeordneten ist blau.
Doch die 57 blauen Sitze in der ersten Kammer der österreichischen Gesetzgebung müssen erst einmal gefüllt werden. Die FPÖ musste daher auch Personal nicht gerade höchster Güte ins Parlament schicken: Corona-Schwurbler stören den Gesundheitsausschuss, ruppige Rechte drohen anderen Abgeordneten Schläge an, und völkische Ideologen führen den Kulturausschuss. Eine FPÖ-Abgeordnete begibt sich auf die Spuren der Bundeslade und spricht in Visionen mit toten Tempelrittern. Eine ehemalige ORF-Moderatorin spielt die Klimakrise herunter, weil Luft nur zu 0,04 Prozent aus CO2 besteht. Und ein Energetiker gibt der Regierung Schuld an „Massenvergewaltigungen“.
„Zehn Jahre Messerstechereien, zehn Jahre Mord, zehn Jahre Vergewaltigung. Ihr seid schuld an Massenvergewaltigungen!“
FPÖ-Nationalratsabgeordneter Christoph Steiner
beschuldigte im Mai 2025 alle anderen Parteien im Hohen Haus
Das ist mehr als Narrenfreiheit auf Kosten der Republik. Abgeordnete anderer Fraktionen fühlen sich bereits an das Ende der Weimarer Republik erinnert: Blaue Abgeordnete würden den Parlamentarismus gezielt ins Lächerliche ziehen und das Hohe Haus lediglich als Bühne für ihre Propaganda missbrauchen.
Vor allem aber bereiten sie den Boden für ihren Parteichef auf. Freiheitliche Hinterbänkler verbreiten vom Rednerpult aus Verschwörungstheorien, spielen rechtsextreme Straftaten herunter und mobilisieren gegen Minderheiten. Sie schaffen mit parlamentarischen Anfragen ausländerfeindlichen Content für das blaue Medienuniversum, beschäftigen Rechtsextremisten als Mitarbeiter, verstecken sich hinter ihrer parlamentarischen Immunität und vermischen Destruktivität mit Obskurität.
Wer sind die Agitatoren im Kickl-Klub? Welche blauen Abgeordneten fürchten um ihre eigene Meinungsfreiheit, wollen aber unangenehme Bücher verbieten? Und wie sabotieren die hinteren Reihen der FPÖ die Grundpfeiler der österreichischen Demokratie?
profil beleuchtet acht Freiheitliche, die Kickls „Volkskanzlerschaft“ und dessen Dritte Republik im Nationalrat stützen sollen.
Inhalt Inhaltsverzeichnis
- Ricarda Berger: Für Babys mit drei Beinen
- Christoph Steiner: Energetischer Rüpel
- Elisabeth Heiß: Auf den Spuren der Templer
- Wendelin Mölzer: Der treue Sohn
- Katayun Pracher-Hilander: Chefrednerin im „Gaudimax“
- Sebastian Schwaighofer: Jugend gegen Links
- Markus Leinfellner: Zur Angelobung ausgeliefert
- Marie Christine Giuliani-Sterrer: Die Corona-Senderin
Ricarda Berger: Für Babys mit drei Beinen
30. Sitzung des Nationalrates in der 28. Gesetzgebungsperiode
© Parlamentsdirektion/Johannes Zinner
30. Sitzung des Nationalrates in der 28. Gesetzgebungsperiode
• Mitglied der FPÖ-Bundesparteileitung seit 2015
• mit KI gegen Abtreibungen
• Schweinefleisch-Schützerin
Sichere Schwangerschaftsabbrüche für jede Frau in Europa – so lautet das Ziel der Europäischen Bürgerinitiative „My Voice, my choice“. Mehr als 1,1 Millionen Unterschriften hat die Initiative innerhalb der EU gesammelt. Auf Unterstützung der FPÖ dürfen die Organisatorinnen und Organisatoren nicht hoffen. „EU-Steuergeld für Abtreibungsreisen? Nicht mit uns“, schreibt Ricarda Berger auf Facebook. Die Wienerin ist seit 2015 Mitglied der FPÖ-Bundesparteileitung, ihre Facebook-Seite beschreibt die freiheitliche Familiensprecherin als „Abgeordnete zum Nationalrat“, „Mama“, „verheiratet“ und „Politikerin“.
Berger setzt sich gegen Abtreibungen und „für eine Kultur des Lebens“ ein. Die Europäische Bürgerinitiative „My Voice, my choice“ lehnt die Wienerin daher ab – und unterstreicht ihre Position auf Facebook mit einem Bild eines Fötus und der Bildunterschrift: „Lebensschutz statt EU-Abtreibungspolitik“. Der Fötus auf dem Bild ist Fiktion: Er wurde offensichtlich von einer KI erstellt, mit drei Beinen und Haut so glatt wie Plastik.
