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Österreich
09/23/2020

profil-Morgenpost: Partyschreck

Guten Morgen!

von Ines Holzmüller

Vergangenen Donnerstag schritten Regierungsmitglieder erneut zur Pressekonferenz, um verschärfte Corona-Maßnahmen zu präsentieren. Dazu gehörte auch die Beschränkung von privaten Feiern in Lokalen auf eine Gästeanzahl von maximal zehn Personen. Auf Nachfrage einer ORF-Kollegin hin, ob dies denn auch für die eigene Wohnung gelte, verneinte Bundeskanzler Sebastian Kurz verfassungskonform und antwortete leicht lächelnd: „Die Masse der Menschen in Österreich wohnt nicht in einem Ausmaß, dass es leicht möglich ist, deutlich mehr als zehn Personen einzuladen“. Eine Aussage, die mir im Gedächtnis blieb und zweierlei beunruhigende Schlüsse zulässt:

Der erste wurde sogleich von zahlreichen Social-Media-Usern formuliert: Wurde unser Bundeskanzler noch nie zu einer Party in einer Wohnung eingeladen? Immerhin ist er der Erfinder des Geilomobils und weiterhin Jus-Student – da setzt man Erfahrung in überfüllten Studentenbuden doch voraus? Fehlt ihm hier ein entscheidendes Sozialisationserlebnis?

Der zweite – und ernster gemeinte – Schluss: Der Bundeskanzler denkt, dass die meisten Österreicher so beengt leben, dass sie keine zehn Personen zu sich einladen können und findet das normal, sogar gut. Sehen wir uns einmal die Zahlen an: In Wien wurd die Wohnfläche pro Person zuletzt kleiner. 2014 waren es 38m², 2018 noch 36m². Die Preise pro Quadratmeter steigen hingegen immer weiter an. Was Sebastian Kurz im Hinblick auf die Corona-Maßnahmen „zuversichtlich stimmt“, ist für viele also ein handfestes Problem, gerade im Falle von Homeoffice bei gleichzeitiger Kinderbetreuung und Homeschooling. Besonders Kinder leiden laut Experten unter der Wohnraumenge durch Corona. Von Partys gar nicht zu reden, aber ja, auch die werden wir vermissen: „Alles, was Freude mache, sei gefährlich, erklärte der Kanzler. Danke, aber so kann man nicht leben“, schreibt Rosemarie Schwaiger in ihrem aktuellen Leitartikel.

Sowohl der Mangel an Wohnraum als auch die Corona-Maßnahmen werden heute wohl auch Thema bei der profil-Elefantenrunde zur Wien-Wahl sein – erst der zweiten ihrer Art. Verfolgen Sie das Gespräch im Livestream auf Facebook oder hören Sie es später als profil-Podcast.

Einen schönen Mittwoch

Ines Holzmüller

PS: Gibt es etwas, das wir an der „Morgenpost“ verbessern können? Das Sie ärgert? Erfreut? Wenn ja, lassen Sie es uns unter der Adresse [email protected] wissen.

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