ORF-Manager Strobl
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ORF-Manager Strobl
Money-Mamba, Pensionsmaximierer, Weißmann-Gegner: Wer ist Pius Strobl?
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Schreibt man Pius Strobl ein Mail an seine Berufsadresse im ORF, erhält man eine ausführliche Abwesenheitsmeldung: Er sei „krankheitsbedingt“ nicht erreichbar, werde aber „wie folgt vertreten“: „In Angelegenheiten Projekt Medienstandort von Herrn C. B.“ „In Angelegenheiten Facility Management von Herrn M. B.“ „In Angelegenheiten Corporate Social Responsibility von Frau L. Z.“ „In Angelegenheiten Barrierefreiheit und Inklusion von Herrn R. Z.“ „In Angelegenheiten Sicherheit von Herrn W. N.“
Bei Strobl muss es sich also um einen viel beschäftigten Tausendsassa handeln, für dessen Vertretung als Hauptabteilungsleiter gleich vier Stellvertreter und eine Stellvertreterin notwendig sind.
Pius Strobl war in den vergangenen zwei Jahrzehnten einer der einflussreichsten Männer im ORF – mit unbestreitbaren Verdiensten, aber auch evidenten Makeln. Der Boulevard beschimpft den bald 70-Jährigen als „Gagenkaiser“ und „Luxusbonzen“. Seit zwei Monaten wird medial spekuliert, welche Rolle er beim Rücktritt von Roland Weißmann als ORF-Chef spielte. Wer ist der Mann, der einst die Grünen mitgründete und nun droht, seinen langjährigen Arbeitgeber zum Pensionsantritt zu verklagen?
Nichts triggert die Öffentlichkeit mehr als Honorarmaximierer im staatlichen oder staatsnahen Bereich. Alljährlich im März muss der ORF eine Liste seiner Großverdiener mit über 170.000 Euro Jahresgage veröffentlichen, auf der aktuellen findet sich Strobls Name auf dem ersten Platz. Im Jahr 2025 bezog er 468.856,32 Euro. Erst auf dem zweiten Platz folgt mit 427.500 Euro der gestrauchelte ORF-Generaldirektor Roland Weißmann, der von der neuen Generaldirektorin Ingrid Thurnher als leitender Angestellte gekündigt wurde und dagegen klagen will.
Dass Strobl dermaßen gut verdient, liegt an Weißmanns Vorgänger Alexander Wrabetz, der Strobl in seiner Zeit als ORF-Generaldirektor von 2007 bis 2022 entsprechend lukrative Dienstverträge mit üppigen Bonuszahlungen gewährte.
Wer je mit dem bulligen und machtbewussten Strobl zu tun hatte, ob als Professionist bei der Renovierung des ORF oder als Rundfunkmitarbeiter, weiß, was Durchsetzungskraft ohne Rücksicht auf Verluste bedeutet. Die Verluste von anderen, wohlgemerkt.
Weißmann und Strobl bei der "Licht ins Dunkel"-Charity-Gala
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Weißmann und Strobl bei der "Licht ins Dunkel"-Charity-Gala
Fette Rente
Allzu vielen Kolleginnen und Kollegen im ORF wird Strobl nicht abgehen, wenn er Ende des Jahres in Pension geht. Umso länger wird er in Erinnerung bleiben, vor allem in der Geschäftsführung, der er als Abschiedsgeschenk eine Klagsdrohung hinterlässt. Grund dafür ist abermals Alexander Wrabetz. Dieser sicherte Strobl 2010 eine Zusatzpension zu, die Weißmann auf Basis zweier Rechtsgutachten für ungültig erklärte.