Facebook-Screenshot von Ricarda Berger
© Screenshot Facebook
Facebook-Screenshot von Ricarda Berger
In einem Parlamentsklub voller Mitglieder, die Angst vor einer angeblichen „Meinungsdiktatur“ haben, sticht Berger mit scharfer Verbotsrhetorik hervor. Als eine amerikanische Pro-Abtreibungs-NGO Ende 2025 ein Kinderbuch veröffentlicht, das Abtreibung als „die Verwirklichung einer einzigartigen menschlichen Superkraft“ darstellt, ist für Berger klar: Es sei „besorgniserregend“, wenn „so ein sensibles und tragisches Thema“ in Kinderzimmer getragen „und dann auch noch als etwas Positives“ dargestellt würde. Das Buch erhielt nahezu ausschließlich von amerikanischen Rechtskonservativen Aufmerksamkeit und ist nicht einmal auf Amazon erhältlich. Berger hält dennoch fest: Derartige Bücher dürften „in Österreich niemals Fuß fassen“.
Ihr parlamentarisches Fragerecht nutzt die Abgeordnete vor allem für die Kontrolle von Speiseplänen. Fast die Hälfte ihrer bisher 39 parlamentarischen Anfragen beziehen sich auf den vermeintlichen Schwund von Schweinefleisch in den Kantinen von Schulen und Kindergärten.
Unter dem Titel „Islamisierung bestimmt den Speiseplan?“ zitiert Berger in einer Anfrage an das Bildungsministerium einen Bericht des rechtsextremen Mediums „unzensuriert“, wonach in Schulkantinen offenbar weniger Schweinefleisch angeboten werde. Antwort des Bildungsministers: Die Schulbuffets würden unter die Schulautonomie fallen, Beschwerden zu Menü- oder Speiseplänen seien dem Ministerium keine bekannt. Auch 14 Folgeanfragen an alle Ministerien waren wenig ergiebig: Unter dem Titel „Österreichische Esskultur unter Druck?“ fragt die freiheitliche Familiensprecherin, ob Betriebskindergärten der Ministerien Schweinefleisch anbieten und ob es dort Vorschriften gebe, „auf islamische Speisevorschriften (etwa Verzicht auf Schweinefleisch, Halal-Prinzipien) Rücksicht zu nehmen“. Nur vier Ministerien bieten eine Kinderbetreuung an. Und Berger kann beruhigt sein: Vorschriften zu reduziertem Schweinefleisch-Konsum gibt es dort nicht.
Christoph Steiner: Energetischer Rüpel
NATIONALRAT: STEINER (FPÖ)
© APA/HELMUT FOHRINGER
NATIONALRAT: STEINER (FPÖ)
• Tiroler Vorzugsstimmen-Kaiser
• gibt Regierung Schuld an Massenvergewaltigungen
• soll anderem Abgeordneten Prügel angedroht haben
Christoph Steiner macht Herbert Kickl Konkurrenz – zumindest bei verbalen Entgleisungen im Parlament. In seinen sechs Jahren als Bundesrat kassierte der Tiroler 43 Ordnungsrufe, 14 davon an einem Tag. Seit Herbst 2024 poltert Steiner im Nationalrat. In seinem ersten Jahr holte der Freiheitliche sich dort drei Ermahnungen ab – eine davon machte Schlagzeilen: „Zehn Jahre Messerstechereien, zehn Jahre Mord, zehn Jahre Vergewaltigung“, beklagte Steiner im Mai 2025 und warf dann allen anderen Parteien im Hohen Haus vor: „Ihr seid schuld an Massenvergewaltigungen!“
In seinem Brotberuf als Energetiker will Steiner mittels Farben, Edelsteinen oder Lichtquellen die „energetische Ausgewogenheit“ seiner Klientinnen und Klienten erreichen oder als Masseur Verspannungen lösen. In der Politik setzt Steiner auf Provokation – und das mit Erfolg: Auf Instagram, YouTube, Facebook und vor allem TikTok wird Steiners Brachialrhetorik Hunderttausende Male geklickt. Bei der Nationalratswahl erlangte der Tiroler aus Zell am Ziller knapp 30.000 Vorzugsstimmen, 12.000 davon im Wahlkreis Innsbruck Land. Steiner erhielt ein Direktmandat, war der erfolgreichste Tiroler, sogar auf Bundesebene erhielten nur die fünf Parteichefs und Alma Zadić (Grüne) mehr Vorzugsstimmen. Ein Erfolg, den Steiner offenbar auch parteiintern breittritt. In der Tiroler FPÖ hat so mancher bereits Sorge, der Polterer könnte von Wien aus irgendwann am Sessel von Landesparteichef Markus Abwerzger sägen.
Im Parlament arbeitet Steiner derweil weiter an seinen Klicks – und der eigenen Karriere. Als blauer Fraktionschef des „kleinen U-Ausschusses“ durchsucht der Tiroler die Förderungen des Bundes nach allem, was aus seiner Sicht links oder ausländerfreundlich ist. Die Ergebnisse präsentiert er dann in kurzen Social-Media-Videos. Wobei er dabei vage bleibt: Bei einer Pressekonferenz zum kleinen U-Ausschuss sagte Steiner, er dürfe keine konkreten Beispiele für möglichen Fördermissbrauch nennen. Dennoch geht er nun auf Tour durch Österreich, um Ergebnisse aus dem Ausschuss zu präsentieren. Was er dort dann erzählen will, wenn er keine konkreten Beispiele nennen darf, verriet der FPÖ-Klub auf Anfrage nicht.
