Klaus Herrmann („Kronen Zeitung“), Peter Hacker, Richard Grasl („Kurier“), Clemens Neuhold (profil)

© KURIER/Franz Gruber

Club 3
02/19/2022

Peter Hacker im Club 3: „Milliarde fürs Testen“

Nach dem Wiener Gesundheitsstadtrat sollte es auch nach dem 5. März Gratis-Tests, Maskenpflicht im Handel und 3G am Arbeitsplatz geben.

von Clemens Neuhold

Eigentlich hätte Wolfgang Mückstein (Grüne) Gast im Club 3, dem gemeinsamen TV-Talk von profil, „Kurier“ und „Kronen Zeitung“, sein sollen: Doch der Gesundheitsminister machte sich in gefühlt letzter Minute rar. So nahm kurzentschlossen der streitbare Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) seinen Platz ein und richtete Mückstein gleich zu Beginn aus, wie wichtig es sei, die Corona-Entwicklung bei jeder Gelegenheit zu erklären. Doch auch Wien fehle derzeit die gemeinsame Diskussionsplattform mit dem Gesundheitsminister – nicht nur in Fragen der Pandemie. Ein Grund für die spürbar gewachsene Distanz zum Minister ist der Streit zwischen Wien und Bund um die Aufhebung praktisch aller Corona-Schutzmaßnahmen am 5. März. 

40 bis 60 neue Omikron-Patienten täglich

Wien fühlt sich bei diesem weitreichenden Beschluss nicht eingebunden und will einen eigenen Weg gehen. So kündigt Hacker an, dass in der Hauptstadt auch nach dem 5. März eine Maskenpflicht im Handel gelten wird. „Die Pandemie ist an diesem Tag nicht vorbei.“ Derzeit würden in Wiens Spitälern täglich 40 bis 60 Omikron-Patienten eingewiesen werden, drei Viertel davon ungeimpft. Die bald dominante Omikron-Subvariante BA.2 sei ein weiterer Unsicherheitsfaktor. 

Um die Übersicht übers Infektionsgeschehen bestmöglich zu behalten, will Hacker weiter für den Erhalt des Gratis-Test-Systems kämpfen. Ab April könnte die Finanzierung durch den Bund auslaufen, und das trifft vor allem Wien mit seinem Mega-Labor für „Alles gurgelt“. Hacker würde sich die Milliarde fürs Gratis-Testen wünschen, die für die abgesagte Impflotterie reserviert war (wie die Österreicher darüber denken, siehe aktuelle Umfrage).

„Alles gurgelt“ könnte die gesamte Ostregion mit Tests versorgen, sagt Hacker. Ein zweiter Standort in Salzburg oder Tirol sollte den Rest abdecken. Die Tests für Geimpfte kostenpflichtig zu machen, davon hält er nichts. „Damit öffnen wir die Büchse der Pandora.“ Österreich habe ein solidarisches Gesundheitssystem nicht nur für Ungeimpfte, sondern auch für „Raucher, Stelzen-Fans oder Radfahrer, die keinen Helm tragen“.

3G am Arbeitsplatz, solange Impfpflicht gilt

Gar nicht nachvollziehen kann Hacker das Signal Mücksteins, wonach auch die 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet) am Arbeitsplatz durch die Öffnung fallen soll. Laut Hacker sollte am Arbeitsplatz so lange 3G gelten, solange die Impfpflicht gilt. Zum SPÖ-Beschluss pro Impfpflicht steht Hacker weiterhin. Er geht davon aus, dass diese ab 15. März auf der Straße auch kontrolliert wird.

Hacker verriet gegen Ende noch, warum er so gerne „Wuchteln“ schiebt. „Ich will komplizierte Dinge einfach erklären.“ Jüngstes Beispiel: der Vorwurf an Mückstein und die Regierung, „Infektionslotterie“ zu spielen. Egal ob „ZIB 2“ oder Club 3, Hacker ist derzeit ganz in seinem Element. Der Gesundheitsstadtrat nimmt sich die Bühne, wo er nur kann. Im Unterschied zum Gesundheitsminister.