Ein streitbarer Charakter wie Strobl will auf die Auffettung seiner Rente nicht verzichten. Als ordentlicher Kaufmann ließ Weißmann in der ORF-Bilanz mit einer Rückstellung von 2,4 Millionen Euro Vorsorge treffen. Der exakte Inhalt der Regelung zwischen Wrabetz und Strobl ist unbekannt, allerdings wurde Strobls Pensionskonvolut dieser Tage den Stiftungsräten zur Einsicht vorgelegt. Was daraus und aus früheren Berichten durchgesickert ist: Wrabetz garantierte Strobl im Jahr 2010 5000 Euro an monatlicher Sonderpension. Diese wird dem Vernehmen nach entsprechend der Rendite einer österreichischen Pensionskasse angepasst, womit sich bis heute – grob gerechnet – ein Wert von bis zu 9000 Euro ergeben würde. Sollte zusätzlich noch eine Art Inflationsanpassung vorgesehen sein, wäre man bald bei 10.000 Euro. Würde nur die Inflation abgegolten, käme Strobl auf bis zu 7000 Euro Zusatzpension. Dazu gibt es noch Klauseln für dessen Angehörige, die die Höhe der monatlichen Pension ebenfalls beeinflussen. Die exakte Berechnung seiner monatlichen Pension würde – so der ORF die Extrarente nicht verweigert – erst mit seinem Ausscheiden aus dem ORF Ende 2026 erfolgen. Strobl wird diese zur Vorbereitung seiner Klage wohl aus eigenem für sich erstellen lassen.*
Bei der Sitzung des ORF-Stiftungsrats vergangene Woche war auch Strobls Pensionsvertrag Thema. Leonhard Dobusch, BWL-Professor an der Uni Innsbruck, empfahl Ingrid Thurnher sogar ein strafrechtliches Vorgehen wegen mutmaßlicher Bilanzfälschung. Manche Experten meinen, Wrabetz und Strobl könnten ein Problem mit möglicher Untreue gegenüber dem ORF bekommen, allerdings könnte die Causa auch bereits verjährt sein. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Pius Strobl hält gegenüber profil fest: „Die ,freiwillige Pensionszusage‘ durch Herrn Alt-Generaldirektor Wrabetz ist ein mir zustehender Vertragsbestandteil, den ich – sollte der ORF die Erfüllung verweigern – auf dem dafür vorgesehenen Rechtsweg einklagen werde. Diese Klage ist allerdings erst dann möglich, wenn die Anspruchsberechtigung nach Beendigung meines derzeitigen Vertrags eintritt.“
Nachdem Weißmann Strobl die Sonderpension gestrichen hatte, war das Arbeitsverhältnis der beiden zerrüttet. Strobl beklagt, Weißmanns „Mobbing und Bossing“ habe ihn schwer getroffen. Dazu sei er von der Organisation des Song Contests in Wien ausgeschlossen worden. Seit nunmehr einem Jahr befindet er sich im Krankenstand.
Rechnung von Strobls Beratungsunternehmen
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Rechnung von Strobls Beratungsunternehmen
Neben seinem Job im öffentlich-rechtlichen Rundfunk verdingt sich Strobl auch als Alleingesellschafter und Geschäftsführer der p+s consulting & communications GmbH mit Sitz in Wien- Ottakring. Während er im ORF krankgemeldet ist, bleibt Strobl als Privatunternehmer weiter tätig. Dies geht aus einer profil vorliegenden Rechnung der p+s consulting, datiert mit 18. Dezember 2025, hervor, in der Strobl der Sakoyah Beteiligungsverwaltungs-GmbH 2400 Euro für „Beratungsleistungen in den Themenbereichen Events, Marketingkonzeption, Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Strategie, Umsetzungen“ verrechnet. Als Leistungszeitraum ist „Dezember 2025“ vermerkt. Die Sakoyah ist Betreiberin des Pferdesportparks Magna Racino im niederösterreichischen Ebreichsdorf, den einst der Industrielle und Kurzzeitpolitiker Frank Stronach errichten ließ. Seit 2025 steht die Anlage im Eigentum des irischen Immo-Investors Luke Comer und soll in Zukunft als „Comer City“ dienen – eine Location für Events aller Art.
Eine zweite profil vorliegende Rechnung der p+s consulting an die Sakoyah, ebenfalls über 2400 Euro, datiert mit 2. Jänner 2026, trägt den Betreff „Dauerrechnung 2/2026“, beinhaltet dasselbe Leistungsspektrum und gilt für den Zeitraum Jänner bis Juni 2026.