„Steiners destruktive Rhetorik hat System. So höhlt man parlamentarische Institutionen aus. Das erinnert mich an die Weimarer Republik.“
Dominik Oberhofer
Neos-Abgeordneter
Daneben ist Steiner, der Koch gelernt hat, seit 2011 Massagen und alternative Heilmethoden anbietet und an einer Kaffee- und Wein-Lieferfirma beteiligt ist, Obmann des Tourismusausschusses im Nationalrat. „Steiners Stellvertreter im Tourismusausschuss zu sein, ist die größte Zumutung, die ich in meinem politischen Leben je hatte“, sagt Neos-Mandatar Dominik Oberhofer. Die beiden Tiroler sind weit mehr als politische Rivalen: „Steiner ist schon im Bundesrat als zutiefst beleidigend, bösartig und menschenverachtend aufgefallen“, sagt Oberhofer: „Seine destruktive Rhetorik hat System. So höhlt man parlamentarische Institutionen aus. Das erinnert mich an die Weimarer Republik.“
Im Kulturausschuss, in dem beide Abgeordneten Mitglieder sind, kam es Ende Juni 2025 zum endgültigen Bruch. Kurz vor Beginn des Ausschusses filmte Oberhofer den Freiheitlichen und fragte ihn, ob er drei Vertreter der Wiener Klassik aufzählen könne. Steiner sei daraufhin laut geworden – und habe dem Neos-Mandatar Gewalt angedroht, erzählen neben Oberhofer auch andere Abgeordnete.
Der FPÖ-Klub hält auf Anfrage fest: Dass sich Oberhofer „in distanzloser und ungehobelter Manier aufdrängt“ und die Situation „zusätzlich durch das Anfertigen von Filmaufnahmen eskaliert“ habe, sei ein „historisch beispielloser Vorfall“ gewesen. Daher habe die FPÖ Oberhofers Verhalten damals in der Präsidialkonferenz zwischen den Fraktionen angesprochen, Steiners Verhalten sei dort nicht Thema gewesen.
In der FPÖ hat Steiner der Zwischenfall nicht geschadet, im Gegenteil: Der 37-Jährige gilt aufgrund seiner Wahlergebnisse und Online-Reichweite als Zukunftshoffnung. Setzt die FPÖ tatsächlich einen Corona-U-Ausschuss ein, könnte der Energetiker dort eine noch größere Bühne bespielen.
Elisabeth Heiß: Auf den Spuren der Templer
Elisabeth Heiß, FPÖ, bei der 25. Sitzung des Nationalrates in der 28. Gesetzgebungsperiode - Sondersitzung: ÖVP-Machtmissbrauch: Partei oder Staat, was steht bei Ihnen an erster Stelle, Herr Bundeskanzler?
© Parlamentsdirektion/Thomas Topf
Elisabeth Heiß, FPÖ, bei der 25. Sitzung des Nationalrates in der 28. Gesetzgebungsperiode - Sondersitzung: ÖVP-Machtmissbrauch: Partei oder Staat, was steht bei Ihnen an erster Stelle, Herr Bundeskanzler?
• hat Visionen von Tempelritter Henri
• erkannte, „dass die Menschheit betrogen wird“
• steiler Aufstieg seit Corona
Elisabeth Heiß hat Visionen. Zumindest behauptet die freiheitliche Abgeordnete und Polizistin das: „Manchmal, wenn ich die Augen zumache und mir vorstelle, wie das früher ausgesehen habe, bekomme ich rein, wie das früher ausgesehen hat“, beschreibt die Salzburgerin ihre „spontanen Eingebungen“ an verschiedenen Orten. Sie würde dann anwesende Personen, etwa Touristenführer in alten Kirchen, fragen – und die würden ihren Visionen häufig recht geben.
Manchmal erscheinen Heiß aber auch Personen, etwa längst verstorbene Tempelritter. Seit dem Jahr 2004 geht Heiß gemeinsam mit ihrem Mann auch in der realen Welt „dem geheimen Wissen der Tempelritter auf den Grund“. Im Juni 2020 fragte sich Heiß etwa, „ob es eine Art Dimensionstor im Inneren der Bergketten der Pyrenäen“ gäbe. Bei ihren Urlauben durch Spanien, Frankreich, Italien und Österreich dürfte das Paar laut dem Autorinnenprofil der Hobbyschriftstellerin in Verschwörungserzählungen gekippt sein. Die beiden Polizisten „erkannten, dass die Menschheit betrogen wird, und dass der Schein, welchen die Medizin, Pharmaindustrie, Ernährungsindustrie, Politik, Religion, die Geschichte, die Medien und viele mehr aufgebaut hatten, mit der Zeit bröckelte, wenn man dem Leben bewusster entgegentritt, und sie alle nun das wahre Gesicht zeigten“.
Ihre Erkenntnisse teilte die Nationalratsabgeordnete der Welt in zwei Romanen mit: „Die Pyramide des Templers“ und die Fortsetzung „Die geheime Blutreliquie“ sind laut Heiß „Reiseberichte in Romanform“ – wobei sie stets in zwei Zeitebenen arbeitet: Einerseits begleitet man Heiß und ihren Mann in der Gegenwart, wie sie etwa einen Mann treffen, der DNA für einen Schlüssel zur Reinkarnation hält. Auf der Vergangenheitsebene ihrer Erzählung ist der französische Tempelritter Henri Hauptcharakter. Henri habe sie „visioniert“, erzählte Heiß 2016 in einem Interview zu ihrem ersten Roman. Ihre Bücher seien auch nur deshalb Fiktion, weil sie keine historischen Spuren von Henri finden konnte. In anderen Visionen will sie aber auch historisch belegbare Templer getroffen haben.
Ihre Bücher könne man etwa im Kopp Verlag erwerben, schreibt die Nationalratsabgeordnete auf ihrer Website. Der deutsche Verlag sorgt immer wieder für Aufregung, da er auch rechtsesoterische, verschwörungstheoretische und rechtsextreme Titel anbietet.
Für die FPÖ stellt all das keine Probleme dar, im Gegenteil: Elisabeth Heiß hat eine ungewöhnlich steile politische Karriere hinter sich. Aufgrund ihrer Ablehnung der Corona-Maßnahmen wurde die Polizistin Mitglied der FPÖ. Demokratie, Freiheit, das sei damals „alles mit Füßen getreten worden“, erklärte sie dem freiheitlichen Klubradio. Die Salzburgerin hatte Glück: Just vor ihrem Parteieintritt war die freiheitliche Ortsgruppe in Wals-Siezenheim, dem „größten Dorf Österreichs“, aus der FPÖ ausgetreten. Heiß wurde daher nahezu auf Anhieb Ortsobfrau. Für einen Sitz im Salzburger Landtag reichte es bei der Wahl 2023 nicht, dafür zog die Polizistin gleich beim ersten Versuch in den Nationalrat ein. Dort soll sie nun im von der FPÖ eingesetzten U-Ausschuss mögliche politische Einflussnahmen auf die Ermittlungen nach dem Tod des einst mächtigen Justizchefs Christian Pilnacek aufdecken.
Womöglich kann Tempelritter Henri dabei helfen.
Wendelin Mölzer: Der treue Sohn
Portraitfoto von Wendelin Mölzer, FPÖ
© Parlamentsdirektion/Johannes Zinner
Portraitfoto von Wendelin Mölzer, FPÖ
• im Namen des Vaters
• seit 1998 bei „Zur Zeit“
• Vorsitzender des Kulturausschusses
Wendelin Mölzer ist vor allem Sohn von Andreas Mölzer. Noch vor Studienbeginn begann er seine Arbeit im Familienbetrieb: 1997 gründete Andreas Mölzer die rechtsextreme Zeitschrift „Zur Zeit“, der etwa im Rechtsextremismus-Bericht des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW) 2024 ein eigenes Unterkapitel gewidmet ist. Bis heute gibt Andreas Mölzer die inoffizielle Blattlinie vor: „Alles, was nicht links ist.“ Seit 1998 schreibt Wendelin Mölzer für das Magazin seines Vaters, war unter anderem Chef vom Dienst, Leitender Redakteur und Leiter der Innenpolitik. 2014 und 2015 war Wendelin sogar Chefredakteur. Mittlerweile ist er Mitglied des Herausgeber-Kollegiums, in dem sein Vater den Vorsitz führt.
Zitate aus „Zur Zeit“
- „Warum machte sich das jüdische Volk so unbeliebt, dass es immer wieder zu Ausschreitungen und Progromen kam“, fragt Franz Sitte. (29/2002)
- „Die Volksgemeinschafts-Ideologie des Nationalsozialismus schuf in kürzester Zeit ein überaus effektives beschäftigungspolitisches Programm“, lobt Andreas Mölzer. (21/2003)
- Friedrich Romig sieht die Globalisierung „als Weg, auf dem das Judentum weltweite Dominanz erlangt“. (46/2003)
- „Hitlers Diplomatie war zuweilen unorthodox, wenn er die ausgetretenen Pfade des Verhandlungswegs verließ und mit einem Überraschungscoup vollendete Tatsachen schuf“, schwärmt Roland Pregler. (14-15/2007)
- „Alles, was Israel ( ) unternimmt, ist Ausdruck von Israels dunklem, versteckten, bösen Charakter“, glaubt Johanna Grund (26-27/2012)
- Mit der Verurteilung des Neonazis Gottfried Küssel stelle sich Österreich „in eine Reihe mit China oder Nordkorea“, echauffiert sich Martin Pfeiffer (3/2013)
Wendelin Mölzer machte nicht nur im Verlag seines Vaters Karriere, er volontierte auch bei der „Kronen Zeitung“, bei der sein Vater Kolumnist ist, absolvierte ein Praktikum im ORF-Kärnten, als das Land von Ex-FPÖ-Chef Jörg Haider regiert wurde, und veröffentlichte mehrere Buchprojekte mit seinem Vater. Gemeinsam mit seinem Bruder Wolf-Rüdiger, der parlamentarischer Mitarbeiter im FPÖ-Klub ist, besitzt Wendelin Mölzer auch die „Edition K3“, die Muttergesellschaft der „W3 Verlagsgesellschaft“, die „Zur Zeit“ herausgibt. Geschäftsführer ist, wie könnte es anders sein, ihr Vater Andreas Mölzer.