Dass er im Krankenstand privat arbeiten würde, weist Strobl zurück: „Ich habe als Geschäftsführer die gegenständliche Rechnung an die Firma Sakoyah gelegt und unterschrieben, allerdings erbringe ich persönlich keine Leistungen für dieses Unternehmen, sondern ein mit entsprechender Erfahrung und Expertise ausgestatteter Mitarbeiter berät bei der Konzeption und den Marktzugängen bei dem dortigen Vorhaben der Etablierung eines ‚Weihnachtsmarktes‘.“
Allerdings war Strobl im Dezember zumindest an einem Tag im Magna Racino anwesend, wie der niederösterreichische Unternehmer Richard Waidhofer gegenüber profil angibt. Er habe sich dort, so Waidhofer, mit Strobl über geplante Veranstaltungen ausgetauscht. Mit am Tisch saß auch ein ehemals prominenter Spitzenpolitiker: Ex-Innenminister Ernst Strasser, ÖVP, der als Hotelier in Bad Ischl und als Unternehmensberater arbeitet. Er sei rein privat und keinesfalls geschäftlich im Magna Racino gewesen, so Strobl gegenüber profil. Ernst Strasser sei „seit Jahrzehnten ein persönlicher Freund von mir und wird es aller Voraussicht nach bis an mein Lebensende bleiben. Dr. Strasser ist als Berater für die Firma Sakoyah tätig und hat mein Unternehmen, welches über sehr lange Erfahrungen mit der Organisation eines Weihnachtsmarktes verfügt, empfohlen.“
Privates Mail vom ORF-Account
Für seine Nebenbeschäftigung verfügt Strobl über eine Erlaubnis des ORF. Zum Problem könnte es werden, dass er – zumindest in einem Fall – ORF-Ressourcen für sein Unternehmen nutzte, wie profil vorliegende Unterlagen zeigen. Am 19. Dezember schickte eine Mitarbeiterin von Strobl über ihren ORF-Account ein Mail an den Sakoyah-Geschäftsführer: „Im Auftrag von Herr Pius Strobl, p+s Consulting, übersende ich Ihnen anbei die Rechnung für Dezember und für das kommende Jahr.“ Strobls Erklärung: Sein privater Scanner sei defekt gewesen, daher habe er eine Mitarbeiterin aus dem ORF „ausnahmsweise gebeten, diese Honorarnote einzuscannen und zu schicken“. Er nutze ORF-Ressourcen „selbstverständlich“ nicht für seine „privaten Angelegenheiten und auch nicht für die Angelegenheiten der p+s cc gmbh“.
Aus der Medienstelle des ORF heißt es auf Anfrage von profil: „Für Pius Strobl gilt, was für alle Mitarbeitenden des ORF gilt: Während des Krankenstandes darf kein der Genesung abträgliches Verhalten gesetzt werden. Privatleistungen während der Arbeitszeit dürfen weder verlangt noch erbracht werden.“
Grünpolitiker Peter Pilz, Terezija Stoisits, Pius Strobl und Andreas Wabl (1993)
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Grünpolitiker Peter Pilz, Terezija Stoisits, Pius Strobl und Andreas Wabl (1993)
Karriere bei den Grünen
Pius Strobl wurde – wie Ernst Strasser – politisch in den späten 1980er-Jahren und damit in einer Zeit geprägt, als die Parteien und ihre Sekretäre im ORF ungeniert schalten und walten konnten; und es ganz normal und gesetzeskonform war, dass sie auch im Kuratorium, dem Vorläuferorgan des Stiftungsrats, vertreten waren.
Ernst Strasser, damals Landesparteisekretär der ÖVP Niederösterreich, saß für das Land Niederösterreich von 1993 bis 2000 im Kuratorium, Pius Strobl zur selben Zeit für die Grünen. Im Jahr 1986 war er einer der Gründer der Öko-Partei, nachdem er sich zuvor bei der SPÖ engagiert hatte. In der Folge wurde er Grünen-Bundesgeschäftsführer und saß im Parteivorstand. 1991 versuchte er sich erfolglos als grüner Spitzenkandidat bei der Landtagswahl im Burgenland.