Die FPÖ inseriert großzügig in „Zur Zeit“. 2019 beauftragte der FPÖ-Europaabgeordnete Harald Vilimsky bei „K3“ eine Studie, die zu großen Teilen aus kopierten Nachrichtenartikeln bestand, wie „Standard“ und „Stoppt die Rechten“ berichteten. Die Firma der drei Mölzers hatte lediglich kleine Änderungen vorgenommen, etwa indem der „rechtsextreme“ Front National „patriotisch“ genannt wurde. Laut „Falter“ sollen zwischen 2019 und 2024 fast 600.000 Euro aus der I&D-Fraktion an „Zur Zeit“ beziehungsweise die „K3“ geflossen sein. Rund ein Drittel der Einnahmen des Blattes sollen aus EU-Töpfen stammen.
Wendelin Mölzer folgte den väterlichen Spuren auch in die Partei: Während die Freiheitlichen gemeinsam mit der von Sebastian Kurz geführten ÖVP regierten, war Wendelin Mölzer blauer Bildungssprecher. Der Kärntner hat auch reichlich Uni-Luft geschnuppert: Ab 1999 studierte er insgesamt zwölf Jahre lang Geschichte. Erst in Graz, wo er – wie sein Vater – Mitglied der schlagenden Burschenschaft Vandalia Graz wurde, ab 2002 in Wien. Einen Universitätsabschluss hat der FPÖ-Abgeordnete nicht.
2019 war das Abenteuer in Wien für fünf Jahre unterbrochen, 2024 holte Herbert Kickl den Sohn von Andreas Mölzer zurück ins Parlament. Nun ist Wendelin Mölzer blauer Kultursprecher – und Obmann des Kulturausschusses im Nationalrat. Nebenbei verwaltet Mölzer die Immobilien der Burschenschaft „Vandalia“ in Graz. Dort gilt der Sohn von Andreas Mölzer als „Alter Herr“.
Katayun Pracher-Hilander: Chefrednerin im „Gaudimax“
11. Sitzung des Nationalrates in der 28. Gesetzgebungsperiode - Erklärungen des Bundeskanzlers, des Vizekanzlers und der Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten
© Parlamentsdirektion/Thomas Topf
11. Sitzung des Nationalrates in der 28. Gesetzgebungsperiode - Erklärungen des Bundeskanzlers, des Vizekanzlers und der Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten
• Corona-Hardlinerin
• unterhält mit absurden Reden
• lebte in „Persien“
Manchmal werden die Tage im Plenum des Nationalrats lang. Dann leeren sich die Reihen der Abgeordneten, manche gehen auf einen Kaffee oder an die frische Luft, andere treffen Bekannte. Wenn es wichtig wird, nehmen aber alle wieder ihren Platz ein. Oder wenn Unterhaltung garantiert ist. „Wenn Katayun Pracher-Hilander spricht, kommen viele Abgeordnete extra wieder in den Saal“, erzählt ein Abgeordneter. Andere Fraktionen würden das Plenum für die Dauer ihrer Auftritte nur noch „Gaudimax“ nennen, bestätigt ein anderer Abgeordneter.
Katayun Pracher-Hilander gehört zu jenen neuen blauen Abgeordneten, die durch die Coronapandemie zur FPÖ gefunden haben. Die Corona-Maßnahmen der Regierung seien für sie „psychologische Kriegsführung“ und „kriminelles Verhalten“, sagt die Wienerin etwa im März 2021 bei dem von Impfgegnern organisierten „Corona-Ausschuss“: Es werde „global versucht, das größte sozialpsychologische Experiment der Menschheitsgeschichte“ durchzuführen. Reiner Fuellmich, der Corona-Gegner, der Pracher-Hilander für den „Corona-Ausschuss“ interviewt hatte, wurde mittlerweile in Deutschland zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, weil er 700.000 Euro an Spendengeldern veruntreut haben soll.
„Wenn Katayun Pracher-Hilander spricht, kommen viele Abgeordnete extra wieder in den Saal“
ein Abgeordneter
der nicht der FPÖ angehört
In der Corona-Zeit bewegt sich Pracher-Hilander im Umfeld der FPÖ, veröffentlicht etwa Gastbeiträge im mittlerweile eingestellten rechtsextremen „Wochenblick“. Mitglied der Partei wird sie aber erst kurz vor der Nationalratswahl: Nur Herbert Kickl würde die Manipulationen während der Coronapandemie ansprechen, erklärt sie ihren Schritt, sie wolle ihren Kindern sagen können: „Ich tue alles in meiner Macht stehende, damit ihr in einem Land leben könnt, in dem freie Meinungsäußerung ein Selbstverständnis ist.“
Am Rednerpult des Nationalrats reizt Pracher-Hilander dieses Recht aus: Die Wirtschafts- und Sozialpsychologin spricht von einer „vollends abhängigen und versklavten Medienlandschaft“, dank der die Regierung die Bevölkerung „hypnotisiert, terrorisiert und erfolgreich traumatisiert mit dem Ziel der absoluten psychischen Zermürbung und Kapitulation“. Hilander warnt vor einer „schleichenden Transformation von einer Demokratie hin zu einer zentralistisch-diktatorisch geführten Machtstruktur“. Und „als Psychologin“ will sie die „Kriegsaffinität und Friedensfeindlichkeit“ der Regierung „fast schon als pathologisch bezeichnen“.
Überhaupt kommt kaum eine Rede der Wienerin ohne wüste Kritik an den Coronamaßnahmen und einen Hinweis auf ihren Beruf aus – mittlerweile durchaus zum Amüsement der anderen Fraktionen. Selbst das ORF-Gesetz kommentierte die Freiheitliche „aus der Perspektive der Psychologie“.
„Israel ist Tabuzone. Da kann man nichts kritisch hinterfragen.“
Katayun Pracher-Hilander
im März 2021
Bloß: Zum Lachen sind die Verschwörungserzählungen der Abgeordneten nicht. Nicht ohne Grund seien die Schutzimpfungen gegen das Coronavirus in Israel gestartet worden, erklärte die Psychologin 2021 etwa bei Fuellmich: „Israel ist Tabuzone. Da kann man nichts kritisch hinterfragen.“ Im Nationalrat ist die FPÖ-Abgeordnete nun Mitglied des Gesundheitsausschusses – und der bilateralen parlamentarischen Gruppe mit Israel. Zudem schreibt die Tochter eines Iraners und einer Finnin auf der Website des Parlaments, sie habe ihre Kindheit in Österreich, Finnland und „Persien“ verbracht. Das frühere „Persien“ heißt bereits seit 1935 „Iran“. Auch zu diesem Land soll Pracher-Hilander als Mitglied der bilateralen parlamentarischen Gruppe gute Beziehungen aufbauen und vertiefen.
Zuletzt erregte die Freiheitliche durch parlamentarische Anfragen Beachtung: Pracher-Hilander wollte von Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) „Versorgungsumfang und Kosten medizinischer Leistungen für in Österreich lebende Staatsbürger“ aus der Ukraine, Türkei, Syrien, Pakistan, Libyen, Iran (nicht „Persien“), Irak, Indien, afrikanischen Staaten und Afghanistan wissen. Warum ausgerechnet diese Herkunftsländer abgefragt wurden, geht aus den Anfragen nicht hervor. Drittstaatsangehörige gehen jedenfalls im Schnitt deutlich seltener ins Spital als Österreicherinnen und Österreicher.
Die „Kronen-Zeitung“ übernahm dennoch die nackten Zahlen der Anfragebeantwortung und skandalisierte sie. Auch FPÖ-Chef Herbert Kickl nutzte Pracher-Hilanders Anfragen, um Stimmung gegen Migrantinnen und Zuwanderer zu machen. Pracher-Hilander hat bereits die nächste Anfragenwelle an die Gesundheitsministerin eingebracht: Diesmal geht es ihr um die Kosten, die Angehörige einzelner Nationalitäten im niedergelassenen Bereich verursachen.
Sebastian Schwaighofer: Jugend gegen Links
11. Sitzung des Nationalrates in der 28. Gesetzgebungsperiode - Erklärungen des Bundeskanzlers, des Vizekanzlers und der Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten
© Parlamentsdirektion/Thomas Topf
11. Sitzung des Nationalrates in der 28. Gesetzgebungsperiode - Erklärungen des Bundeskanzlers, des Vizekanzlers und der Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten
• „Linksextremismussprecher“
• beschäftigt einen Rechtsextremen im Parlament
• verharmlost rechtsextreme Straftaten
Als größte Fraktion im Nationalrat hat der blaue Klub mehr Abgeordnete, als es relevante Themen und damit Bereichssprecher-Funktionen gibt. Manche Hinterbänkler sind daher inoffiziell stellvertretende Bereichssprecherinnen oder -sprecher, für andere hat die Partei Funktionen erfunden: Sebastian Schwaighofer ist etwa „Linksextremismussprecher“. Und wird dabei von einem Rechtsextremisten unterstützt.