In seiner Zeit in der Politik erwarb sich Strobl aufgrund seiner ausgeprägten Konfliktbereitschaft den Beinamen „grüne Mamba“. Ende der 1990er-Jahre schied er aus der Politik aus und machte sich als Immobilienkaufmann, Gastronom, Eventveranstalter und PR-Berater selbstständig. Auch als Unternehmer bewies er Tatkraft. Er entwickelte den Weihnachtsmarkt am Wiener Spittelberg im 7. Bezirk, den „Eistraum“ vor dem Rathaus und veranstaltete Public Viewings bei der Fußball-Europameisterschaft 2008.
Im Jahr 2004 nominierte ihn seine Partei erneut für den Stiftungsrat, im Jahr 2006 organisierte er listenreich in einer Regenbogenkoalition mit SPÖ und FPÖ eine Mehrheit für die Wahl von Wrabetz zum ORF-Chef. Die ÖVP und ihre ORF-Chefin Monika Lindner wurden überrumpelt. Wrabetz holte Strobl – unter scharfem Protest der ÖVP – vom Aufsichtsgremium direkt in das Management des ORF und bedachte ihn mit dem einflussreichen Posten des Kommunikations- und Marketingchefs.
Strobl und Wrabetz auf ORF-Baustelle
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Strobl und Wrabetz auf ORF-Baustelle
Im Jahr 2011 brachte sich Strobl selbst zu Fall. Er hatte eine Mitarbeiterin dazu veranlasst, Gespräche von ORF-Direktoren mit Journalisten am Rande einer Stiftungsratssitzung aufzunehmen. Zu Dokumentationszwecken, wie Strobl sagte; um sie zu bespitzeln, wie Stiftungsräte ihm vorwarfen. Strobl musste den ORF verlassen. 2015 holte ihn Wrabetz als Troubleshooter für den 300 Millionen Euro teuren ORF-Umbau zurück, dessen Kosten zu explodieren drohten. In der Folge stellte er Strobl wieder fix als Facility-Manager an, übertrug ihm die Verantwortung für den gesamten Medienstandort und weitere Funktionen wie die Leitung des Humanitarian Broadcasting.
Für seine Leistungen als Chef von „Licht ins Dunkel“ erhielt Strobl 2023 aus den Händen des grünen Vizekanzlers Werner Kogler die Urkunde zur Verleihung des Berufstitels „Professor“, den er seither auf seiner Visitenkarte anführt.
Per Jahreswechsel wird Strobls erfolgreiche Karriere im ORF unrühmlich zu Ende gehen. Welche Koinzidenz: Auch sein Kontrahent Roland Weißmann scheidet vom ORF im Zorn und juristischen Streit. Strobl sagte einmal über sich selbst, „kein besonders guter Vergesser“ zu sein.
Weißmanns Verdacht
Genau deswegen verdächtigt ihn Weißmann, hinter den Vorwürfen sexueller Belästigung zu stecken. Die betroffene Frau arbeitet in Strobls Bereich und wird von dessen Anwalt vertreten. Mitte März zeigte Weißmann sie wegen Verleumdung an (die Staatsanwaltschaft Wien hat Ermittlungen aufgenommen; es gilt die Unschuldsvermutung) und nennt Zeugen, die ein angebliches Naheverhältnis von Strobl und der Frau bezeugen könnten.
Dieser wies zurück, sie angestiftet zu haben, ihre Vorwürfe gegenüber Weißmann an die ORF-Stiftungsratsspitze heranzutragen. Ebenso bestritt er Vermutungen über eine Beziehung mit ihr. Die Ironie: Weißmann seinerseits behauptet, eine Art Verhältnis mit der Betroffenen gehabt zu haben, was diese dementiert.
Selbst Strobls Gegner loben dessen Hilfsbereitschaft. Manche sprechen sogar von einem „Helfersyndrom“. Strobl sagte über sich: „Ich bin ein geradliniger Mensch mit einem sehr ausgeprägten Bewusstsein für selbstverständliche Gerechtigkeiten und Handschlagqualitäten.“ Und das auch, wenn es um die eigene Spitzengage und seine Extrapension geht.
Welcher seiner fünf Stellvertreter Strobls Chefposten zu Jahresende übernehmen wird, ist noch offen.
Gernot Bauer
ist seit 1998 Innenpolitik-Redakteur im profil und seit 2025 Leiter des Innenpolitik-Ressorts. Co-Autor der ersten unautorisierten Biografie von FPÖ-Obmann Herbert Kickl.