Schwaighofer ist mit 25 Jahren der jüngste Abgeordnete im Nationalrat und überhaupt der erste, der nach der Jahrtausendwende geboren wurde. Dass er zu den Freiheitlichen stieß, war „im Prinzip eine Trotzreaktion“, erzählte der Salzburger gegenüber dem FPÖ-Klubradio: Seine Geschichtslehrerin sei „eine wahnsinnige Verfechterin der Grünen gewesen“ und habe im Jahr 2015 Flüchtlinge in seine Klasse integrieren wollen. Das war dem damals 15-Jährigen offenbar zu viel. „Da hat dann bei mir ein separates Denken eingesetzt, und das kann nur zur freiheitlichen Partei führen.“
Wirklich politisch aktiv wurde er aber erst aufgrund der Covid-Maßnahmen. In der Salzburger FPÖ legte Schwaighofer eine Blitzkarriere hin, auch dank Unterstützung von Landeschefin Marlene Svazek: 2022 wurde er Landesobmann der Freiheitlichen Jugend, 2023 Landesparteisekretär der FPÖ, 2024 geschäftsführender Bundesobmann der Freiheitlichen Jugend.
Im Parlament führt Schwaighofer seinen Kampf gegen Linksextremismus mit aller rhetorischen Härte und rechtsextremer Unterstützung: Sein parlamentarischer Mitarbeiter ist Fabian Rusnjak, lange Jahre Führungsfigur der rechtsextremen Identitären Bewegung (IBÖ), deren Symbole in Österreich verboten sind. Schwaighofers Freiheitliche Jugend sei „jene Teilorganisation der FPÖ, die den inhaltlichen und ästhetischen Gleichklang mit der IBÖ am unverblümtesten lebt“, hält der Rechtsextremismusbericht des Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) für das Jahr 2024 fest.
Der Abgeordnete sagt selbst, dass er sieben Mal die Woche von „Remigration“ spreche – ein ausländerfeindliches Schlagwort der vom Verfassungsschutz beobachteten „Neuen Rechten“ wie der IBÖ. Auch Maximilian Weinzierl, ebenfalls Bundesobmann der Freiheitlichen Jugend, beschäftigt einen Identitären im Parlament.
Als „Linksextremismussprecher“ beschäftigt sich Schwaighofer 20 Stunden in der Woche mit Linksextremismus, will „die unheilige Allianz aus Kommunisten und Islamisten“ bekämpfen und spricht davon, dass „linksextreme Verbrecher unsere Städte terrorisieren“.
Gleichzeitig spielt der ehemalige Schnapsbrenner die Gefahr von rechts herunter, wie profil aufzeigte: Der 25-Jährige behauptete, der Anstieg rechtsextremer Straftaten liege vor allem an „Meinungsdelikten im Internet“, bei denen „patriotische Positionen kriminalisiert“ würden. Tatsächlich machten gesetzwidrige Agitationen im Internet 2024 nur ein Viertel aller rechtsextremen Tathandlungen aus.
Der Großteil passiert immer noch offline, steigt im gleichen Maß wie die Internet-Verbrechen und reicht von Verhetzung über Diebstahl, Widerstand gegen die Staatsgewalt bis zu Körperverletzung und sexuellem Missbrauch von Unmündigen. Selbst wenn man das Verbotsgesetz gänzlich ignoriert, wurden laut Verfassungsschutz 2024 mehr rechtsextreme Straftaten (896) gesetzt als linksextreme (388) und islamistische (297) zusammen.
Sebastian Schwaighofer und seinen rechtsextremen Mitarbeiter interessiert das naturgemäß nicht.
Markus Leinfellner: Zur Angelobung ausgeliefert
32. Sitzung des Nationalrates in der 28. Gesetzgebungsperiode - Budgetdebatte
© Parlamentsdirektion/Thomas Topf
32. Sitzung des Nationalrates in der 28. Gesetzgebungsperiode - Budgetdebatte
• postete „Zuwanderung tötet“
• sieht Zusammenhang zwischen Schweinefleisch und Selbstmordattentaten
• wurde direkt nach seiner Angelobung ausgeliefert
Am ersten Arbeitstag ist wohl fast jeder nervös, meist zu Unrecht. Markus Leinfellner hätte sich durchaus zu Recht Sorgen machen dürfen: Der FPÖ-Abgeordnete wurde im Herbst 2024 vom Nationalrat noch am Tag seiner Angelobung zur Strafverfolgung ausgeliefert.
Was war passiert? Bei einer Diskussionsveranstaltung zur EU-Wahl im Mai 2024 sagte Leinfellner, dass „Menschen, die Schweinefleisch in Österreich essen, weniger dazu neigen, sich in die Luft zu sprengen“. Anstatt als Bundesrat zurückzutreten, stieg Leinfellner innerhalb der FPÖ auf und übernahm nach der EU-Wahl ein frei gewordenes Mandat im Nationalrat.
Die Justiz sah seine Aussage offenbar kritischer als die blaue Partei: Noch am Tag seiner Angelobung im Nationalrat wurde Leinfellners Immunität auf Antrag der Staatsanwaltschaft Graz aufgehoben, damit diese wegen Verhetzung ermitteln konnte. Das Verfahren wurde mittlerweile eingestellt. „Ein klarer Sieg für die Meinungsfreiheit“, freute sich FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz.
Es war nicht das erste Mal, dass die Staatsanwaltschaft Graz gegen Leinfellner ermitteln wollte: Nach dem Mord an der 13-jährigen Leonie hatte der Steirer 2022 auf Facebook gepostet: „Zuwanderung tötet“. Damals wurde Leinfellners Immunität im Bundesrat aber nicht aufgehoben.
Der Online-Auftritt des Abgeordneten ist generell auffällig, wie „Stopp die Rechten“ recherchierte: Ein FPÖ-Gemeinderat in Leinfellners Bezirk hatte immer wieder rechtsextreme und neonazistische Anspielungen gepostet und bekam darauf online Zuspruch von Leinfellner. 2014 postete der Gemeinderat etwa ein Foto, das ihn mit Schlagring-Tattoo und einem Ring mit dem auch von Rechtsextremen verwendeten Eisernen Kreuz zeigt. Leinfellner reagierte darauf mit einem Like. Der Schlagring wird im gewaltaffinen Milieu oft als Symbol verwendet, der blaue Gemeinderat postete zu seinem Tattoo auch eine Deutungsanleitung: „Ich bin die Zahnfee!!! Kein Schwanz wird so hart wie das Leben. Ich polier dir die Fresse!!!“ Leinfellner fand das Tattoo „echt geil“.
Marie Christine Giuliani-Sterrer: Die Corona-Senderin
13. Sitzung des Nationalrates in der 28. Gesetzgebungsperiode
© Parlamentsdirektion/Thomas Topf
13. Sitzung des Nationalrates in der 28. Gesetzgebungsperiode
• Ex-Lottofee
• Corona-Maßnahmen-Gegnerin
• kennt die Zusammensetzung von Luft
Echte FPÖ-Fans kennen Marie Christine Giuliani-Sterrer. Doch auch Freunden von ORF, „Kronen Zeitung“ und „Bingo“ dürfte die freiheitliche Sprecherin für Petitionen und Bürgerinitiativen bekannt vorkommen. Von 1990 bis 2000 moderierte Giuliani-Sterrer ORF-Sendungen wie „Nur die Liebe zählt“, „Wurlitzer“ oder „Niederösterreich Heute“. 1995 gewann sie die Romy als beliebteste Fernsehansagerin. Daneben war sie als Journalistin für das „Seitenblicke“-Magazin und die „Krone“ tätig – und als Lottofee. 16 Jahre lang moderierte Giuliani-Sterrer dann die „Bingo“-Show der österreichischen Lotterien. 2016 wechselte sie den Beruf und wurde Psychotherapeutin. Seit 2021 moderiert Marie Christine Giuliani-Sterrer wieder: bei FPÖ-TV.
„Giuliani-Sterrer ist wie die Tante, die man immer geschätzt hat und die in der Corona-Zeit weggeschwurbelt ist“, sagt ein Abgeordneter einer anderen Fraktion. Wegen der Lockdowns habe sie erst ihre eigene Meinung, dann Reden von Herbert Kickl gepostet, erklärte sie dem „Kurier“: Irgendwann sei daraus eine „freundschaftliche Zusammenarbeit“ entstanden. Denn die FPÖ sei „die einzige Partei, in der man aussprechen und senden kann, was und wie man denkt“.
Die FPÖ-Abgeordnete spricht und sendet viel. Am liebsten immer noch über die Coronapandemie und wer davon profitiert haben soll: Man müsse nur „der Spur des Geldes“ folgen, erklärte sie etwa am Rednerpult. Im Mai 2025 schickte sie offenbar allen anderen Abgeordneten Mails zur Weltgesundheitsorganisation WHO, neben der ehemaligen schwarz-grünen Regierung eines ihrer Lieblingsfeindbilder. „Ich habe euch das Video eben geschickt und habe mich wirklich gewundert: Kein einziger Abgeordneter hat nachgefragt“, sagte sie bei ihrer Rede zum Tätigkeitsbericht der Volksanwaltschaft. Neos-Klubchef Yannick Shetty hatte dann doch eine Frage: „Wie kann man sich von Ihrem Newsletter abmelden?“
Giuliani-Sterrer ist nicht nur Gegnerin der Corona-Maßnahmen: „Der Klimawandel ist unbestreitbar“, sagte die Moderatorin in einer Rede, doch: „Die Diskussion geht für mich nur darum, inwieweit das Thema menschengemacht ist und wie man damit umgeht.“ Immerhin bestehe Luft nur zu 0,04 Prozent aus CO2, erklärte die FPÖ-Abgeordnete: „Ich glaube, viele Klimakleber wissen das gar nicht und kleben trotzdem auf der Straße.“
Für die FPÖ moderiert Giuliani-Sterrer weiter, neuerdings auch im parteieigenen Webradio „Austria First“. In ihrer Sendung „Giuliani im Gespräch – Die Gedanken sind frei“ will sie mit „hochkarätigen Gästen und Experten“ sprechen. Bisher waren drei FPÖ-Abgeordnete und ein ehemaliger ORF-Moderator, der 2002 als Spitzenkandidat für das Liberale Forum antrat, zu Gast.
Max Miller
ist seit Mai 2023 Innenpolitik-Redakteur bei profil. Schaut aufs große Ganze, kritzelt gerne und mag Grafiken. War zuvor bei der „Kleinen Zeitung“.